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Ausstellung in der Galerie Andreae: Spannungsvolles Generationentreffen

Ausstellung in der Galerie Andreae : Spannungsvolles Generationentreffen

Die Galerie Andreae präsentiert Werke von Hildegard Elma und Julia Gruner. Die beiden Künstlerinnen trennt eine Generation, und sie arbeiten ganz unterschiedlich. Doch haben sie Vieles gemeinsam.

Für ihre aktuelle Ausstellung hat Galeristin Judith Andreae zwei Künstlerinnen eingeladen, die aus verschiedenen Generationen kommen, vollkommen anders arbeiten und dennoch Vieles gemeinsam haben. Dazu gehört das Bedürfnis, die Facetten einer künstlerischen Fragestellung durchzuspielen und einer Spur mit langem Atem zu folgen.

Was passiert, wenn ich die Versuchsanordnung variiere, die Farbe etwas mehr verdünne, einen anderen Pinsel wähle, das Papier wechsle? Diese systematische, beinahe wissenschaftlich anmutende Arbeitsweise ist dennoch zutiefst künstlerisch, denn sie ist nur sich selbst gegenüber verantwortlich und lässt Raum für den kreativen Zufall. Diese Vorgehensweise verbindet Hildegard Elma und Julia Gruner und ist vielleicht auch ein Grund dafür, dass in der gemischten Hängung harmonische und spannende Querverweise auftauchen.

Elma, die in Stuttgart sowohl ein Studium der Musik als auch der Malerei absolviert hat, arbeitet „im Dienst der Farbe“, wie sie selbst sagt. Für ihre großformatigen Aquarelle verwendet sie zwei Blautöne, Indigo und Ultramarin, sowie zwei Rottöne, Magenta und Alizarin-Karmesin. Mit ausholenden Bewegungen – eine Armlänge als Maß – streicht sie mit kontrolliertem Pinselstrich über das Papier und überzieht die Oberfläche langsam und stetig mit Wiederholungen langer Farbbahnen. Dabei variieren, je nach Bild, nicht nur die Farben und deren Kombinationen, sondern auch die Abstände zwischen den Farbbahnen, der Andruck des Pinsels und vieles mehr. Angesprochen auf die Frage, ob sie sich vorstellen könne, weitere Farben außer Blau und Rot in ihre Palette aufzunehmen, antwortet Elma, dass sie bereits mehr als genug damit zu tun habe, die unendlichen Möglichkeiten zweier Farben künstlerisch auszukundschaften. So erweist sich die selbst auferlegte Reduzierung der Formensprache nicht als Hindernis, sondern als Chance.

Kissenartige Objekte

Das gilt in ähnlicher Weise für Julia Gruner, eine Meisterschülerin von Katharina Grosse und um eine Generation jünger als ihre Ausstellungspartnerin. Die Farbe ist auch für Gruner das zentrale Thema und zwar in einem sehr materiellen Sinn. In der Ausstellung zeigt sie eine Reihe ihrer „Lazy Paintings“, für die sie Acrylfarbe Schicht um Schicht so lange aufbaut, bis sie ohne Trägermaterial auskommt und wie eine Folie benutzbar wird. Aus dieser Farbfolie werden große kissenartige Objekte gefaltet und mit Luftpolsterfolie gefüllt. Diese liegen nun, in leuchtendem Zinnoberrot, in zartem Rosé oder in hellem Blau am Boden und sprengen, zerknautscht und opulent, den Rahmen dessen, was man mit Farbe und Malerei verbindet.

Auch in ihren Tafelbildern arbeitet  Gruner mit vielen Farbschichten. Nicht umsonst heißt die Serie „phobic encounters“ – also feindselige Begegnungen –, denn hier treffen Acryl- und Ölfarbe aufeinander, trocknen unterschiedlich lange und reißen unkontrollierbar ein. Diese Farbhäute werden auf Holz aufgezogen, wobei die unterste Malschicht nun die Vorderseite bildet, hinter der in musterartigen Rissen die älteren Farbschichten auftauchen.

Galerie Judith Andreae, Bachhöfe, Paul-Kemp-Straße 7, bis 4. September. Mi 10-18, Do, Fr 14-18 und Sa 11-15 Uhr und nach Vereinbarung.