"Mein Herz brennt"

In "Nothing But Music" erzählt Klezmer-Klarinettist Giora Feidman sein Leben - Das Stück ist jetzt in der Bonner Oper zu sehen

Bonn. Mit seiner Klarinette nimmt Giora Feidman sein Publikum mit auf eine Reise. Es ist die Reise seines Lebens, die ihn von Buenos Aires über Israel und New York nach Deutschland führt. Es bedarf nur weniger Worte in Feidmans ganz persönlichem Stück "Nothing But Music", es ist seine Musik, es ist die Klarinette, die die eigentliche Geschichte eindrucksvoll erzählt.

Zwischen Klezmer und Tango, Jazz und Blues gelingt es dem jüdischen Klarinettenvirtuosen, die ganze Breite menschlicher Gefühle wiederzugeben - besser als es Sprache kann. "Nothing But Music" wurde jetzt im Grand Théâtre von Luxemburg uraufgeführt.

"Die Klarinette ist das Mikrofon meiner Seele. Musik bleibt bestehen", sagt Feidman, der als einer der größten Stars der wiederentdeckten osteuropäischen Klezmer-Musik gilt. Das einzige, das ihn sein Leben lang begleitet und ihm einen Lebenssinn gegeben hat, ist die Musik.

"Unsere Heimat ist nichts als Musik", meint der Wandermusiker, der 1936 als Kind jüdischer Emigranten in Buenos Aires geboren wurde. Passend zum 60. Jahrestag des Kriegsendes in Europa erzählt Feidman mit fünf Musikern und acht Schauspielern in zehn Bildern eine typisch jüdische Geschichte, die geprägt ist von Angst und Sehnsucht, Abschied und Hoffnung.

Alles beginnt bei seinen Eltern im früheren Bessarabien, dem heutigen Moldawien. Es wird ausgelassen Hochzeit gefeiert, mit übermütigem Tanz und Gesang, bis plötzlich die Pogrome der Freude ein Ende machen. Rauch steigt auf, die Koffer werden gepackt. "Mein Herz brennt, die Heimat kommt nicht zurück."

Zweite Station ist der Hafen von Southampton, in dem Auswanderer von der großen Freiheit in den USA träumen. Dann der Neuanfang in Argentinien, den Feidmans Eltern auf der Flucht vor den Pogromen machen mussten. Ein Leben voller südamerikanischer Rhythmen - und endlich Liebe.

Feidman legt seine Klarinette beiseite und singt zum ersten Mal in seiner Karriere auf der Bühne. Es ist ein spanisches Liebeslied. Auch auf seiner Station in New York singt Feidman, dieses Mal einen Blues.

Es ist die eigene Begeisterung, mit der Feidman auf der Bühne spielt, die die Zuschauer ansteckt, die sie sogar zum Mitsummen bewegt. Kein Wunder, denn mit "Nothing But Music" ist für den "King of Klezmer" nach Aussage von Produzent Thomas Petz selbst ein "Lebenstraum" in Erfüllung gegangen. Seit Jahren schon habe Feidman sein Leben auf die Bühne bringen wollen.

Den ersten Musikunterricht erhielt Feidman von seinem Vater. Später studierte er klassische Klarinette am Konservatorium der argentinischen Hauptstadt. 1956 ging der Musiker auf Einladung des Philharmonic Orchestra nach Israel und spielte 20 Jahre lang als Bassklarinettist im Orchester.

Heute ist Feidman als Solist in Sinfonieorchestern, Kammermusikensembles, Opern und mit seinem eigenen Trio und Quartett zu hören.

"Nothing But Music" ist am 28. und 29. Juni, 19.30 Uhr, im Bonner Opernhaus zu sehen. Karten unter anderem in den Geschäftsstellen des General-Anzeigers.