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Konzert mit Evgeni Koroliov: Mit Gefühl und Entschlossenheit

Konzert mit Evgeni Koroliov : Mit Gefühl und Entschlossenheit

Die Corona-Pandemie hatte ihn gestoppt. Aber nur zeitweise. Jetzt setzt Evgeni Koroliov seinen Bonner Beethoven-Zyklus fort.

Der Konzertzyklus mit sämtlichen 32 Klaviersonaten Ludwig van Beethovens, den der Pianist Evgeni Koroliov zum Jubiläumsjahr 2020 exklusiv für das Beethoven-Haus vorbereitet hatte, ist durch die diversen Lockdowns ein wenig in die Länge gezogen worden. Am Donnerstag nahm Koroliov den Faden seines ambitionierten Vorhabens wieder auf. Vor Live-Publikum.

Die zyklische Aufführung der Klaviersonaten bringt es mit sich, dass man in ihnen auch jenen Exemplaren begegnet, die sonst im Konzertbetrieb untergehen. Dazu gehört sicherlich das von Beethoven absichtsvoll als „Sonatine“ bezeichnete Klaviersonate Opus 79 in G-Dur, ein witzig ironisches Spiel mit den Konventionen der Zeit. Koroliov ließ sich lustvoll auf Beethovens pa­rodistische Späße ein und übersetzte die Noten der Ecksätze in ausgeprochen quirlige Klänge.

Beethoven beim Wort genommen

Nicht ganz so selten hört man die zweisätzige Sonate op. 90 in e-Moll. Dass es sich um ein sehr lyrisches Werk handelt, deutet sich bereits an, wenn man nur die Spielanweisung zum zweiten Satz liest: „Nicht zu geschwind und sehr singbar vorzutragen“ steht dort. Koroliov nahm Beethoven beim Wort, ließ die Musik in ruhigem Tempo fließen, spielte unaufgeregt und mit warmer Tongebung. Auch in der Sonate in A-Dur op. 101 sind solch lyrische Momente zu finden, die der 71-jährige Musiker mit sensiblem Spiel zum Erblühen brachte. Wie in op. 90 verwendet Beethoven auch hier deutsche Satzüberschriften, die sehr viel differenzierter ausfallen als die später hinzugefügten italienischen Pendants. „Geschwinde, doch nicht zu sehr und mit Entschlossenheit“, das über dem Finale steht, heißt dann schlicht: „Allegro“. Dass der aus Moskau stammende Koroliov, der lange als Professor in Hamburg wirkte, sich die deutsche Lesart zu Herzen nimmt, war nicht zu überhören.

Nach der Pause stürzte er sich dann in die monumentale „Hammerklaviersonate“, wobei auch der etwas verunglückte Einstieg ihn nicht nachhaltig aus der Ruhe bringen konnte. Koroliov legte eine sehr stringente Lesart des Werks vor, in der die Wildheit des ersten Satzes, das Temperament des Scherzos und die zerklüftete Landschaft der abschließenden Fuge ebenso zum Tragen kamen wie der unendliche Gesang des Adagios, dessen Tiefe Koroliov mit emotional intensivem Spiel auslotete. Nach diesem immens schweren Gipfelwerk der Beethovenschen Sonatenkunst folgte als augenzwinkernde Zugabe der erste Satz aus Mozarts „Sonata facile“.