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Schauspielsaison in Bonn 2012/13: Sein oder Nichtsein zum Abschied

Schauspielsaison in Bonn 2012/13 : Sein oder Nichtsein zum Abschied

Shakespeare, Schiller und Sibylle Berg: Generalintendant Klaus Weise stellte am Dienstag die Schauspielsaison 2012/2013 vor - es ist seine letzte.

Kein Pathos, keine Larmoyanz, keine Tränen: Aufgeräumt, locker und zu Witzen aufgelegt stellte Klaus Weise am Dienstag seine letzte Schauspielsaison in Bonn vor. Der Generalintendant, der im Sommer 2013 nach zehn erfolgreichen Jahren abtreten wird, blickte kurz zurück, bevor er sich der Zukunft zuwandte. Wir leben in einem Zeitalter der Zahlen, stellte Weise fest und ließ wissen, dass zwischen September 2011 und Februar 2012 die Auslastung seines Hauses bei 79 Prozent gelegen habe: ein Erfolg, so Weise, ebenso wie die zwei Millionen Euro, die mit dem Verkauf von Eintrittskarten erlöst worden seien. Besser sei es nur 2002/2003 gelaufen.

Die gute Stimmung im Pausenbüffet der Oper wusste Weise am Dienstag noch zu steigern; denn er präsentierte einen Abschieds-Spielplan, der viel Freude macht. Zum Auftakt der Saison stemmt der Regisseur Johannes Lepper das Stück der Stücke, Shakespeares "Hamlet". Die Titelrolle wird Konstantin Lindhorst spielen, die Übersetzung stammt von Heiner Müller.

Die Theaterklassiker sind prominent vertreten: mit Heinrich von Kleist ("Der zerbrochne Krug"), Friedrich Schiller ("Die Räuber") und Gerhart Hauptmann ("Die Ratten") und Ödön von Horváth ("Kasimir und Karoline"). Das angelsächsische Theater spielt ebenfalls eine Hauptrolle, mit Tennessee Williams und seinem hierzulande weitgehend unbekannten Stück "Summer And Smoke", mit dem 1971 geborenen britischen Theaterstar Simon Stephens ("Harper Regan") sowie mit Marina Carr ("Am Katzenmoor"). Das Familienstück vor Weihnachten kommt von Charles Dickens, Barry L. Goldman wird "A Christmas Carol (Eine Weihnachtsgeschichte)" inszenieren.

Man darf sich auch auf "The Black Rider" von Robert Wilson, Tom Waits und William S. Burroughs freuen; Regie führt Matthias Kaschig. Der Chef inszeniert zweimal am eigenen Haus. Klaus Weise gönnt sich Kleists "Zerbrochnen Krug" und wartet auf ein neues Stück von Sibylle Berg, das im Dezember in der Halle Beuel das Licht der Theaterwelt erblicken soll.

Weise weiß, was er seinem Ensemble schuldig ist. "Jeder soll nach Möglichkeit tolle Rollen kriegen", hat er programmatisch erklärt. Philine Bührer und Oliver Chomik werden das Bonner Theater verlassen, neu ins Ensemble kommen Julia Goldberg, Raphaela Möst, Grégoire Gros und Dennis Pörtner. Stephanie Gräve, Chefdramaturgin in Bonn, wechselt nach dem Ende der Spielzeit nach Basel, als Stellvertreterin von Direktor Georges Delnon. Am 22. September beginnt die letzte Spielzeit in der Ära Klaus Weise, und wir dürfen uns schon jetzt auf die ersten Worte des Dramas freuen: "Wer da?" Die Antwort ist leicht: Alle, die das Bonner Theater lieben, werden im Parkett sitzen.