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Ausstellung zeigt Neuerwerbungen: Museum für Ostasiatische Kunst wird 40 Jahre alt

Ausstellung zeigt Neuerwerbungen : Museum für Ostasiatische Kunst wird 40 Jahre alt

40 Jahre Museum für Ostasiatische Kunst in Köln: Die aktuelle Ausstellung „Alles unter dem Himmel“ zeigt die Neuerwerbungen des Hauses.

„Ich liebe dieses Haus!“ Adele Schlombs macht aus ihrer Begeisterung kein Geheimnis. Seit 1991 ist sie die Direktorin des im Dezember 1977 eröffneten Neubaus des Kölner Museums für Ostasiatische Kunst am Aachener Weiher. Und noch immer ist sie in die traumhaft schöne Architektur des Japaners Kunio Maekawa mit ihren hohen Räumen und wunderbaren Blickachsen verliebt. Die promovierte Sinologin arbeitet gerne mit dieser zeitlos funktionalen wie ästhetischen Architektur. Und auch mit der auf dem Nukleus von Adolf und Frieda Fischer basierenden Sammlung des Hauses.

Und sie ist sich der Einzigartigkeit der Institution bewusst. Dass im Oktober der Chef des Berliner Museums für asiatische Kunst in den Ruhestand ging, die Bestände ins Humboldt-Forum integriert werden und es keinen neuen Direktor geben soll, entsetzt Schlombs: „Ich bin schockiert, dass diese große Tradition vorbei ist“, sagte sie am Freitag in einer Pressekonferenz. „Köln hat nun das letzte Museum für ostasiatische Kunst in Deutschland.“

Um diesen Status zu unterstreichen und auch, „um Rechenschaft über meine Arbeit abzulegen“, nutzt sie das 40-jährige Bestehen des Neubaus zu einer Bilanz, die unter dem Titel „Alles unter dem Himmel“ beeindruckend ausfällt. Der geheime Star des Jubiläums ist natürlich Maekawas Ausstellungsgebäude, die Ausstellung ist aber auch eine Verbeugung vor Sammlern und Schenkern, vor den vielen Geldgebern, ob privat oder öffentlich, die die Bestände des Hauses vermehrt haben. Doch Schlombs zeigt nicht nur Neuerwerbungen der vergangenen 40 Jahre, sie hat die „Sammlung auch von innen heraus erweitert“, sprich: in den Depots Dinge gefunden, die restauriert und sozusagen wiederentdeckt wurden.

Keine Blockbuster-Ausstellungen mehr

Ein ganzer Raum mit Plakaten und Ausstellungskatalogen dokumentiert die rege Ausstellungstätigkeit des Hauses – und den Wandel. „Blockbuster-Ausstellungen, wie wir sie in der Kunsthalle machen konnten, wird es nicht mehr geben“, sagt Schlombs, verweist auf hohe Kosten, riesigen bürokratischen Aufwand und konservatorische Bedenken. Man müsse neue Themen finden – „jede Zeit hat ihre Chancen“. Ein Thema sei, so Schlombs, zum Beispiel der Kolonialismus oder der Bereich des Export-Porzellans für den europäischen Markt.

Fotoalben aus kolonialer Zeit vermitteln ein Bild und das passende Klischee von China, Illustrationen von Folter und Hinrichtungen mögen in manchen Touristen- oder Soldatengepäck in den Westen gelangt sein. Mit „unserem Goldjungen“ (Schlombs), einer goldschimmernden Bronzeskulptur des daoistischen „Unsterblichen Liu Hai“ eröffnet die Direktorin ihre Jubiläumsschau. Die chinesische Skulptur gehört mit 650 weiteren Bronzen aus der Sammlung Christel und Dieter Schürzenberg zu den Zukunftswünschen des Hauses.

Man sei auf einem guten Weg, sagt Schlombs. Dann folgt eine Phalanx chinesischer Skulptur, kontrastiert mit moderner chinesischer und japanischer Schriftmalerei. Vorbei an expressiven Pferden und Kamelen, die für das angenehme Leben im Jenseits bestimmt waren, führt der Weg zu einem eindrucksvollen Gelehrtenschreibtisch aus der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts, der mit allerlei Accessoires inmitten von Teppichen und Rollbildern präsentiert wird.

Malerei, Kalligrafie, Gelehrtenbilder, Hofkunst des 17. bis 19. Jahrhunderts, kostbare Schalen, ein chinesisches Prinzessinnengewand, Bronzeglocken und Mobiliar – das Spektrum der nicht chronologisch, sondern nach Themenfeldern gegliederten Jubiläumsschau ist immens.

Immer wieder tauchen die Schätze und Namen wichtiger Sammler auf: Peter und Irene Ludwig, Heinz Götze, Kurt Brasch, Hans Konrad König, um nur einige zu nennen.

Museum für Ostasiatische Kunst, Köln; bis 30. Juni 2019. Dienstag bis Sonntag 11 bis 17 Uhr.