Konzert im Kölner Palladium Silbermond in Köln: Sanft, süß und schnell

Köln · Die Gruppe Silbermond verzaubert im Kölner Palladium 4000 Fans. Auf 18 Stücke setzen die Bautzener, die seit 2004 in Berlin heimisch sind, noch vier Zugaben drauf.

 Deutschpop aus Bautzen: Stefanie Kloß von Silbermond bei ihrem Kölner Auftritt.

Deutschpop aus Bautzen: Stefanie Kloß von Silbermond bei ihrem Kölner Auftritt.

Foto: Thomas Brill

Wenn eine 14-Jährige mit vor Ehrfurcht bebender Stimme sagt: „Die ist Bombe!“ Wenn ein grauhaariger Mann seine grauhaarige Frau mit einer Leidenschaft in seine Arme reißt, als hätte „Casablanca“ unversehens ein Happy-End. Und wenn verliebte Grundschüler jedes einzelne Wort von „,Das Beste“ mitsingen können. Dann kann das nur eins bedeuten: Silbermond sind in der Stadt. Mitsamt ihrer 32-jährigen Sängerin Stefanie „Steffi“ Kloß. Die tatsächlich Bombe ist. Jedes Mal. Auch Donnerstag im ausverkauften Kölner Palladium.

Die Band aus Bautzen stellt ein Phänomen dar. Ganz egal, ob Kloß, Andreas Nowak (Schlagzeug), Johannes Stolle (Bass) und Thomas Stolle (Gitarre und Klavier) vor 400 Leuten im Underground spielen, vor 4000 im Palladium oder vor 11 000 am Tanzbrunnen – es herrscht immer die gleiche Atmosphäre von Herzlichkeit. Keinen Moment hat man den Eindruck, dass hier vier Künstler agieren, die zu den erfolgreichsten im deutschsprachigen Raum gehören und die mehr als fünf Millionen Tonträger verkauft haben. Viel eher wirkt das wie ein Konzert beim Schulball, wo jeder jeden kennt.

Und während andere Bands ihren Fans gerade mal 90 Minuten gewähren, ist für Silbermond nach zwei Stunden noch längst nicht Schluss.

Auf 18 Stücke setzen die Bautzener (die seit 2004 in Berlin heimisch sind) noch vier Zugaben drauf. Kloß hat das Rotzige, Schnelle („Nichts passiert“) ebenso drauf wie das Sanfte, Süße („B96“, akustisch im Innenraum) und glockenklar phrasierte Fragen wie „Ist das nicht menschlich, allzumenschlich?“ kommen bei ihr keineswegs banal, sondern zutiefst verständnisvoll und philosophisch daher. Während sie Hit um Hit rausballert – bei inzwischen fünf Studioalben herrscht daran fürwahr kein Mangel – und so viel Energie, wie ein Kraftwerk ausstrahlt, fragt man sich, was sie eigentlich nicht kann. Die Antwort gibt Kloß dann selbst. Wenn sie sich an einer Zeile von „Drink doch ene mit“ versucht. Das mit dem Kölschreden sollte sie lieber lassen. Bei aller Liebe.

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