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Kammermusik im Schumannhaus: Ritt über die Saiten

Kammermusik im Schumannhaus : Ritt über die Saiten

Schumann muss sein. Anders können viele Musiker im Schumannhaus nicht, dem Genius Loci will schließlich gehuldigt werden.

Das taten auch die Cellistin Laura Moinian und der Pianist Jamie Bergin, beides junge Musiker, die bereits einige wichtige Wettbewerbserfolge hinter sich und eine verheißungsvolle Karriere vor sich haben. Eine erste CD mit eingängigem Repertoire für Cello und Klavier gibt es von den beiden jedenfalls schon.

Beide begannen ihren Abend natürlich mit Schumann, dessen Fantasiestücke eine potente Allzweckwaffe für Musiker jedweden Instrumentariums sind. Moinian und Bergin präsentierten diese Stücke überaus gekonnt. Es schien fast, als würden sie die Vortragsbezeichnungen als Gebrauchsanweisungen nahezu wörtlich umsetzen.

Lyrisch, mit feinem Strich nahm man jedenfalls die ersten beiden Stücke, kräftig, markant und ungestüm das dritte. Dass sie nicht nur Schönklang produzieren kann, zeigte Moinian in Schumanns Adagio und Allegro op. 70 hinreichend.

Hier lotete sie lyrische und virtuose Extreme aus, spielte sehr emotional aufgeladen mit tiefster Betrübnis und höchster Emphase.

Dafür riskierte sie auch mal was, spielte etwa Carl Davidoffs "Am Springbrunnen" als sportiven Ritt über die Saiten, bei dem sie ihren wandlungsfähigen Celloton kein Gramm Fett zu viel ansetzen ließ. Musikalisch war an dem "Showpiece" nicht viel dran, technisch brillieren konnte Moinian dafür umso mehr.

Zwei große Sonaten spielte das Duo an diesem Abend: jene von Claude Debussy und die zweite in D-Dur von Felix Mendelssohn Bartholdy. Auch hier charakterisierte man die Musik sehr präzise, mal sensibel mit spitzer Feder, mal pastos mit breitem Pinsel.

So offenbarten sich bei Debussy viele Zwischentöne, vor allem Jamie Bergin setzte den Flügel im Schumannhaus sehr variantenreich ein, ohne das Cello damit jemals zu übertönen.

Überhaupt profilierte er sich an diesem Abend als ungemein sensibler und stets präsenter Begleiter, einer jener Sorte, bei denen man sich hinterher fragt, ob sie überhaupt da gewesen sind.

Das ist in diesem Fall als großes Kompliment zu verstehen, denn so viel Selbstbeherrschung und Raffinesse zeichnen nicht jeden Kammermusikpartner aus. Auch Mendelssohn Bartholdys zweite Sonate verzauberte: Liedhaft-leicht gelang der Kopfsatz, ergreifend wie ein schlichtes Lied ohne Worte das Adagio, als packend-virtuoses Drama inszeniert das Finale.