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Theater "déjà vu": Mit Kästner durchs Jahr in Wort und Musik

Theater "déjà vu" : Mit Kästner durchs Jahr in Wort und Musik

Ein ungewöhnlicher Abend mit ungewöhnlichen Darstellern in einem ungewöhnlichen Theater. So lässt sich die Vorstellung im Godesberger Zimmertheater "déjà vu" bezeichnen.

Normalerweise finden in dem kleinen Theater an der Koblenzer Straße mit gerade einmal 36 Plätzen eher schauspielerische Vorführungen statt. Dieses Mal allerdings präsentierten die Künstler eine Kombination aus Lesung und musikalischer Begleitung. Sprecherin Petra Kalkutschke, Sängerin Kornelia Reinke und Pianist Christoph Schürmann stellten vor ausverkauftem Haus "Eine Reise durchs Jahr in Wort und Musik" von Erich Kästner vor. Die Kombination der vertonten Kästner-Monatsgedichte mit gesprochenen Kästner-Gedichten ging auf die Idee der Gastdarsteller Reinke und Kalkutschke zurück.

Die eine, Kornelia Reinke, ist im richtigen Leben Rechtsanwältin in der Mehlemer Kanzlei Schiffer, zuständig für Künstler und ihre Probleme. "Wie will ich Künstler beraten, wenn ich nicht weiß, wie die ticken?", erklärte sie schmunzelnd kurz vor der Aufführung. Die Godesberger Anwältin, die seit mehreren Jahren "auch singend unterwegs ist", hatte mit Petra Kalkutschke eine professionelle Bonner Schauspielerin an ihrer Seite, die unter anderem zwölf Jahre am Bonner Schauspiel gearbeitet hat. Mit Christoph Schürmann am Klavier - übrigens auch Anwalt im richtigen Leben - zogen die drei durch die Monate und Jahreszeiten.

Wie kam es zu der besonderen Konstellation von Text und Musik? Kästner war seit den 20er Jahren eng mit dem musikalischen Multitalent Edmund Nick befreundet. In der Vor- und Nachkriegszeit vertonte Nick zahlreiche Werke Kästners. In dieser Zeit entstanden auch die vorgetragenen Lieder "Ja das mit der Liebe", "Fahrt in die Welt" und "Chanson von der Majorität".

Als 1969 der 70. Geburtstag Erich Kästners gefeiert werden sollte, hatte das ZDF die Idee, den 1955 von Kästner geschriebenen Gedichtzyklus "Die 13 Monate" von Nick vertonen zu lassen. Nach einmaliger TV-Ausstrahlung der Orchesterfassung am 1. Januar 1970 geriet das Werk in Vergessenheit.

2008 spürte der Remagener Konzertsänger Ulrich Schütte die handgeschriebenen Originalnoten im Nachlass des Komponisten wieder auf. Die erstmalige Aufführung des Liederzyklus 2009 geht auf seine Initiative zurück. "Die 13 Monate" gelten als eins der romantischsten und idyllischsten Werke aus Erich Kästners Spätwerk.

Sabine Quiske und Gaby Heimbach gründeten "déjà vu" 2007. Gezeigt werden vorwiegend Stücke zeitgenössischer Autoren und Literaturadaptionen. Seit 2010 hat man den festen Spielort an der Koblenzer Straße, das Team ist auf acht Schauspieler angewachsen. "Wir bekommen keinerlei Fördergelder, finanzieren uns über die Eintrittsgelder und wechselnde Sponsoren. Da unsere Arbeit mit großer Begeisterung aufgenommen wird - wir haben im Schnitt eine mehr als 90-prozentige Auslastung - funktioniert das so ganz gut", sagt Theaterleiterin Gaby Heimbach.

Die neuen Stücke: Die Tragikomödie "Sandhochzeit" mit viel Situationskomik und die deutsche Erstaufführung von "Idyll", eine Geschichte über Beziehungen - so spannend erzählt wie ein Krimi. Wer die "13 Monate" verpasst hat, kann sie am 21. April noch einmal in der Beueler Brotfabrik an der Kreuzstraße sehen.

Weitere Infos auch auf www.theater-dejavu.de