Neue Spielzeit startet mit Wagners „Meistersingern“ Diese Premieren gibt es 2024/2025 an der Bonner Oper zu sehen

Bonn · Von Wagners „Meistersingern“ bis Puccinis „Tosca“: Die Bonner Oper zeigt in der kommenden Saison bekanntes Repertoire. Aber es gibt auch einige Überraschungen. Sogar ein Pop-Klassiker wird in eine Oper verwandelt und findet den Weg auf die Bühne.

 Ein fotografisch inszenierter Vorgeschmack auf Georg Friedrich Händels Oper „Alcina“ mit Charlotte Quadt (links) und Marie Heeschen.

Ein fotografisch inszenierter Vorgeschmack auf Georg Friedrich Händels Oper „Alcina“ mit Charlotte Quadt (links) und Marie Heeschen.

Foto: Bettina Stoess

Der Klimawandel macht auch vor der Bonner Oper nicht halt. Die Spielzeit werde künftig immer erst im Oktober beginnen, sagte Generalintendant Bernhard Helmich am Donnerstag bei der Vorstellung der neuen Saison von Oper und Schauspiel im Opernhaus. „Sie werden sich noch an die tropischen Temperaturen des vergangenen Septembers erinnern“, so Helmich, „das war verkaufstechnisch eine Katastrophe.“ Nun also der 3. Oktober, der „Tag der deutschen Einheit“, und da feiert mit Richard Wagners Oper „Die Meistersinger von Nürnberg“ (3. Oktober, Opernhaus) gleich ein Monument deutscher Opernliteratur Premiere. Dirk Kaftan, der das Werk dirigieren wird, wies darauf hin, dass die „Meistersinger“ in Bonn seit 1988 nicht mehr gespielt worden seien, und versprach eine eher komödiantische Herangehensweise an den Stoff. Als Regisseur hat man Aron Stiehl verpflichtet, der in Bonn zuletzt unter anderem für seine Inszenierung von Johann Strauß’ Operette „Die Fledermaus“ gefeiert wurde.

In den vergangenen Spielzeiten hat sich das Publikum daran gewöhnt, dass die Saison im Opernhaus durch ein Musical eröffnet wird. Das erfolgt nun an zweiter Stelle mit der Broadway-Version von John Waters’ Kinohit „Hairspray“ (20. Oktober, Opernhaus). Es inszeniert Erik Petersen, der in Bonn auch schon die „West Side Story“ und „Der kleine Horrorladen“ auf die Bühne brachte.

Angela Gheorghiu und Ramón Vargas kommen als Stargäste

Insgesamt stehen in der kommenden Spielzeit mehr bekannte Werke auf dem Spielplan als in den vorangegangenen. Das gilt auch für die Ära des Barock, die durch eines der populärsten Bühnenwerke Georg Friedrich Händels repräsentiert ist. Als „ein Feuerwerk der Barockmusik und des Tanzes“ kündigte die neue Chefdramaturgin der Oper, Polina Sandler, dessen Zauberoper „Alcina“ (10. November, Opernhaus) an, die in der Regie von Jens-Daniel Herzog zu erleben ist. Es dirigiert Dorothee Oberlinger, eine ausgewiesene Barockexpertin, die neben ihrer Karriere als Blockflötistin mittlerweile auch als Dirigentin einen ausgezeichneten Ruf hat. Die Titelrolle übernimmt die Sopranistin Marie Heeschen, die seit Jahren eine feste Größe im Bonner Ensemble ist.

Im internationalen Geschäft zu Hause sind die Sopranistin Angela Gheorghiu und der Tenor Ramón Vargas, die für einige Vorstellungen von Giacomo Puccinis Opernhit „Tosca“ (1. Dezember, Opernhaus) nach Bonn kommen werden. Die aus dem Teatro Communale in Bologna eingekaufte Inszenierung von Giovanni Scandella wird laut Kaftan „etwas traditioneller“ sein. Am Pult steht Kaftan selbst.

Klassiker des Opernrepertoires

Mit Giuseppe Verdis „Die Macht des Schicksals“ (2. Februar 2025, Opernhaus) vollendet der britische Regisseur Sir David Pountney seine Bonner Trilogie mit Werken aus der mittleren Phase des Komponisten. Am Pult steht erneut der Verdi-Spezialist Will Humburg. Ein weiterer Klassiker der italienischen Opernliteratur ist Gaetano Donizettis „Der Liebestrank“ (16. März 2025, Opernhaus), der laut Sandler als Comic auf die Bühne kommt. Regie führt Maren Schäfer, Hermes Helfricht steht am Pult.

Neue Wege geht die Oper mit der Inszenierung des Popalbums „Vespertine“ (5. April 2025, Schauspielhaus) der isländischen Pop-Ikone Björk. Das Werk erklingt in einer Orchesterversion mit zwei Sängerinnen, die laut Sandler mit analogen Mitteln die elektronische Anmutung des Albums wiedergeben. Zugleich ist es ein Gastspiel der Oper im Schauspielhaus. Den umgekehrten Weg geht die originäre Schauspielproduktion „Die Dreigroschenoper“ (6. April, Opernhaus), die am Boeselagerhof gezeigt wird. Simon Solberg inszeniert den Klassiker von Bertolt Brecht und Kurt Weill.

Die Reihe „Fokus 33“ geht weiter

Die Reihe „Fokus 33“ geht auch weiter, wenn auch nicht auf die deutsche Operngeschichte rund um das deutsche Schicksalsjahr bezogen, sondern der Blick soll laut Sandler ausgeweitet werden auf vergessene Opernraritäten des 20. Jahrhunderts. Dazu gehört gewiss auch die Oper „Musik für die Lebenden“ (15. Juni 2025, Opernhaus) des georgischen Komponisten Gija Kantscheli, die 1984 in Tiflis uraufgeführt wurde. In Bonn inszeniert sie Maxim Didenko, es dirigiert Daniel Johannes Mayr. Der Spielzeitausklang fällt dann eher leise aus: Ana Sokolovic’ „Hochzeit“ (21. Juni 2025, Werkstatt), eine Kammeroper a cappella für sechs Frauenstimmen.

Wiederaufnahmen gibt es auch: „Hänsel und Gretel“ (7. Dezember, Opernhaus) von Engelbert Humperdinck sowie Jürgen Roses unverwüstliche Inszenierung von Wolfgang Amadeus Mozarts „Zauberflöte“ (22. Februar 2025, Opernhaus) aus dem Jahr 1996.

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