Bonner Oper Neuer Schwung im Theater

BONN · Die Bonner Dauerdiskussion um die Oper und ihre Zukunft scheint Bernhard Helmich nicht zu zermürben. Gestern stellte der Generalintendant im Pausenbuffet der Oper "etwas Neues am Theater Bonn" vor, und zwar etwas, "das sich schnell entwickelt und schön entwickelt".

 Die Bonner Theaterpädagogik will hoch hinaus: Angela Merl (vorne) und Rose Bartmer auf einer Montage des Theaterfotografen Thilo Beu.

Die Bonner Theaterpädagogik will hoch hinaus: Angela Merl (vorne) und Rose Bartmer auf einer Montage des Theaterfotografen Thilo Beu.

Foto: GA

Für den "sehr großen neuen Schwung", den Helmich entdeckt hat, sind zwei Frauen verantwortlich, die links und rechts vom Chef Platz genommen hatten: die Theaterpädagoginnen Angela Merl und Rose Bartmer. Sie verantworten die sogenannte "Sparte 4", die viele Aufgaben und Projekte des Hauses abdeckt: von der Arbeit mit Schülern und Lehrern über Theater- und Musikproduktionen mit Kindern und Jugendlichen bis hin zu Kooperationen mit dem Theater Marabu.

Sparte 4 wartet auch mit Einladungen für Bonner auf, die noch nie in der Oper waren. Chöre, Turnvereine oder Kegelclubs, Gruppen von bis zu 20 Personen können nach Absprache hinter die Bühne und in Proben schauen. Elitär sieht anders aus.

Und wie finanziert man das in Zeiten großer Einschnitte? Das sei "tatsächlich ein Problem", gab Helmich zu. In dieser Spielzeit sei die Sparte 4 finanziell abgesichert, aber ab der neuen Saison sei das Theater auf externe Geldgeber angewiesen. Als erste Produktion stellte Angela Merl gestern "Die wilden Schwäne" nach dem Märchen von Hans-Christian Andersen vor. Das Stück für die ganze Familie hat in der Bearbeitung von Kristo ?agor am 9. November Premiere in den Kammerspielen. Am 20. März 2015 folgt im Theater Marabu "Die Geschichte vom kleinen Onkel": Musiktheater für Kinder ab vier Jahren und für drei Musiker und zwei Schauspieler.

Am 10. April heißt es in der Oper "Fremd bin ich eingezogen". Jürgen R. Weber inszeniert die Musiktheater-Produktion nach Schuberts "Winterreise". Mehr als 60 Jugendliche werden auf der Opernbühne stehen. Ihre Auseinandersetzung mit dem berühmten Liederzyklus verspricht ein spannendes Erlebnis. Eine erste offene Werkstattprobe unter der musikalischen Leitung von Ekaterina Klewitz findet am 23. November, 11 Uhr, in der Oper statt. Schubert geht aber auch ganz anders. "Eisbrechen!" ist der Titel eines Hip-Hop-Projekts nach der "Winterreise", das ab 30. März im Foyer der Oper gezeigt wird.

Merl und Bartmer zeigten sich "total offen" für Kooperationen mit freien Gruppen wie zum Beispiel CocoonDance. Es gehe dabei um mehr, als Spielräume zur Verfügung zu stellen. Zusammenarbeit mit der Sparte 4 definiert sich über inhaltliche Auseinandersetzung. Einen Verdrängungswettbewerb auf dem Feld von Kinder- und Jugendtheater werde es nicht geben, versprach Helmich. Mit Moritz Seibert etwa, dem Intendanten des Jungen Theaters Bonn, gebe es einen produktiven Austausch über die Spielpläne.

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