Sechs Kandidaten beim 17. Prix Pantheon

Fritz Litzmann alias Rainer Pause hat ein Herz für alle, die sich finanziell nach der Decke strecken müssen. Und ein ausgeprägtes Faible für Zahlenspiele.

Sechs Kandidaten beim 17. Prix Pantheon
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Bonn. Fritz Litzmann alias Rainer Pause hat ein Herz für alle, die sich finanziell nach der Decke strecken müssen. Und ein ausgeprägtes Faible für Zahlenspiele. Gesetzt den Fall, dass es heuer bei einem Banküberfall nur noch ein paar tausend Euro zu erbeuten gibt, wie viele wären dann nötig, um auf das Durchschnittsgehalt eines Managers zu kommen?

Darüber mag er sich seine Gedanken machen, während sich die ersten sechs Kandidaten des Prix Pantheon 2011 dem Urteil von Jury und Publikum stellen. Sie wollen sich ihr Preisgeld ehrlich verdienen. Was von Fall zu Fall mehr oder weniger Aussicht auf Erfolg haben dürfte.

Ob sich beispielsweise Philipp Scharri ernsthafte Chancen ausrechnen kann, hängt entscheidend davon ab, ob und inwieweit seine Reime den Geschmack seiner Zuschauer finden. Oder ob ein Vergleich wie "Würstchen und Wähler, wenn man sie zu lange stehen lässt, werden sie grün", tatsächlich genügt.

Seine Themen sind bekannt, die Pointen ebenso und waren anderswo schon geschliffener zu hören. Mag sein, dass dem gebürtigen Bonner die verständliche Nervosität in die Quere kommt. Allein Lokalmatador zu sein, wird jedoch nicht genügen. Nicht angesichts so starker Konkurrenz wie Philip Simon. Der Niederländer lebt wahlweise auf Texel oder in Berlin.

Er fragt sich, wie leicht und wunderbar das Leben doch sein muss, "wenn du nicht einmal deinem eigenen Verstand verpflichtet bist", und plädiert für das Quäntchen Verrücktheit, das den Alltag zumindest ein bisschen lustiger macht. "Einfach mal niesen und drei Sekunden später den Scheibenwischer anstellen - "die Blicke der Beifahrer sprechen für sich." Und die Sympathien im Saal gehören ihm.

Für Christoph Tiemann, Kandidat Nummer drei in der ersten Hälfte des Abends, wird die Aufgabe dadurch nicht leichter. Vielleicht liegt die spürbar verhaltene Reaktion des Publikums inklusive Jury daran, dass seine Pointen zum Teil nur Schülerniveau haben; aus der Mittelstufe, um genau zu sein. Unter Politkabarett jedenfalls versteht man gemeinhin Anderes.

Im Rennen um die begehrten Trophäen 2011 dürfte der Name Tiemann nicht unbedingt an erster Stelle stehen. "Helge und das Udo" hingegen zählen zweifelsohne zu den Favoriten. Und das mit Recht. Udo Zepezauer, "der lange Kieler mit der schnellen Zunge", und sein Comedy-Compagnon Helge Thun, "der kurze Schwabe mit der schier unendlichen Wandlungsfähigkeit", können schon angesichts der augenfälligen Unterschiede in Statur und Temperament aus dem Vollen schöpfen.

Zwar bleibt auch ihr Auftritt nicht ganz frei von Schönheitsfehlern. Doch es ist schlichtweg unmöglich, ernst zu bleiben, wenn Helge als hyperaktiver Tierdarsteller Seelöwe, Krabbe und Schildkröte imitiert und dabei Bewegungen und Gesichtsausdruck genau auf den Punkt bringt. Höhepunkt des Abends ist die Literaturecke über Tschechows Dramen, die nicht umsonst an einen Sketch von Loriot erinnert.

Da mag man dann auch großzügig sein, wenn sich die beiden mit ihren Texttafeln zum Abschlusslied bei dem Schweizer Duo "Ohne Rolf" - Gewinner des Jurypreises "Frühreif & verdorben" 2007 - bedient haben. "Der will nur spielen" heißt das Programm von Helge und Udo. Das möchte auch Sabine Domogala.

"Schwächen umarmen" heißt ihr Soloprogramm. So ließe sich bedauerlicherweise auch ihr Auftritt beschreiben. Weil eine Motivationstrainerin als Bühnenfigur nicht unbedingt die geschickteste Wahl ist. Domogalas Schwäche: Sie ist einfach viel zu nett, zu verbindlich, nicht boshaft genug. "Humor kann auch trennen", sagt die Bonnerin. In diesem Fall sie und ihre Zuhörer.

Tilman Birr, ein Frankfurter aus Berlin, tut sich als "Stadtbilderklärer" deutlich leichter. Mit einem Schiff die Spree auf und ab zu gondeln und dabei Bajuwaren wie Amerikanern zu erklären, was sie sehen (sollten), birgt Stoff für amüsante Geschichten. Die Birr, so behauptet er, unter dem Titel "Dein Führer" gesammelt hat.

Der Ton ist in diesem Fall erfrischend lakonisch, die Kostprobe macht neugierig. Was will man mehr? Vielleicht den Spielfilm "Die fabelhafte Welt der Amélie" nach Bottrop verlegen, weil einem persönlich "dieser Montmartre-Kitsch" gewaltig gegen den Strich geht. Oder wie Reinhard Mey singen. Birr kann beides. Richtig gut.