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Elf Maler aus dem Big Apple: Neues aus New York

Elf Maler aus dem Big Apple : Neues aus New York

Fett und schmutzig ist die Farbe aufgetragen, ein ruppiger Collagestil trifft auf Gespraytes und Gewischtes, Blassrosa und Grellgelb treffen auf sattes Rot und brüchiges Türkis.

Eddie Martinez, der noch 2007 klobige, quirlige Stillleben wie Philip Guston (1980 gestorben) malte, füllt die Riesenleinwand inzwischen virtuos und unbekümmert wie die Helden des Abstrakten Expressionismus. Im Kunstmuseum Bonn hängen die Stillleben neben dem Bild von 2014. Martinez ist Jahrgang 1977 und reflektiert längst verklungene heroische Zeiten.

Große Geste, umwerfend üppig, wild und unangepasst: Das gehörte zum Mythos der Malerei der Metropole New York, die in den 40er Jahren Paris als Nabel der Kunstwelt ablöste. Willem de Kooning und Jackson Pollock, Helen Frankenthaler und Jasper Johns, Andy Warhol und Jean-Michel Basquiat haben diesen Nimbus geprägt. In den 70ern kam dann die große Krise der Malerei.

Die entpuppte sich letztlich als hoch produktiv. Und scheint ebenso überwunden zu sein wie die ideologischen Debatten zwischen einer radikalen Farbmalerei (Joseph Marioni) und einer Offenheit hin zu Film und Fotografie (David Reed). Das Kunstmuseum Bonn, aus Tradition transatlantisch gepolt, hat viele der fantastischen New Yorker Malerhelden gezeigt, die Debatten begleitet.

Geradezu zwangsläufig kommt nun der Blick auf die New Yorker Gegenwart: Kunstmuseums-Vize Christoph Schreier, in den vergangenen Jahrzehnten in viele herausragende Bonner Ausstellungen amerikanischer Malerei involviert, hat eine sehr subjektive, wirklich exquisite Auswahl von seinen Recherchen in den Ateliers von Manhattan und Brooklyn nach Hause mitgebracht. Elf Maler, zwischen 1966 und 1988 geboren, zeigen mit meist ganz neuen Arbeiten, wie im neuen Jahrtausend in New York gemalt wird.

"These streets will make you feel brand new", die Zeile aus der Ballade "Empire State Of Mind" des Rappers Jay-Z über den Big Apple feiert emphatisch die Straßen von New York, die ein ganz neues Lebensgefühl erzeugen. Der Maler Antek Walczak nimmt die Zeile auf wie ein Wissenschaftler, wie einer, der das New-York-Genom entschlüsseln will: Kreise, Buchstaben und Pfeile dekonstruieren den Flair der Metropole, das algorithmische Lempel-Ziv-Welch-Verfahren kommt wohl auch zum Einsatz.

Schreier hat Walczaks Diagramme mit Amy Feldmans Grau-in-Grau Malerei, die deutlich Pop-Art und Comic-Kunst zitiert, ohne aber Trivialität und Opulenz mitzumachen, in den zentralen Raum gehängt. Ein Statement: Bei dieser Malerei ist der Abstand zu den New Yorker Heroen besonders groß, sind die Unterschiede und die Freiheit von dominierenden Stilen und prägenden Schulen greifbar.

Natürlich ist Elizabeth Cooper mit ihren wunderbaren Farbschüttungen auf die auf dem Boden liegende Leinwand nicht frei von Pollock - wenn auch ihre Malerei ganz anders funktioniert. Und Joe Bradleys betont lässiger, um nicht zu sagen nachlässiger Umgang mit Farbspuren und Malplane, die er nach Bedarf knickt und ergänzt, atmet den Geist von Johns und Rauschenberg - und emanzipiert sich im gleichen Atemzug.

Aber je weiter man in diese neue New Yorker Malerei dringt, umso schneller gerät die heroische Phase in den Hintergrund. Wie Matt Connors seine Bildelemente aus bunten Farbblöcken so organisiert, dass das Zentrum merkwürdig leer bleibt, erzeugt eine hohe Spannung, lenkt den Blick auf die Peripherie. Ohnehin scheint Connors mehr als die anderen zehn New Yorker immer noch und sehr erfrischend als Skeptiker der Bildform unterwegs zu sein.

Unterstützung bekommt er von Ruth Roots mit Lack auf Aluminium oder Glas bemalten Wandobjekten. Jeff Elrod geht mit seiner computerbasierten Malerei den radikalsten Weg, während Ryan Sullivans schrundige, mit Material aufgeladene Oberflächen eine intensive, sehr klassische Position einnehmen. An die Grenzen der Malerei zieht es Ross Iannatti mit seinem Katastrophen-Patchwork aus Unfall-Airbags und Ned Vena, der New Yorker Ateliertüren mit Folie beklebt hat. Insgesamt eine gelungene Bestandsaufnahme mit etlichen Positionen, die man gerne ausführlicher in Bonn sähe.

Kunstmuseum Bonn; bis 30. August. Di-So 11-18, Mi bis 21 Uhr. Eröffnung: heute, 20 Uhr. Katalog (Hirmer) 40 Euro