Silbermond begeistert Zuschauer auf dem Museumsplatz

Sängerin Stefanie Kloß gewinnt Zuhörer mit ihrem unverbrauchten Charme und sportlichem Ehrgeiz - Sprung ins Publikum inklusive

Silbermond begeistert Zuschauer auf dem Museumsplatz
Foto: Ingo Firley

Bonn. Es stimmt schon, die Open-Air-Saison 2007 auf dem Museumsplatz ist nicht die stärkste, die ganz großen Namen fehlen. Aber die Mischung stimmt und macht Spaß.

Auf Pat Metheny und Brad Mehldaus Jazz für die kleine, feine Gemeinde folgte jetzt Silbermond. Die Band aus Bautzen gehört zum Erfolgreichsten und zum Besten, was die deutsche Popszene derzeit zu bieten hat.

Also herrschte auf dem Museumsplatz drangvolle Enge, und die Leute klatschten schon im Enthusiasmus-Rhythmus, als die Musiker noch gar nicht mit ihrer Arbeit begonnen hatten. Die pechschwarzhaarige Sängerin Stefanie Kloß ist am besten mit dem Eigenschaftswort "nenaesk" beschrieben.

Aber im Unterschied zu ihrer älteren Kollegin meidet sie deren kokett pseudokindliche Diktion. Stefanie Kloß klingt jetzt bereits viel erwachsener als Nena zu ihren Anfängen. "Meer sein", erster Titel des Albums "Laut gedacht" und Auftaktnummer in Bonn, gab die Richtung vor.

Silbermond kann ein hohes Tempo gehen, Johannes und Thomas Stolle (Bass respektive Gitarre) und Andreas Nowak (Schlagzeug) spielten einen Sturm-und-Drang-Pop, der international mithalten kann. Sie können sogar Reggae.

Dazu gibt`s Texte, deren lyrische Qualität noch steigerungsfähig erscheint: "Wir könnten viel mehr sein / Lasst uns ein Meer sein." Kloß, die schnell und viel redet, erinnerte sich daran, dass sie einst als Vorgruppe von Udo Lindenberg in Bonn aufgetreten waren. Jetzt war sie der Star.

Einer, der mit unverbrauchtem Charme mit dem Publikum lockere Zwiesprache hielt: "Ihr habt euch verdammt hübsch gemacht." Als Mitglied der Spice Girls wäre Kloß "Sporty Spice" gewesen. Sie scheute auch vor dem Sprung in die Menge nicht zurück.

"Stagedive" nennen das die Engländer. In der vorwärtsdrängenden Musik wie in den traurigen Balladen können sich viele Zuhörer wiederfinden. Junge findet Mädchen, Junge verliert Mädchen, diese Grunderfahrung variiert Silbermond in vielen Songs.

Es geht rauf und runter, die Bandbreite der Emotionen reicht von "Besser, wenn du gehst" bis zu "Ich habe einen Schatz gefunden / Und er trägt deinen Namen".

Und dann feuerten sie ihr Publikum an, reklamierten Zeit für Optimisten und holten gleichsam aus uns allen das Letzte raus: "Wenn die anderen am Ende sind / fangen wir erst an." Das Programm gönnte den Musikern vielbeklatschte Solo-Ausläufe.

Einige Intermezzi, zum Beispiel das Lied "mit nur einem Akkord", zogen sich allerdings, da war die Luft ein bisschen raus aus dem Konzert. Die Band kehrte aber ganz schnell zu ihrer Normalform zurück: mit dem Hit "Symphonie".

Und dann ging es Schlag auf Schlag: mit den "Blauen Augen" von Ideal, mit "Wenn die anderen" - dazu holten sie sich viele Fans auf die Bühne.

"Das Beste" war der natürliche Höhepunkt des Konzerts, der Beifall danach war so leidenschaftlich, dass Stefanie Kloß ein paar Tränen vergoss: "Ihr seid verrückt, dankeschön." Was sollte danach noch kommen? Ein improvisierter Song mit dem schönen Refrain: "Sehen wir uns wieder?"

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Johnny Cash hätte es gefallen
Konzert in der Harmonie Bonn Johnny Cash hätte es gefallen
Aus dem Ressort