Beethovenfest 2015 Nike Wagners neue Wege

Das Motto des ersten Beethovenfestes, das über die ganze Festivalstrecke die Handschrift der neuen Intendantin Nike Wagner trägt, lautet "Veränderungen". Es war das meistbenutzte Wort bei der Vorstellung des Programms gestern im Uni-Club.

Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch griff es auf, die Sprecher der großen Sponsoren Telekom (Stephan Althoff) und Post (Christof Ehrhart) ebenfalls und natürlich Nike Wagner selbst, um die neue Dramaturgie des Festivals zu erläutern. Eine der augenfälligsten Neuerungen dürfte die Beförderung des Tanzes zu einem festen Festivalbestandteil sein. Die Göteborgs Operans Danskompani kommt für zwei Gastspiele aus Schweden angereist, und die Kölner Choreografin Stephanie Thiersch entwickelt zusammen mit dem Asasello Streichquartett einen Tanzabend um Beethovens Musik. Das Quartett widmet sich darüber hinaus der Hanne-Darboven-Ausstellung in der Bundeskunsthalle, wo es das Streichquartett op. 26 von Hanne Darboven aufführen wird. Der in Zusammenarbeit mit dem Theater Bonn bereits im vergangenen Jahr entwickelte "theatrale Kongress" widmet sich 2015 dem Klimawandel.

Natürlich wird es weiterhin Konzerte mit bedeutenden Orchestern in der Beethovenhalle geben. Zur Eröffnung am Freitag, 4. September, spielt die Berliner Staatskapelle unter der Leitung von Daniel Barenboim, am Abend darauf ist das Israel Philharmonic mit seinem Chefdirigenten Zubin Mehta in Bonn zu Gast, komplettiert wird das Eröffnungswochenende mit einem Gastspiel der Wiener Symphoniker unter Leitung von Philippe Jordan (6.9.). Das Originalklang-Orchester Anima Eterna Brugge unter Jos van Immerseel, das Budapest Festival Orchestra unter Iván Fischer, das WDR Sinfonieorchester, die Bamberger Symphoniker sowie das Beethoven Orchester unter Stefan Blunier sind weitere renommierte Klangkörper, die zwischen dem 4. September und dem 4. Oktober erwartet werden.

Ein Schwerpunkt wird auf der Auseinandersetzung mit Ludwig van Beethovens "33 Veränderungen über einen Walzer von Anton Diabelli für das Pianoforte op.120" liegen. "Mich interessieren die verschiedenen Klangbilder", sagte Nike Wagner. Deshalb wird der Zyklus nicht nur am modernen Flügel zu Gehör gebracht - András Schiff spielt ihn am 10. September -, sondern auch am historischen Hammerklavier mit dem Spezialisten Ronald Brautigam am 12. September. Ergänzt wird die Diabelli-Reise durch Variationen über dasselbe Thema von Beethovens Zeitgenossen und von Komponisten des 20. Jahrhunderts, die Siegfried Mauser und Klavier-Studenten des Salzburger Mozarteums vorstellen. Außerdem ist Beethovens op. 120 Thema eines kleinen Symposiums. Und weil Bachs Goldberg-Variationen neben den Diabelli-Variationen als das wichtigste Klaviervariationenwerk gelten, spielt András Schiff die "Aria mit 30 Veränderungen" des Thomaskantors ebenfalls, in seinem zweiten Konzert am 24. September.

Nike Wagner richtet ihren Blick bereits weit nach vorn und visiert programmatisch den 250. Geburtstag Beethovens im Jahre 2020 an. Bis dahin soll alljährlich eine Auftragskomposition entstehen, die sich mit einem Werk von Beethoven auseinandersetzt. Der italienische Komponist Salvatore Sciarrino hat für seinen Beitrag Beethovens Fantasie für Klavier, Chor und Orchester ausgewählt. Aufgeführt werden beide Werke gemeinsam mit Beethovens sinfonie Nr. 8 vom SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg, von der Kantorei der Kreuzkirche Bonn und dem Pianisten Alexander Lonquich, Dirigent ist Lothar Zagrosek (12.9.).

Es wird viel reflektiert über Beethovens Musik, mit dem Nebeneffekt, dass insgesamt weniger originaler Beethoven zu Wort kommt als bei vorherigen Festivals. Insgesamt finden sich nur vier der neun Sinfonien im Programm, nicht dabei ist unter anderem die Neunte. Von den 32 Klaviersonaten wird nur die letzte in c-Moll op. 111 erklingen, das Streichquartett-Oeuvre ist allein durch die Große Fuge in Stephanie Thierschs Choreografie vertreten.

Eine Veränderung gibt es auch beim Campus der Deutschen Welle. Statt eines ausländischen Studentenorchesters kommt nun eine einzelne Musikerin nach Bonn, bei der es sich um die aus der Mongolei stammende Komponistin Zulan handelt. Aufgeführt wird ihr Werk "Mongolism" durch das Bundesjugendorchester. Das Konzert der Schülermanager erhält seinen Reiz durch die Mitwirkung eines alten Beethovenfest-Bekannten - des Schlagzeugs Martin Grubinger.

Zahlen und Fakten

Beim Beethovenfest 2015 gehen 34.500 Eintrittskarten für das Hauptprogramm mit 54 Veranstaltungen an 22 Spielstätten in Bonn und Umgebung in den Verkauf, teilte der kaufmännische Direktor des Beethovenfestes, Helmut Pojunke, gestern im Uni-Club mit.

Finanziert wird das Programm mit einem Budget von 4,9 Millionen Euro, das sich etwa je zu einem Drittel aus öffentlichen Zuwendungen (die Stadt Bonn übernimmt hier mit 1,6 Millionen Euro den Löwenanteil), Sponsorengeldern und Erlösen aus Eintrittskarten und Medienverwertung zusammensetzt. Hauptsponsoren sind die Deutsche Post DHL Group, die Deutsche Telekom, die Sparkasse KölnBonn sowie die Deutsche Welle.

Das Beethovenfest steht unter der Schirmherrschaft von Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin Hannelore Kraft.

Eintrittskarten sind in den Bonnticket-Shops des General-Anzeigers und weiteren Vorverkaufsstellen ab dem 16. Mai erhältlich. Bereits ab dem 25. April können sie online unter www.beethovenfest.de geordert werden. Schriftliche Bestellungen sind ab sofort möglich. Einzelne Konzerte sind bereits Ende 2014 in den Vorverkauf gegangen.

Ausführliche Programminformationen gibt es im Internet unter www.beethovenfest.de

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