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Olympiade der Pianisten: Runde eins bei der 5. Internationalen Telekom Beethoven Competition Bonn

Olympiade der Pianisten : Runde eins bei der 5. Internationalen Telekom Beethoven Competition Bonn

Bei der Telekom versteht man zu rechnen. 10.000 Stunden muss ein Pianist geübt haben, bis er das Niveau eines Solisten erreiche, meinte der designierte Telekom-Chef Timotheus Höttges, als er in der Bonner Konzernzentrale am Donnerstagabend die fünfte Telekom Beethoven Competition eröffnete.

Das seien in sieben Jahren vier Stunden täglich. 27 junge Pianistinnen und Pianisten aus aller Welt, die dieses Pensum hinter sich haben, wurden von Jury-Präsident Pavel Gililov zur Competition nach Bonn eingeladen. Beim traditionellen Welcome Concert nutzte Moderatorin Andrea Thilo die Gelegenheit, alle Teilnehmer kurz vorzustellen. Wobei sie ein paar originelle Facetten der jungen Menschen zutage förderte. Nicolas Namoradze, ein 21 Jahre alter Georgier, zum Beispiel, rede so gerne, dass Freunde ihm nahe gelegt hätten, den Beruf des Politikers zu ergreifen, um die Welt zu verbessern.

Den musikalischen Teil des Welcome Concerts übernahm der Competition-Sieger von 2007, Ian Yungwook Yoo. Er begann mit den "Eroica"-Variationen von Beethoven, die durch den Künstler eine sehr gute, wenn auch nicht aufregende Interpretation erfuhren. Bei der extrem anspruchsvollen Ouvertüre zu Wagners "Tannhäuser" in der Klavierversion von Franz Liszt wirkten die das Thema umspielenden Sechzehntelgirlanden noch ein wenig angestrengt, dann aber begeisterte der Koreaner mit zunehmender Souveränität.

Mit dem bei Wagner verhandelten "Sängerkrieg auf der Wartburg" zog er zudem eine hübsche Querverbindung zum "Pianistenkrieg in der Telekomzentrale". Auch die Schumann/ Listz'sche "Widmung", die er als Zugabe intonierte, passte wunderbar zum Anlass.

Wiedersehen macht Freude

Wiedersehen macht Freude heißt es gemeinhin. Das mögen sich auch viele Bonner gedacht haben, die alle zwei Jahre als treues Publikum die Wertungsspiele der Wettbewerbsteilnehmer besuchen. Viele bekannte Gesichter waren zu sehen, die gespannt und neugierig auf das waren, was sich in den kommenden Tagen abspielt. Enttäuscht wurden sie nicht. Fulminant geriet der Auftakt zur Beethoven Competition. Und gegensätzlich. Denn mit Alexandra Joan aus Frankreich und Thomas Wypior aus Deutschland eröffneten zwei Teilnehmer ganz unterschiedlichen Formats den Wettbewerb.

Im Grunde genommen lieferte Alexandra Joan eine grundsolide Vorstellung ab, denn an Technik und Ausdrucksvermögen mangelte es ihr nicht. Sie begann mit Beethovens c-Moll Variationen, die neben einigen Unsicherheiten auch eine unausgegorene Klangregie offenbarten. Die dramaturgische und klangliche Gewichtung von Beethovens strukturell ausgetüftelter Klangwelt wirkte noch nicht bis ins Letzte durchdacht.

Unspektakulär die d-Moll Fuge aus Johann Sebastian Bachs zweitem Teil des Wohltemperierten Klaviers. Sanglichkeit und Transparenz hieß hier die Devise. Bei Beethovens Sonate in As-Dur op. 109 wuchs Joan dann allerdings über sich hinaus. Vor allem der Finalsatz bestach durch einen mehr und mehr geschärften Interpretationsansatz.

Das konnte Thomas Wypior von Anfang an bieten. Beethovens Elf Bagatellen op. 119 waren ein grandioses Wunderwerk, so unglaublich detailversessen und höchst kultiviert ziselierte Wypior diese Miniaturen. Vor allem seine sagenhaft subtile Anschlagskultur war zusammen mit der interpretatorischen Stringenz, die er an den Tag legte, bemerkenswert. Bei Bachs h-Moll Fuge aus dem zweiten Teil des Wohltemperierten Klaviers kam ein gepflegtes non-Legato hinzu. Auch das ein musikalischer Leckerbissen.

Schließlich Beethovens letzte Klaviersonate op. 111. Welche klanglichen, sich fast an der Grenze zur Unhörbarkeit bewegenden Universen Wypior hier im Finalsatz erschloss, lässt sich kaum beschreiben. Ohren auf lautete hier in jedem Fall die Devise. Zwar leistete sich auch Wypior einige Schleifer, doch fielen die angesichts des grandiosen Rests nicht ins Gewicht. Abgeschlossen wurde der erste Vorrunden-Vormittag schließlich durch Darbietungen von Georgy Tchaidze aus Russland und Viktoria Vassilenko aus Bulgarien.

Info

Der Wettbeweb wird heute ab 10 Uhr in der Telekom-Zentrale fortgesetzt