Pianistin Susanne Kessel spielt solo das "Concert" von John Cage im Beethovenhaus

bonn · Das Orchester war nicht da. Seine Anwesenheit ist auch nicht zwingend erforderlich, selbst wenn das Stück "Concert for Piano and Orchestra" heißt. Für den Komponisten John Cage (1912-1992) waren solche Stücktitel letztendlich auch nur Spielmaterial, sein "Concert" lässt sich in vielen verschiedenen Besetzungen aufführen, darunter halt auch in einer Fassung für Piano solo.

Die stellte die Bonner Pianistin Susanne Kessel, höchst erfahren im Umgang mit allem, was Avantgarde war oder ist, jetzt im Bonner Beethoven-Haus vor. Von John Cage wird in diesem Jahr noch viel zu hören sein, der 100. Geburtstag naht.

Das Beethoven-Haus präsentierte das Konzert in seiner reizvollen Reihe "ZweiMal": Da wird ein und dasselbe Werk am Anfang und am Ende gespielt, dazwischen gibt es ein mehr oder minder informatives Gespräch. Im Falle John Cage ist ein solches Konzept besonders sinnvoll, weil die meisten Stücke des Amerikaners vom Zufall bestimmt sind - Susanne Kessels zwei Versionen unterschieden sich folgerichtig auch erheblich.

Die Pianistin kombinierte das "Concert" mit zwei weiteren Arbeiten von John Cage, mit Tonbandmaterial und Passagen aus seinem Vortrag "Indeterminacy". Das Ganze wurde zu einer höchst spannenden akustischen Inszenierung, zu einem aparten Miteinander von Geräusch, Sprache und Musik. Der Einsatz von Glöckchen, Kastagnetten, Spieluhr, Tischtennisbällen, Fliegenklatsche und Toy Piano und der Griff ins Innenleben des Flügels boten dazu auch dem Auge noch was.

Kessel versteht ihr Handwerk perfekt, ihr fantasievoller, durchdachter Einsatz garantiert dem Werk allemal höchste Aufmerksamkeit. Am Konzept des Abends ließe sich allerdings noch ein bisschen arbeiten. Moderator Patrick E. Hahn scheute vor jeder kritischen Frage zurück; dabei wäre durchaus darüber nachzudenken, ob Cage inzwischen nicht als liebenswert altmodischer Anarchist daherkommt, dessen Hervorbringungen eher harmlos wirken. Ganz altmodisch allerdings wirkte der Versuch, einem Teil des Publikums mit ein paar fotokopierten Seiten einen Blick auf die Partitur von John Cage zu ermöglichen.

Da sollte sich auch bis ins Beethoven-Haus beispielsweise der Einsatz einer hübschen kleinen PowerPoint-Präsentation herumgesprochen haben. Das lohnt sich, zumal eine Cage-Partitur meist ein richtiges grafisches Abenteuer ist.

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Marcus Schinkel rockt Beethoven
Der „Piano Club“ im Pantheon Bonn Marcus Schinkel rockt Beethoven
Aus dem Ressort