Beethoven-Ring 2021 Preisträger Knut Hanßen ist eng verbunden mit Bonn

Der in Köln geborene Pianist nimmt am Sonntag im Kammermusiksaal des Beethoven-Hauses den Beethoven-Ring entgegen. Damit folgt er Klassikstars wie Gustavo Dudamel oder Igor Levit.

 Ihm gebührt der Ring: Der Kölner Pianist Knut Hanßen.

Ihm gebührt der Ring: Der Kölner Pianist Knut Hanßen.

Foto: Promo

Es war ein ungewöhnlicher Auftritt, mit dem der Pianist Knut Hanßen im vergangenen Jahr die Gunst der Bürger für Beethoven um den Beethoven-Ring errang. Seit 2004 zeichnen sie mit dieser Trophäe alljährlich eine der fünf jüngsten Künstlerpersönlichkeiten beim Beet­hovenfest für die beste Interpretation eines Werkes des Bonner Komponisten aus. Beim Campus-Projekt der Deutschen Welle im WCCB hatte Hanßen mit seiner Ausdeutung von Beethovens Klaviersonate Es-Dur op. 27/1 die solistische Ouvertüre zu einem Konzert mit avantgardistischen Orchesterwerken des 20. und 21. Jahrhunderts übernommen. Eine Ouvertüre freilich, die mottoartig über den anderen Werken des Abends stehen sollte – was wiederum die „Bürger“ zu honorieren wussten.

Ein bisschen überrascht

„Ich muss gestehen, dass ich ein bisschen überrascht war“, erinnert sich Hanßen an den Moment, als sie ihm die frohe Botschaft, ihn zum Ring-Preisträger 2021 gewählt zu haben, überbrachten. Entgegennehmen wird er den Preis am kommenden Sonntag im Rahmen eines Klavierabends im Kammermusiksaal des Beethoven-Hauses. „Auf diese Auszeichnung kann man sich ja nicht bewerben“, sagt Hanßen. Das unterscheidet den Beethoven-Ring von Wettbewerben wie der International Beethoven Telekom Competition Bonn, wo der Pianist 2019 bis ins Halbfinale vorgedrungen war.

Im Unterschied zu den anderen Ring-Preisträgern von Gustavo Dudamel (2004) über Julia Fi­scher (2005) und Lisa Ba­tiashvili (2006) bis hin zu Igor Levit (2017) und Kit Armstrong (2018) pflegt der 1992 in Köln geborene Pianist eine sehr enge Beziehung zu Bonn und zur Region. Seine Mutter, erzählt er, stamme aus Bad Honnef, sodass die Rheinlandschaft mit Drachenfels ihn stark geprägt habe. Die musikalische Verbindung zur Beethovenstadt nahm ihren Ausgang von einer bis heute andauernden regelmäßigen Zusammenarbeit mit den „Brüser Berg Konzerten“ in der Emmauskirche. Vor ziemlich genau zehn Jahren spielte er für sie ein Benefizkonzert mit Werken von Beethoven für die Anschaffung eines Flügels, der heute tatsächlich in der Kirche steht. Zuletzt gastierte er dort im vergangenen März gemeinsam mit seiner Partnerin, der Pianstin Séverine Kim, mit der er 2021 sogar ein eigenes kleines Festival ins Leben rief: die Celler Sommerkonzerte.

20 Konzerte in 80 Tagen

In den vergangenen Monaten seit dem Beethovenfest-Auftritt hat das Konzertleben wieder richtig Fahrt aufgenommen. Danach sah es lange nicht aus. Unmittelbar nachdem Hanßen Anfang 2020 in der Reihe „Best of NRW“ durchs Land getourt war, setzte der erste Lockdown dem Konzertleben ein vorläufiges Ende. Hanßen: „Das war nach diesem Konzertmarathon wie ein Absturz.“ Auch wirtschaftlich. „Man hat ja als freischaffender Musiker kein festes Gehalt.“ Jetzt ist die Situation eine andere. „Ich habe in den letzten 80 Tagen 20 Konzerte gespielt“, berichtet der Pianist. „Es ist ein Unterschied wie Tag und Nacht.“ Verschobene Konzerte werden nachgeholt, viele neue Termine kommen dazu. Fast immer mit unterschiedlichen Programmen: Soloabende, Kammermusik, Auftritte mit Orchester. „Manchmal“, sagt Hanßen angesichts dieser Fülle nachdenklich, „spricht einiges dafür, es so zu machen wie Grigory Sokolov, der mit nur einem Programm pro Saison unterwegs ist.“ Den Auftritt der von ihm bewunderten Klavierlegende am 24. Juni in der Kölner Philharmonie möchte Hanßen trotz seines eigenen Arbeitspensums auf keinen Fall versäumen. Die Karten für den wegen der Pandemie mehrfach verschobenen Klavierabend hat er schon seit 2020 in der Tasche.

Eigenes Festival in Celle

Hanßen, der seine pianistische Ausbildung bei Sheila Arnold, Thomas Leander und Wolfram Schmitt-Leonardy erhielt und darüber hinaus bei Marcus Bosch, Alexander Liebreich und Bruno Weil Orchesterdirigieren studierte, hat längst selbst Gefallen am Unterrichten gefunden. Zum Beispiel im Juli als Assistent auf einem Meisterkurs mit seinem früheren Lehrer Schmitt-Leornardy in Durtal an der Loire in Frankreich. Hanßen: „Das ist ein sehr idyllisch gelegener, ruhiger Ort, der eine schöne Erholungs- und gleichzeitig auch Konzentrationsmöglichkeit bietet.“ Und danach geht es erfrischt weiter zum eigenen Festival nach Celle.

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