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Helden, Menschen, Sensationen: "Rückblende" zeigt im Haus der Geschichte Pressefotografien und politische Karikaturen

Helden, Menschen, Sensationen : "Rückblende" zeigt im Haus der Geschichte Pressefotografien und politische Karikaturen

Angela Merkel steht bei den Pressebildern und politischen Karikaturen wieder ganz hoch im Kurs, doch das Rennen machte ein altgedientes Schlachtross der deutschen Politik: Helmut Schmidt. Sein denkwürdiger Auftritt beim SPD-Bundesparteitag im Dezember 2011 hat gleich mehrere Fotografen und Karikaturisten inspiriert.

Marc-Steffen Ungers Foto des Altkanzlers, der geradezu zärtlich vom SPD-Parteivorsitzenden Sigmar Gabriel beklatscht wird, kam beim deutschen Preis für politische Karikatur "Rückblende 2011" auf den zweiten Platz in der Kategorie Foto. Gewinner wurde ein Bild, das keinen Politpromi, dafür Emotion pur zeigt. John MacDougall hielt den Augenblick fest, als eine Bundeswehrsoldatin den Verwandten eines bei einem Bombenanschlag in Afghanistan getöteten Kameraden umarmte. Die Szene gewinnt ihre atmosphärische Spannung durch die Konzentration auf die beiden Protagonisten, während die angetretenen Soldaten im Hintergrund völlig unscharf bleiben.

Diese beiden hervorragenden Fotos, rund 100 weitere und 50 Karikaturen aus dem "Rückblende"-Wettbewerb sind ab heute im Bonner Haus der Geschichte zu sehen. Wie jedes Jahr ist die "Rückblende" ein pointierter Rückblick auf das politische Jahr, auf Siege und Niederlagen, Persönlichkeiten und Menschen, die welche werden wollen. Der über seine Plagiatsaffäre gestürzte Karl-Theodor zu Guttenberg bekommt mit dramatischen Bildern sein Denkmal, die inzwischen ja geschiedene Polit-Ehe zwischen Angela Merkel und Nicolas Sarkozy wird analysiert.

Ohne Frage ist Merkel die wichtigste Figur auf dem Parkett, ob zwischen Königin Beatrix der Niederlande und Kronprinzessin Maxima vor dem Kanzleramt, als Patentante eines Pinguins im Ozeaneum in Stralsund oder zusammen mit NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft im Plastik-Regencape bei der Papstmesse: eine Kanzlerin zum Anfassen.

Bei den Karikaturen räumte ein Blatt des GA-Karikaturisten Klaus Stuttmann den ersten Preis ab: "Ist doch nur ein kleiner Knirps", sagt Angela Merkel über ihren Schirm, der bald zum riesigen EU-Rettungsschirm wird und die Kanzlerin wie den fliegenden Roland aus dem Struwwelpeter mit sich fortreißt.

Elias Hauck und Dominik Bauer (2. Preis) nahmen sich ebenfalls die Finanzkrise vor. Zwei weitere GA-Karikaturisten sind auch bei der "Rückblende" dabei: Heiko Sakurai zeichnete eine öde EU-Sitzung in Brüssel, bei der Sarkozy vorschlägt: "Ähm, ich könnte ein paar Babyfotos zeigen..."; und Burkhard Mohr lässt in seiner Karikatur Merkel von der Reling des Schiffes "Germania" den Insassen eines Flüchtlingsbootes aus Afrika zurufen: "Haben Sie auch ausländische Fachkräfte an Bord?". Ergreifend das Blatt von Christiane Pfuhlmann: Loriots Karikaturen Herr Müller-Lüdenscheidt und Dr. Klöbner sitzen auf dem Wannenrand und trauern um den Meister.

Haus der Geschichte, Willy- Brandt-Allee 14; bis 10. Juni. Eröffnung: heute, 19.30 Uhr. Di-Fr 9-17, Sa, So 10-18 Uhr