Kulturkosten in Bonn OB Nimptsch fordert Ratsbürgerentscheid

BONN · Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch (SPD) lässt im Streit um die Kulturkosten der Stadt Bonn nicht locker: Im Kulturausschuss bekräftigte er am Donnerstagabend seine Forderung, im Kulturetat kräftig zu sparen, um die Finanznot der Kommune zu mildern.

Während Generalintendant Bernhard Helmich aufmerksam zuhörte, forderte Nimptsch erneut, eine Fusion der Bonner und der Kölner Oper zu prüfen. Nimptsch schilderte die "dramatische" Situation der Stadtfinanzen: Seit 2009 sei der Schuldenberg jährlich um jeweils rund 100 Millionen Euro auf heute 1,6 Milliarden Euro gewachsen.

Würden die Zinsen um nur ein Prozent ansteigen, müsste Bonn 16 Millionen Euro im Jahr zusätzlich zahlen, während zum Beispiel der Sanierungsstau an Schulen und anderen städtischen Gebäuden immer schlimmer werde. Gleichzeitig leiste sich Bonn "opulente" Kulturausgaben von 188 Euro pro Kopf und 160 Euro pro Theaterplatz.

Warum, so Nimptsch, kämen Städte wie Aachen und Münster mit der Hälfte aus? Von den Ratsfraktionen, die seinen erneuten Fusionsvorstoß hart kritisiert hatten, verlangte er, noch vor der Kommunalwahl Farbe zu bekennen: Wie solle der Ratsbeschluss umgesetzt werden, ab 2020 keine Schulden mehr zu machen? "Ein Ratsbürgerentscheid über die Höhe der Kulturausgaben würde Klarheit bringen", sagte er. "Haben Sie den Mut, das auf den Weg zu bringen!"

Der Kulturdezernent dagegen machte klar, dass er von der Fusionsidee seines Chefs nichts hält. Bonn brauche eine eigene Oper, betonte Martin Schumacher. Nachdem beim Theater Bonn schon seit Jahren gespart worden sei, müsse der Generalintendant nun die bereits beschlossenen 3,5 Millionen Euro kürzen, was eine Optimierung "in der Aufbauorganisation und den Abläufen" erfordere. Das Theater brauche schlankere, modernere Strukturen.

Schumacher hält es für unmöglich, die Zuschüsse für die freie Kulturszene zu kürzen. Weitere Einsparungen im gesamten Kulturetat könnten also nur zu Lasten von Oper und Schauspiel gehen. "Dann müssten wir an die Strukturen gehen, an die Backsteine, die Infrastruktur", sagte der Dezernent und verwies auf die fünf Schauspiel-Spielstätten an drei Standorten mit den entsprechenden Kosten für Logistik und Bauunterhaltung: "Wir müssten verkleinern, konzentrieren, aber auch investieren, etwa in die energetische Sanierung der Oper."

Generalintendant Helmich stimmte Schumacher aus vollem Herzen zu. Jahrzehntelang sei zu wenig investiert worden; die Bausubstanz der Oper sei noch angegriffener als bislang bekannt gewesen sei. Er arbeite mit seinen Mitarbeitern daran, die Theater-Kosten zu senken, ohne Qualität einzubüßen. In Richtung Nimptsch forderte er, das Theater dürfe nicht "regelmäßig mit Modellen konfrontiert" werden, "die einer Zerschlagung des Betriebs gleichkommen". Helmich hatte Nimptsch deshalb vor einer Woche einen "Sektierer" genannt. Beide führten am Donnerstag ein persönliches Gespräch, dem Helmich zufolge ein weiteres folgen soll, um "den Konflikt zu lösen".

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