Museum für Angewandte Kunst Peter W. Marx über die geplante Shakespeare-Schau "A Party for Will"

KÖLN · Wenn die Welt am 23. April William Shakespeares 450. Geburtstag feiert, gratuliert auch Köln. Schon ab 15. März läuft dann im Museum für Angewandte Kunst "A Party for Will", wobei der Gastgeber gewissermaßen aufs geistige Catering der Theaterwissenschaftlichen Sammlung der Universität Köln (TWS) setzt.

 Dialog mit einem Totenkopf: Die Schauspielerin Sarah Bernhardt verkörpert in klassischer Pose Shakespeares Hamlet. Die Fotografie entstand 1899 in Paris.

Dialog mit einem Totenkopf: Die Schauspielerin Sarah Bernhardt verkörpert in klassischer Pose Shakespeares Hamlet. Die Fotografie entstand 1899 in Paris.

Foto: TWS/ UNI KÖLN

Deren Leiter Prof. Peter W. Marx ist "ein Überzeugungstäter in Sachen Shakespeare" und rühmt ihn, "da er eben kein Klassiker unter Glas oder im Panzerschrank ist, sondern immer wieder neu angepackt werden will".

Was ausstellungstechnisch zunächst frustrierend ist, "denn es gibt kaum Zeugnisse, die unmittelbar zu ihm oder seiner Theaterwelt führen". Diesem Mangel an "auratischem Material" trotzt man freilich spektakulär. "Wir stellen die berühmte First-Folio-Ausgabe von 1623, die erste posthum erschienene Gesamtausgabe seiner Dramen ins Zentrum. Wobei die Universität zu Köln eine von drei Institutionen in Deutschland ist, die dieses Buch - eines der teuersten der Welt - haben."

Hier liegt die Keimzelle des Theaterkosmos, den die Schau nicht chronologisch, sondern motivisch durchschreitet: "Also etwa mit der Frage: Was ist der Mensch, die wir an Hamlet oder Shylock und Othello beleuchten." Oder man schaut auf den Krieg als Element der Entmenschlichung und beleuchtet die vielfach vertauschten Geschlechterrollen.

Shakespeares viel belächelte Regieanweisung: "Die Szene spielt an der böhmischen Küste", nimmt man insofern ernst, als man die Möglichkeitsräume durchmisst, die sein Werk aufspannt. Etwa in Szenenfotos, Bühnenbildern, Comics. "Es geht uns weniger um eine Höhenkammschau, sondern auch um Abwegiges, weniger Prominentes. Wir wollen den Besuchern zeigen: Kultur ist nichts Totes für den weihevollen Sonntag, sondern etwas, das unseren Alltag beeinflusst".

Aber was macht Shakespeares ungebrochene Faszination aus? "Er lebte in einer Umbruchzeit, wie sie in der Radikalität vielleicht nie wieder stattgefunden hat." Marx nennt das Auftauchen der ersten gedruckten Bücher in England, außerdem die Säkularisierung, "die alle Lehren über Leben und Tod, Himmel und Hölle in Frage stellte. Gleichzeitig entsteht ein kommerzielles öffentliches Theatersystem als Durchlauferhitzer dieser Ideen".

Shakespeare habe all diesen Themen ein Spielfeld eröffnet und doktrinäre Lösungen gemieden, so dass die Fragen frisch bleiben. Bei "Hamlet", so Marx, müsse sich jede Zuschauergeneration fragen: "Was ist denn heute ein Gespenst, was ist die unerlöste Vergangenheit, die auf uns zukommt?"

Auf den Besucher der Kölner Schau kommen freilich nicht nur erhabene Fragen, sondern auch skurrile Objekte zu. "Mein persönliches Highlight ist der Lego-Shakespeare als Actionfigur", gesteht Marx, aber es gibt Shakespeare-Uhren, -pantoffeln, -badeenten.

Und die Flasche mit dem "Shake's Beer" und dem schönen Untertitel: "Two Beers or not to be." Zwar trage die Autorendebatte (war Shakespeare wirklich und allein Urheber seiner Werke?) zur Lebendigkeit des Autors bei, steht aber hier eher am Rande. Vielmehr geht es um die Kulturikone. So fand man in der eigenen Sammlung George Romneys Grafik der Geburtsstunde Shakespeares, "eine fast sakrale Krippenszene, wobei Mutter Natur dem kleinen William ihr wahres Gesicht zeigt, der von den allegorischen Figuren der Affekte Liebe, Hass und Eifersucht sowie Zorn, Neid und Furcht derart umzingelt ist, dass man um das propere Baby fast ein wenig Angst hat". Ein weiteres Zeichen des frühen Geniekults ist das ebenfalls ausgestellte Bild "Die Muse der Kunst besucht das Grab Shakespeares".

Bei all dem wird der Kölner Bezug nicht vergessen. So will man Regisseure, die hier Shakespeare inszeniert haben, nach Köln holen, Hansgünther Heyme hat schon zugesagt. "Und die Studierenden programmieren unter dem Titel ,Will in Town' ein Computerspiel, bei dem die Spieler auf internetfähigen Geräten, begleitet von Tünnes und Schäl, in Köln nach Shakespeare und seinen Figuren suchen müssen." Angesichts dieser Fühler, die man ins "normale" Publikum ausstreckt, erscheint die anvisierte Besucherzahl von 5000 auch für Peter W. Marx als "charmante Tiefstapelei".

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