Neue Folge des Crime-Podcasts „Akte Rheinland“ Der Macke vom Müll

Audio | Bonn · Ein Bonner findet 1991 ein Gemälde im Sperrmüll. Ein „echter Macke“, wie sich herausstellt. Als er es verkaufen will, melden sich die Nachfahren eines jüdischen Kaufmanns, dem das Gemälde gehöre. Sie ziehen vor Gericht. Die ganze Geschichte gibt es in der neuen Folge des Podcasts „Akte Rheinland".

August Macke, Waldrand, Öl auf Leinwand, 1910: Dauerleihgabe aus Privatsammlung seit 2013 im Kunstmuseum Bonn.

August Macke, Waldrand, Öl auf Leinwand, 1910: Dauerleihgabe aus Privatsammlung seit 2013 im Kunstmuseum Bonn.

Foto: Reni Hansen

Vor dem Haus in der Kaiserstraße 61 steht Sperrmüll. Ein Bonner Paar ist unterwegs zu Freunden, als der Mann vor dem Gerümpel stehen bleibt und ein verstaubtes Öl-Gemälde hervorkramt. Seine Frau fragt noch, ob er „dieses hässliche Bild“ wirklich mitnehmen will – doch er lässt sich nicht beirren. Er packt es ein – ohne zu ahnen, welch wertvollen Fund er da gemacht hat.

In der neuen Folge des True-Crime-Podcasts „Akte Rheinland“ geht es um diesen besonderen Fund – und um einen Gerichtsprozess, in dem der Bonner beweisen muss, dass er der rechtmäßige Eigentümer des Gemäldes ist. Denn dieses hat schon eine lange Reise hinter sich: Es handelt sich um das Originalgemälde „Waldrand“ des expressionistischen Künstlers August Macke von 1910. Ohne zu wissen, wie wertvoll das Bild ist, habe der Bonner Spaziergängere es mitgenommen und zuhause unter der Dusche von einer dicken Staubschicht befreit, berichtet er 33 Jahre später dem GA. „Das ist wohl der einzige Macke, der jemals geduscht wurde“, kommentiert er. Danach erst habe er festgestellt, welchen Schatz er da in den Händen hielt.

Ölgemälde von August Macke sollte 1998 versteigert werden

Einige Jahre lang habe er das Bild in seiner Wohnung hängen gehabt, es dann dem Bonner Macke-Haus als Dauerleihgabe überlassen, bis er sich entschloss, es 1998 in Berlin zu versteigern. Doch so einfach soll es nicht sein. Denn die Geschichte des glücklichen Finders geht zu dieser Zeit durch die Medien, wodurch einer der Urenkel des ursprünglichen Besitzers des Bildes darauf aufmerksam wird – und den Finder auffordert, es zurückzugeben.

Als dieser seinem Wunsch nicht nachkommt, klagt er vor dem Bonner Landgericht. „Durch die Berichterstattung über die Ausstellung und den ‚August Macke im Sperrmüll‘ wurde der in Kolumbien lebende Kläger auf das Auffinden des Gemäldes aufmerksam. Der Kläger meint, er und weitere Miterben seien - nach wie vor - die Eigentümer des Ölgemäldes“, heißt es im Urteil des Prozesses, das im Juni 2002 verkündet wird.

August-Macke-Gemälde: Entschädigung für die Verbrechen der Nazis

Der Kläger ist John Daniel Oberländer. Er ist ein Nachfahre von Emmanuel Eduard Oberländer, einem jüdischen Kaufmann, der das Gemälde „Waldrand“ 1910 von August Macke höchstpersönlich gekauft haben soll. Als Emmanuel Eduard Oberländer im Jahr der Machtergreifung der Nationalsozialisten, 1933, verstirbt, erbt sein Sohn, Karl Oberländer, das Gemälde.

Er, seine Frau und seine Kinder leben ebenso wie ihre Vorfahren in Bonn und werden als Juden von den Nazis in Deutschland verfolgt. 1938 müssen sie das Land verlassen und flüchten in die Niederlande. Von dort aus emigrieren sie anschließend nach Kolumbien. Das Haus und der Besitz der Oberländers werden im Jahr 1938 von der Geheimen Staatspolizei, der Gestapo, beschlagnahmt – samt aller Gegenstände, die die Familie dort zurückgelassen hat.

Nach dem Zweiten Weltkrieg stellt Karl Oberländer einen Wiedergutmachungsantrag: Er fordert eine Entschädigung für die Verbrechen, die die Nationalsozialisten an seiner Familie begangen haben. Wie der GA Anfang der 2000er Jahre berichtet, „verlangt er in einem Rückerstattungsverfahren Entschädigung für sein von den Nazis entzogenes Vermögen und erhält am 27. Juni 1955 36.648 Mark Schadensersatz zugesprochen“. Ein Jahr später stirbt er, und seine Kinder erhalten sein verbleibendes Vermögen. Sein Sohn, Hans Hugo Oberländer, lebt nach wie vor mit seiner Frau und seinen beiden Kindern, Irene und John Daniel Oberländer, in Kolumbien.

Der Macke vom Sperrmüll: die ganze Geschichte im Podcast „Akte Rheinland“ hören

„Am Dienstag, 9. Oktober 2001, teilt der Pressesprecher des Bonner Landgerichts, Daniel Radke, mit: John Daniel Oberländer klagt auf Herausgabe des Gemäldes“, berichtete der GA zum Auftakt des Prozesses, der 2001 in Bonn beginnt. Es soll der rechtmäßige Eigentümer des Macke-Gemäldes bestimmt werden. Dafür werden historische Abläufe rekonstruiert und eingeordnet, das Verhalten der Gestapo wird für unrechtmäßig erklärt und anhand von geltenden Gesetzen wird beurteilt, um wessen Eigentum es sich nun handelt. Doch dann taucht neben John Daniel Oberländer und dem Sperrmüll-Finder auch noch ein Dritter auf, der behauptet, das Bild gehöre rechtmäßig seiner Familie.

Die ganze Geschichte des Gemäldes, wie das Urteil lautet und wo in Bonn das Gemälde nun zu sehen ist, hören Sie ab Donnerstag, 25. April, in der neuesten Folge von „Akte Rheinland“. Der True-Crime-Podcast des General-Anzeiger Bonn ist über Spotify, Apple Podcasts und weitere Podcatcher sowie über ga.de/akte-rheinland abrufbar und kann kostenlos abonniert werden. „Akte Rheinland“ hat unter dem Benutzernamen @akterheinland einen eigenen Instagram-Kanal. Hier oder per Mail an podcast@ga.de können Feedback, Themenvorschläge oder Kritik an das Podcast-Team gesendet werden.

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