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"Die letzte Romanze" im Kleinen Theater: Mit "Boeing-Boeing" fing alles an

"Die letzte Romanze" im Kleinen Theater : Mit "Boeing-Boeing" fing alles an

Im Jahr 1963 suchte der junge Intendant Walter Ullrich des 1958 in einem Keller an der Bad Godesberger Ubierstraße residierenden Kleinen Theaters eine Gigi für die gleichnamige Komödie nach der Novelle der französischen Autorin Colette.

Die Schauspielerin sollte aussehen wie eine 16-jährige Pariserin, professionelle Bühnenerfahrung mitbringen, hervorragend singen und tanzen können und so begabt sein wie Audrey Hepburn, die am Broadway als Gigi ihren Durchbruch schaffte. Eine junge Berlinerin, die in ihrer Heimatstadt und in Düsseldorf schon diverse große Rollen gespielt hatte, bekam das Engagement. 1964 trat Christine Uhde an Ullrichs Seite in der Komödie "Boeing-Boeing" zum ersten Mal im Kleinen Theater auf und spielte zu Beginn der Saison 1965/66 eine bezaubernde Gigi.

"In der Komödie ?Ein Mädchen in meiner Suppe? 1968 mussten wir uns auf der Bühne so heftig streiten, dass wir zu Hause gar keine Energie mehr dafür hatten", erzählt Ullrich vergnügt zwischen zwei Proben zu dem neuen Stück "Die letzte Romanze oder Noch einmal verliebt". Als er und Uhde 1970 die Komödie "Die Eule und das Kätzchen" spielten, waren beide von ihren früheren Partnern geschieden und schon fast zwei Jahre miteinander verheiratet.

Gern erinnert sich Uhde an die Eröffnung des neuen Hauses am Kurpark 1970 mit der Komödie "Staatsaffären". "Es war ein Riesenerfolg. Boleslaw Barlog saß bei der Premiere im Publikum und wollte mich gleich nach Berlin zurückholen." Christine Uhde arbeitete in der Folge zwar auch an anderen Theatern, blieb aber Bad Godesberg treu. "Viele bekannte Gesichter aus der Bundespolitik sah man regelmäßig in unseren Vorstellungen.

Außerdem gab es fantastische Schauspiel-Kollegen." In der Titelrolle von "Irma la Douce" gab Uhde hier ihr Musical-Debüt und spielte, sang und tanzte danach die Hauptrollen in "Annie Get Your Gun" und "Kiss Me Kate". Besonders gern mochte sie die Figuren in den Dramen von Tennessee Williams, von denen Ullrich eine ganze Serie auf die Bühne brachte. 1975 spielte Uhde die Laura in der "Glasmenagerie" und 1982 die Maggie in "Katze auf dem heißen Blechdach". "Allein diese Produktion haben wir 170 Mal an verschiedenen Orten in ganz Deutschland gezeigt. Man konnte also praktisch nur noch eine große Rolle pro Spielzeit übernehmen."

Privat hatten Uhde und Ullrich sich damals bereits getrennt, was ihre künstlerische Freundschaft jedoch nie beeinträchtigte. "Ich besetze die Rollen sowieso nur mit Schauspielern, bei denen ich sicher bin, dass sie sie an jedem anderen Theater verkörpern könnten", erklärt der Intendant. Gibt aber zu, dass er lange gesucht hat nach einem Stück, das Stoff für ihn und seine einstige Gattin bietet, mit der er 2003 in "Geliebter Lügner" zuletzt gemeinsam auf der Bühne stand. Christine Uhde zog im Jahr 2000 nach Potsdam in die Nähe der Familie ihrer Tochter aus erster Ehe und der zwei Enkelkinder.

Regelmäßig gastierte sie mit ihren literarisch-musikalischen Programmen in Bad Godesberg. Jetzt ist es Zeit für eine "Letzte Romanze" nach der ersten vor ziemlich genau 50 Jahren. Premiere der 2008 uraufgeführten charmanten Seniorenkomödie des amerikanischen Autors Joe DiPietro (geboren 1961) ist am Donnerstag, 23. April.

Karten gibt es in den Bonnticket-Shops der GA-Zweigstellen