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Kultur in Bonn: Pantheon-Umzug auf der Kippe

Kultur in Bonn : Pantheon-Umzug auf der Kippe

Der geplante Umzug des Pantheon-Theaters in die Halle Beuel steht offensichtlich auf der Kippe. Die Ratsmehrheit ist nicht bereit, die Bedingungen zu erfüllen, die Generalintendant Bernhard Helmich an diesen Umzug geknüpft hat.

Er fordert, dass bei einer Nutzung der Halle Beuel durch das Pantheon die Kammerspiele in Bad Godesberg auch über seinen bis 2018 laufenden Vertrag hinaus als Spielstätte des Schauspiels festgeschrieben wird. Außerdem fordert er eine Rücknahme der vorgesehenen Kürzung des Theateretats um 3,5 Millionen Euro (beginnend ab 2018).

Das will die Jamaika-Koalition nicht mitmachen, erklärte Georg Fenninger (CDU). Hinter vorgehaltener Hand sprachen einige Politiker sogar von "Erpressung". Eine Vorlage des Theaters für den Kulturausschuss am Donnerstag, 26. November, die der Rat in seiner Sitzung am 10. Dezember beschließen soll, hat die Ratsmehrheit deshalb erst einmal gestoppt. Das wiederum erstaunt Helmich sehr.

"Wir haben im Zusammenhang mit dem Umzug immer schon gesagt, dass wir dann auf die Kammerspiele nicht verzichten können", sagte er im Gespräch mit dem GA. Schon von Anfang an, als die Pläne für das Pantheon auf den Tisch kamen, habe er erklärt, dass unter dem Aspekt der Gesamtverantwortung für die künstlerischen Mitarbeiter eine solche Überlegung nur Zustimmung finde, wenn die Zukunft des Schauspiels mit einer funktionierenden Hauptspielstätte garantiert und dem Theater auch über 2018 hinaus ein Etat zugesichert werde, der den bisherigen Spielbetrieb in vollem Umfang ermöglicht.

Wie berichtet, muss das Pantheon im Sommer 2016 aus dem Bonn- Center ausziehen. Der Bürokomplex wird abgerissen und auf dem Areal wird neu gebaut. Ab Herbst 2016 soll das Theater in Beuel eine neue Bleibe finden. Helmich erinnerte daran, dass die Halle Beuel als Spielstätte fester Bestandteil seines Vertrages sei. "Wenn wir schon bereit sind, die Halle abzugeben, dann müssen die Kammerspiele eine Aufwertung erfahren", sagte er. Von der einst von Ex-OB Jürgen Nimptsch in Gespräch gebrachten Möglichkeit, die Oper umzubauen, hält der Intendant nichts.

"Da sehe ich keine Realisierungschancen", sagte er. Die Kosten für Oper und Kammerspiele haben nach Auskunft von Kulturdezernent Martin Schumacher Fachkräfte des Theaters grob überschlagen. In seiner - im Moment nur als Entwurf vorliegenden - Vorlage für den Kulturausschuss ist die Rede von mehr als 75 Millionen Euro, die allein Sanierung und Umbau der Oper kosten würden. Mit einem integrierten Neubau für das Sprechtheater steigt die Summe sogar auf mehr als 114 Millionen Euro. Ebenfalls überschlagen haben die Fachkräfte den Sanierungsbedarf der Kammerspiele: Der liegt demnach bei knapp zwölf Millionen Euro. Eine Beseitigung von Mängeln würde 5,9 Millionen Euro kosten.

"Da reden wir erst gar nicht drüber"

Schumacher will trotz der Einwände seitens der Ratsmehrheit die Vorlage im Kulturausschuss auf den Tisch bringen. "Ich habe Verständnis für die Politik, aber auf der anderen Seite hat die Stadt einen Vertrag mit Herrn Helmich, den sie erfüllen muss." Er erinnerte daran, dass Helmich bereits freiwillig auf die Spielstätten im alten Malersaal und im Lampenlager verzichtet habe. Beide Säle mussten wegen sicherheitstechnischer Mängel geschlossen werden.

Trotzdem: Derzeit sieht es nicht danach aus, dass die Jamaika-Koalition die Bedingungen des Generalintendanten akzeptieren wird. Das machten Fenninger und seine Koalitionspartner Peter Finger (Grüne) und Werner Hümmrich (FDP) deutlich. "Da reden wir erst gar nicht drüber", sagte Fenninger, oder der Intendant sage, an welcher anderen Stelle die Stadt denn die Gelder einsparen könne. Wenn überhaupt, könne es nur eine Lösung geben, die haushaltsneutral sein müsse. Die haben auch Finger und Hümmrich im Blick, auf keinen Fall wollen sie sich "unter Druck" setzen lassen, sagten sie.

Martina Steimer, Künstlerische Leiterin des Pantheons, versteht die Diskussion nicht. "Das war doch von Anfang an klar, dass das Theater Bonn eine Garantie für den Standort Kammerspiele benötigt, wenn wir die Halle Beuel übernehmen." Sollte keine Einigung erzielt werden, bedeute dies wohl das Aus für das Pantheon, warnte Steimer.