Mit ruhigem Puls

Bonn · Klavierfans gehören offenbar zu den Frühaufstehern unter den Konzertgängern. Jedenfalls spielte der 25-jährige Australier Jayson Gillham vor einer Kulisse von fast 200 Zuhörern, die sich bereits um 10 Uhr in der Frühe im Großen Saal der Telekom-Zentrale zum Start des Beethoven-Wettbewerbs eingefunden hatten.

 Jury-Chef Pavel Gililov (rechts) und Telekom-Vorstand Timotheus Höttges mit den Teilnehmern der Competition.

Jury-Chef Pavel Gililov (rechts) und Telekom-Vorstand Timotheus Höttges mit den Teilnehmern der Competition.

Foto: Telekom

Hier den Anfang zu machen, ist für einen Künstler immer einbisschen heikel. Doch scheint Gillham routiniert genug, um sich daraus nichtviel zu machen. Er setzte sich einfach an den Flügel und begann mit der einerleicht und transparent hingetupften Bach-Fuge (F-Dur BWV 880).

Vier Teilnehmer von insgesamt jetzt doch 28 stellten sich amFreitag der von Pavel Gililov angeführten, hochkarätig besetzten Jury. Und eswar durchaus ein Auftakt nach Maß. Dass die Teilnehmer in der ersten Runde eineder drei letzten Klaviersonaten spielen müssen, ist eine extremeHerausforderung, an der niemand scheiterte. Im Gegenteil: GillhamsInterpretation der Sonate E-Dur op. 109 überzeugte sowohl im formalenGesamtentwurf als auch in den technischen Details wie den Trillerfiguren imFinalsatz.

Die Taiwanesin Li-Chun Su und der in Irland lebende AmerikanerAlexander Bernstein entschieden sich für Beethovens letzte Klaviersonate, diein c-Moll op. 111. Hier waren freilich zwei sehr unterschiedlich Temperamenteam Werk.

Während die 31-jährige Li-Chun Su die Musik gelegentlich nervösvibrieren ließ, wirkte die Interpretation des sieben Jahre jüngeren Bernsteinzugleich kraftvoller und abgeklärter, in der Arietta durchaus auch formalkonsequenter, indem er den immer schneller werdenden Variationen einen gleichschlagenden Grundpuls ließ.

Zuvor hatte noch die 29-jährige Ekaterina Richter einezupackende op. 110 gespielt, vor allem aber überzeugte sie mit Beethovensc-Moll-Variationen, die einen bemerkenswerten Zug hatten.

Wer am Samstag die Beethoven Competition besucht, mussSitzfleisch mitbringen. Wegen der hohen Teilnehmerzahl spielen dann ab 10 und17 Uhr jeweils fünf Pianisten. In der Gruppe ab 10 Uhr ist der Bonner FabianMüller unter anderem mit der Sonate op. 109 zu hören. Und am Nachmittag trittmit Benjamin Moser ein weiterer Teilnehmer aus Deutschland auf.

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