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Konzert in der Harmonie: So war der Auftritt von Skinny Molly in Endenich

Konzert in der Harmonie : So war der Auftritt von Skinny Molly in Endenich

Knochentrockener Südstaaten-Rock wurde in der Endenicher Harmonie geboten: Skinny Molly aus Nashville gaben ein Konzert mit eigenen Nummern und Klassikern.

Die Gitarren krachen, der Bass wummert, das Schlagzeug hämmert, und eine raue, dunkle Stimme schmettert druckvollen Südstaaten-Rock in die Harmonie. Im Hintergrund gibt die Flagge mit dem Totenkopf und dem Konföderiertenhut die Marschrichtung vor, will die Musik knochentrocken und unbeugsam sein, mit Country- und Blues-Elementen und jeder Menge roher Kraft. Klingt soweit alles ganz gut. Doch irgendwie sind Skinny Molly nicht präsent, wirken müde, mitunter gar gelangweilt. Jet Lag, könnte man meinen, wäre die US-Band um Frontmann Mike Estes nicht schon seit einigen Tagen in Deutschland und sollte sich inzwischen akklimatisiert haben. Aus irgendeinem Grund ist der Tank aber leer, der Rock zwar da, aber das Feuer auf Sparflamme.

Dabei hat das Quartett eigentlich alles, was es für ein gutes Konzert braucht. Estes, der von 1993 bis 1996 Gitarrist bei Lynyrd Skynyrd war und bis heute von diesen drei Jahren zehrt, ist eine Rampensau mit bemerkenswertem Organ, der sich mit seinem Kollegen Jay Johnson immer wieder in brachial-routinierte, wenn auch nicht übermäßig innovative Solo-Battles stürzt, während Bassist Luke Bradshaw aus den Schatten heraus agiert und es Jungspund Kyle Law überlässt, mit präzisen Drums das Tempo vorzugeben.

Einen Großteil des Programms nehmen natürlich die eigenen Songs ein, die Comic-Strip-Hymne „Judge Parker“ zum Beispiel oder das groovende „Snakebit“. Doch den größten Anklang finden Skinny Molly dann, wenn sie sich bei den Klassikern bedienen. Frees „Wishing Well“ klingt denn auch wunderbar rau, „Sweet Home Alabama“ dagegen leider ein bisschen unkoordiniert. Ausgerechnet der Lynyrd-Skynyrd-Superhit, den vor allem Estes besser kennen sollte als seine eigene Westentasche. Doch die Luft ist einfach raus. Ein letztes Aufbäumen, noch ein finales „Free Bird“, dann ist Schluss, nach noch nicht einmal zwei Stunden. Ein bisschen mehr Leidenschaft hätte man schon erwarten können, jenen Funken, der den Rock zum Brennen bringt.