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Scorpions in der Lanxess-Arena: Ohrenstöpsel überflüssig

Scorpions in der Lanxess-Arena : Ohrenstöpsel überflüssig

Die Dimension in der mit rund 14 000 Fans nahezu ausverkauften Kölner Lanxess-Arena ist natürlich eine andere, aber ansonsten sieht es so aus, als würden die Scorpions mal eben ein Konzert beim Griechen um die Ecke geben.

Zwischen Tempelsäulen und Postamenten, umrahmt von Bildern aus der griechischen Mythologie nehmen die hannoverschen Hardrocker, mit 150 Millionen verkaufter Tonträger weltweit Deutschlands erfolgreichste Band, lässig auf Barhockern Platz und beschwören die Atmosphäre ihrer zwei MTV-Unplugged-Konzerte vom vergangenen September im Athener Lycabettus Theater.

Statt brettharter E-Gitarren gehen insgesamt 18 Musiker, darunter das Streicher-Oktett "Strings From Heaven", ans klangliche Akustik-Werk. In dem ausgesprochen differenziert arrangierten Soundbild dominieren gezupfte Saiteninstrumente wie akustische Gitarren, Mandoline, Dobro und einmal sogar Rudolf Schenkers Sitar. Lediglich Drummer James Kottak, der in Dubai alkoholisiert den pöbelnden Rock 'n' Roller gespielt und angeblich Muslime beleidigt hatte, war wegen des verhängten Gefängnisaufenthalts verhindert und wurde von Johan Franzon kompetent vertreten.

Mit "A Sting in the Tail" starten die Scorpions das über zweistündige Konzert mit zahlreichen Songs aus der Frühzeit der Band bis hin zu den Mitgröl-Klasssikern. Ein großer Radiosender wollte sich als besonders fürsorglich erweisen und ließ im Foyer Ohrenstöpsel verteilen, die aber wohl kaum jemand in Anspruch nehmen musste. Vielmehr müssen sich die Fans erst an die Wohnzimmerlautstärke ihrer Hardrock-Helden gewöhnen. Doch die Begeisterung ist da, es wird gewinkt, gejubelt und bei "The Best Is Yet To Come" stimmen sie zur Freude von Sänger Klaus Meine lauthals in ein kollektives "Hey-Ja-Ho" ein. Meine ist übrigens bestens bei Stimme, die mit einer transparenten Klarheit beeindruckt. Bei zwei Duetten, "In Trance" und "When You Came Into My Life", versetzt die junge Hamburger Sängerin Cäthe die Scorpions-Klassiker zusätzlich mit jugendlich expressivem Soul.

Wer sich auf das dezibel-mäßig gedämpfte Klangbild einlässt, bereit für das differenziert angelegte Klangspektrum ist, vermag den in der Urfassung eher simpel strukturierten Songs durchaus neue, reizvolle Hörerlebnisse abzugewinnen. Respekt und begeisterter Applaus verabschiedet die Scorpions nach den Zugaben, die angesicht der aktuellen politischen Lage in der Ukraine von "Wind of Change" eröffnet werden. Also pfeift Klaus Meine nochmals, bestimmt nicht zum letzten Mal, denn die weltweite Farewell-Tour läuft ja erst seit drei Jahren.