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Museen im Lockdown: Museen fordern Perspektiven

Museen im Lockdown : Museen fordern Perspektiven

Eva Kraus, Intendantin der Bundeskunsthalle, und Stephan Berg, Intendant des Kunstmuseums Bonn, unterstreichen mit weiteren Kollegen die gesellschaftliche Funktion der Kulturstätten.

Der Bonner Museumsplatz bleibt noch mindestens bis Mitte Februar ein trauriger Ort, flankiert von geschlossenen Häusern, hinter deren Mauern fix und fertig gehängte Ausstellungen auf ihr Publikum warten. Der Corona-Gipfel der Bundeskanzlerin und der Länderchefs hat den seit November laufenden Lockdown bis zum 15. Februar fortgeschrieben. Die Kultur hängt erneut in der Warteschleife.

Stephan Berg, Intendant des Kunstmuseums Bonn, plädiert gegenüber dieser Zeitung für eine baldige Wiedereröffnung von Kulturstätten. „Der zweite Lockdown mit seinen dennoch hohen und steigenden Infektionszahlen hat zumindest deutlich gemacht, dass jedenfalls die Museen, beziehungsweise die Kultur keine Orte für ein erhöhtes Ansteckungsrisiko gewesen sind“, analysiert Berg. „Daraus sollten die Politik und die Krisenstäbe nun baldmöglichst die Konsequenzen ziehen. Nicht, um der Kultur eine Extrawurst zu braten, sondern aus der Erkenntnis heraus, dass die kulturellen und musealen Angebote eben nicht nur lockeres Freizeitvergnügen bieten, sondern mit ihren Themen und Fragestellungen auch elementar bei der emotionalen und psychologischen Bewältigung der Krise helfen können.“ Die baldige Wiedereröffnung von Museen und Kultureinrichtungen sei, so Berg, insofern im eigentlichen Sinn kein Lockerungsakt, sondern ein valider Beitrag zur Pandemiebekämpfung.

Museen als Orte der Reflexion

Am Dienstag hatte Bergs Nachbarin auf der anderen Seite des Museumsplatzes, die Intendantin der Bundeskunsthalle in Bonn, Eva Kraus, von der Politik eine Perspektive für die Wiedereröffnung von Museen gefordert. Sonst könnte die Kultur dauerhaft Schaden nehmen, sagte sie im Deutschlandfunk Kultur. Zumindest sollten die Museen für kleine Gruppen von Besuchern geöffnet werden, betonte sie. Ähnlich wie Kirchen seien Museen Orte der Reflexion: „Ich glaube, für unsere Seele, für unser Wohlsein, für unsere Kultur ist es unbedingt wichtig, dass diese Häuser, dass diese Ausstellungen wieder gesehen werden können.“

Man könne kleineren Gruppen und ausgewähltem Publikum einen sicheren Zugang ermöglichen, sobald die Politik dies zulasse, betonte Kraus. Es wäre gut, wenn solche Lösungen zumindest in Aussicht gestellt würden: „Dass man sich wieder freuen kann. Die Museen sind doch wirklich die Oasen der Kultur.“ Kraus weiter: „Wir brauchen unser lokales Publikum zurück.  Die Museen sind gewappnet, wieder die Tore zu öffnen.“

„Absolute Katastrophe“

Deutlicher wurde die Düsseldorfer Kunstsammlerin Julia Stoschek. Sie übt scharfe Kritik an der Schließung von Museen im aktuellen Lockdown. Der „Rheinischen Post“ sagte sie, sie empfinde es als „absolute Katastrophe“, dass Museen in der Verordnung mit Vergnügungstempeln und Bordellen gleichgesetzt würden – bloß weil das einmal so beschlossen worden sei und jetzt nicht mehr revidiert werde.

Gerade erst hatte sich auch der Deutsche Museumsbund zu Wort gemeldet und monierte: „Eine Perspektive oder eine Strategie, wie eine schrittweise Öffnung ab einem bestimmten Inzidenzwert aussehen und wie epidemiologische Daten auf regionaler Ebene als Grundlage für differenzierte Entscheidungen in den jeweiligen Ländern genutzt werden können, liegt noch nicht vor. Die Museen befinden sich weiterhin und mittlerweile seit Monaten in einer extrem angespannten Situation.“

Die neuerliche Debatte über eine Öffnung der Museen hatte Susanne Gaensheimer, Direktorin der Düsseldorfer Kunstsammlung NRW, Anfang der Woche in der „Süddeutschen Zeitung“ angestoßen. Es gebe Gemeinsamkeiten von Kirche und Museum in einer modernen Gesellschaft: „Beide sind geschützte öffentliche Räume, die der Reflexion, der Begegnung und auch der emotionalen Stärkung dienen. Wie Kirchen können Museen die Resilienz ihrer Besucher fördern. Kirchen sind in der Corona-Pandemie zugänglich.