1. News
  2. Kultur & Medien
  3. Regional

Prokofjews "Peter und der Wolf" im Studio der Beethovenhalle

Prokofjews "Peter und der Wolf" im Studio der Beethovenhalle

Hausmeister Honickel - Triumphzug im Zoo - Ein Noten-wechsel-dich-Spiel - "Was wird denn jetzt aus der Ente?"

Bonn. Der neue Hausmeister hat von Tuten und Blasen keine Ahnung. Im Studio der Beethovenhalle soll er die Orchesterstimmen von "Peter und der Wolf" auf den Notenpulten des Beethoven Orchesters verteilen, bringt aber trotz tatkräftiger Hilfe aus dem Publikum alles durcheinander.

Es kommt, wie es kommen muss: Bei der Vorstellung der einzelnen Figuren und ihrer Charakterthemen verirren sich die Geigen im Wolfsmotiv, und das großväterliche Fagott müht sich redlich, aber vergebens mit den Läufen und Trillern des Vogels ab. Thomas Honickel, im wirklichen Leben hauptamtlicher Konzertpädagoge des Beethoven Orchesters, gibt den Chaos verursachenden Hausmeister mit grauem Kittel und breitem rheinischen Dialekt und hat die Lacher auf seiner Seite.

Dass der gleiche Mann kurze Zeit später als Dirigent wieder auftaucht, begreifen die jüngsten Zuschauer vielleicht nicht, die Großen aber schon. Das Noten-wechsel-dich-Spiel hat sich auf jeden Fall gelohnt, denn als Sergej Prokofjews musikalisches Märchen endlich anfängt, kennen die Kinder alle beteiligten Instrumente ganz genau. Anna Feichtinger liest die mit wechselnden Bildern auf einer Leinwand illustrierte Geschichte vor: von einem mutigen Peter, der sich vom Großvater nicht einsperren lässt, vom Streit zwischen Vogel und Ente, von der Katze, vom gefräßigen Wolf und von Jägern, die nach einer ausgiebigen Kneipentour kaum noch geradeaus schießen können.

In den Orchesterpausen macht die Sprecherin das prima - wenn jedoch Musik und Erzählung parallel laufen, kann sich ihre Stimme nicht immer durchsetzen. Die Pauken lassen es gewaltig knallen, aber da haben die fröhlichen Geigen schon längst verkündet, dass Peter den Wolf mit einem gezielten Lassowurf eingefangen hat. Den Triumphzug zum Zoo darf Peter aus dem Publikum dirigieren: Auf einem Stuhl stehend schwingt er furchtlos den Taktstock und bringt das Kinderkonzert zu einem gelungenen Abschluss. Wenn da nicht das klägliche Quaken der Oboe wäre, das sich noch einmal aus dem Wolfsbauch meldet: "Was wird denn jetzt aus der Ente?", will eine Zuhörerin wissen. Wie immer bleibt diese Frage ohne Antwort.