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Ausstellung in der Villa Heros: Neun Künstler widmen sich dem schwierigen Begriff "Heimat"

Ausstellung in der Villa Heros : Neun Künstler widmen sich dem schwierigen Begriff "Heimat"

Was "Heimat" ist, "wird oft erst klar, wenn diese bedroht ist oder verloren geht", sagte Dieter Wessinger zur Eröffnung der gleichnamigen Ausstellung in der Villa Heros. Krieg, Flucht, Naturkatastrophen, Globalisierung und Internet lassen Heimat als "fragiles Konstrukt" erscheinen.

Wessinger selbst setzt als einer von neun Künstlerforum-Beteiligten dem Unbehaustsein ein Denkmal, indem er durch sein grau getünchtes Milchtütenkonglomerat anonyme Siedlungen heraufbeschwört. Hatice Caska-Oehm aber erklärt, dass man sogar mehrere Heimaten besitzen kann.

"Das eine spricht deutsch, das andere türkisch, dennoch verstehen sie sich", deklamierte die Dirndl tragende Kulturwanderin aus ihrem Poem "Zwei Herzen". Speist sie Gedichte in die künstlerische Befragung ein, so übt Peter Mallmann Politikkritik per Installation. Rot-schwarz-gelbe Stühle, ein Klosett und ein Stuhl mit Griechenlandflagge vermitteln drastisch: Deutschland verliert, seiner üppige Finanzspritzen wegen, "Heimat in Europa".

Meist aber thematisieren die Künstler Intimität oder Fremdsein. Ein intensives Bekenntnis liefert Anja Katrin Grimm, die mit Super-8-Filmen ihres Großvaters der Jahre 1961 bis 1972 lebensfrohe Familiensequenzen von heiter bis kurios aufzeigt: gute Laune im Opel Kapitän und Fiat 500, die erwachsene Tochter beim Wäscheaufhängen und Kühefüttern im Bikini, Feste mit selbstgeschossenem Wild und Opa, der nach einem Wespenstich den Daumen luxuriös im Weinglas kühlt.

Ins Eingemachte begeben sich ebenso Rosmarie Feuser mit zwei hochgestellten Panoramafotos ihres Ateliers und Cornelia Harss als fabelhafte Malerin des Trost- und Rückzugsortes Badewanne, die aus authentischer Perspektive auf ihre schaumverzierten Beine und Kacheln blickt.

Harss unterminiert zudem die eindeutige Bewertung von Zuhause: So wohlig wie sich ihre "Frau Baumann" beim Fernsehgucken auf dem altdeutschen Sofa ausgestreckt, so glücklich ist der Landstreicher über den geschützten Schlafplatz in fremden Räumen. Wie sehr der Anblick vertrauter Dinge Geborgenheit zu spenden vermag, rückt Gitta Büsch mit unprätentiösen anrührenden Aquarellen von Kochtöpfen, Küchengeschirr, "Mutters Nähmaschine und Vaters Kurbelwelle" ins Bild.

Dagegen bringt Pieter Jos van Limbergen das tradierte Szenario der Schäferidylle ins Wanken, wenn er den Hirten und seine Tiere zweimal in "reiner" Natur fotografiert und einmal vor dem Hintergrund eines Atommeilers. Dass Heimat, wie auch immer definiert, mit tiefen, guten Gefühlen zu tun hat, wird einem angesichts der digitalen Interieurs "Daimlerstraße" von Harald Priem bewusst.

Denn die abgelebten, verlassenen, verdreckten Räume erzählen, wenngleich künstlerisch anspruchsvoll, davon, dass kein menschliches Wesen mehr irgendwelche Mühen in sie investiert, weshalb in ihnen nur noch das kalte Grauen wohnt.

Info: Die Ausstellung ist bis 11. November samstags und sonntags von 15 bis 18 Uhr geöffnet.