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Stefan Bachmann: "Angst ist ein schlechter Ratgeber"

Stefan Bachmann: "Angst ist ein schlechter Ratgeber"

Kölns designierter Schauspielintendant sprach über seine Prinzipien und Pläne. Ein wie in Köln exzellent aufgestelltes Haus mache es leicht, gute Leute zu holen.

Köln. Am Freitag stellten Oberbürgermeister Jürgen Roters und Kulturdezernent Georg Quander den Schweizer Stefan Bachmann (45) als designierten Kölner Schauspielchef vor. Danach sprach Hartmut Wilmes mit Bachmann.

General-Anzeiger: Der Kulturdezernent erwartet von Ihnen Kontinuität im Niveau des Kölner Schauspiels und einen inhaltlichen Neuanfang. Haben Sie angesichts von Karin Beiers Erfolgen nicht Angst, weniger Ernennungen zum "Theater des Jahres" zu erringen?

Stefan Bachmann: Nein, Angst ist immer ein schlechter Ratgeber. Vielleicht sind die jetzigen Titel kaum zu toppen, andererseits entscheidet sich der Erfolg nicht allein daran, was "Theater heute" schreibt. Sondern er liegt auch in dem, was ein Theater in der Stadt bewirkt.

Natürlich lässt sich immer leicht punkten, wenn ein Theater am Boden liegt - das war so, als ich 1998 Schauspielchef in Basel wurde. Andererseits macht es ein exzellent aufgestelltes Haus, wie ich es hier vorfinde, auch leicht, gute Leute zu holen. Und da sich die Wege von Karin Beier und mir immer mal gekreuzt haben, wird die Übergabe sehr kollegial verlaufen.

GA: Ihre Baseler Intendanz endete 2003, danach waren Sie zuerst auf Weltreise und dann als freier Regisseur tätig. Wieso wollen sie jetzt wieder Intendant sein?

Bachmann: Als ich in Basel begann, war ich mit 32 der jüngste Theaterleiter im deutschsprachigen Raum. Ich hätte dort verlängern können, brauchte diese zehn Jahre aber, um für mich einiges nachzuholen. Ich habe zwar danach mit Intendanzen hier und dort geflirtet, aber erst jetzt in Köln hat mir der Bauch gesagt: Hier stimmt es.

GA: Wobei es ja gerade wieder ein Millionendefizit an den Bühnen gibt. Empfinden Sie das als Belastung?

Bachmann: Ehrlich gesagt halte ich das im Moment von mir fern. Es betrifft mich jetzt nicht, und ich habe es schon im Vertrag drin, dass ich keine Schulden erbe. Die jetzigen Intendanten müssen sich also irgendwie einigen.

GA: Sie starten Ihre Intendanz im Interim, und das Ausweichquartier Expo XXI soll Ende 2013 abgemietet werden. Ein Problem?

Bachmann: Das Interim selbst kann eine Chance sein. Aber ich möchte nicht ausschließlich durch die Stadt tingeln. Ich bin seit Sommer dabei, ein neues Hauptquartier zu finden, eventuell in einem nicht so an Theater gewöhnten Bezirk. Es sieht so aus, als ob das etwas sehr Schönes werden könnte.

GA: Was kann Köln von Ihnen erwarten?

Bachmann: Ich finde schon, dass Theater verschiedenartig sein soll. Natürlich werde ich das Haus durch meine Regiehandschrift prägen, wobei ich ja einem erzählerischen Theater vertraue. Andererseits habe ich mich bemüht, das Theater für jeden Stoff gewissermaßen wieder neu zu erfinden. Als Sklave einer bestimmten Form würde ich mich langweilen und will auch andere spannende Ansätze zulassen. Ich glaube, alles ist gut, wenn der Kerngedanke standhält.

GA: Wann ziehen Sie nach Köln?

Bachmann: Da ich eine Frau und drei schulpflichtige Kinder habe, liegt das nicht nur an mir. Aber es ist geplant, dass die Familie im nächsten Sommer umzieht.

GA: Ihre Frau Melanie Kretschmann ist eine profilierte Schauspielerin. Sie wird hier zum Ensemble gehören, oder?

Bachmann: Ja. Wobei sie eben auch meine wichtigste künstlerische Mitarbeiterin ist.

Zur PersonStefan Bachmann, geboren am 1. Juli 1966 in Zürich, hat seine Karriere unter anderem mit einigen Erfolgreichen Inszenierungen in Bonn begonnen. Als Theaterchef arbeitete er bis 2005 in Basel. In Köln soll er einen fünfjährigen Intendantenvertrag erhalten.