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Schauspieler und Liedermacher: Stefan Jürgens tritt in der Endenicher Harmonie auf

Schauspieler und Liedermacher : Stefan Jürgens tritt in der Endenicher Harmonie auf

Der beliebte Schauspieler und Musiker Stefan Jürgens kommt am 11. Dezember in die Harmonie. Im Gepäck hat er Stand-up-Comedy, Gedichte und Songs von seinen letzten beiden Alben. Wir haben vorab mit ihm gesprochen.

Es war ein gutes Jahr für Stefan Jürgens. Ja, doch, ein gutes Jahr, trotz der Corona-­Nachwehen in all ihren Facetten und trotz des Abschieds von der Krimiserie „SOKO Wien“, die ihm seit 2007 ein Zuhause war. Erstmals seit 30 Jahren hat der Schauspieler und Musiker wieder Theater gespielt, die Hauptrolle in Carl Zuckmayers „Des Teufels General“, für die er erst vor wenigen Tagen mit dem österreichischen Theaterpreis „Nestroy“ ausgezeichnet wurde; dann konnte er nach 25 Jahren ein einmaliges Wiedersehen mit der einstigen Chaos-Truppe der Comedyshow „RTL Samstag Nacht“ genießen; und zu guter Letzt hat er mit „So viele Farben“ sein inzwischen siebtes Album veröffentlicht. Mit der dazugehörigen Tour, in die auch noch ein paar Termine zu „Was zählt“ eingebaut wurden, kommt der 59-Jährige nun auch in die Bonner Harmonie.

„So viele Farben“ führt den Gedanken des Vorgänger-Albums „Was zählt“ weiter: „Letzteres ist 2019 entstanden, in einer Zeit noch vor Corona, in der wir nur noch atemlos durchs Leben hasteten“, sagt Stefan Jürgens im Interview mit dem ­­General-Anzeiger. „Ich wollte dieser Hektik den Aufruf entgegensetzen, sich wieder auf das Wesentliche zu konzentrieren, also auf das, was zählt. Daran knüpft das neue Album an, das aber zugleich eine Art ­­Best-of in reduzierter, rein akustischer Form ist.“ Ein Appell an mehr Ruhe also? „Nein, ein Appell an und für das Leben“, so Jürgens. „Vor allem in Deutschland wird gerne gejammert, dabei geht es uns hierzulande doch noch vergleichsweise gut. Wir müssen uns das nur wieder bewusst machen.“

„Als Liedermacher muss man Farbe bekennen“

Inhaltlich wie auch musikalisch stellt sich Stefan Jürgens ganz bewusst in die Tradition der amerikanischen Singer-Songwriter, der französischen Chansonniers und der deutschen Liedermacher. „Ich würde da gar nicht differenzieren wollen“, sagt er. „Im Kern geht es doch darum, Geschichten zu erzählen, und zwar möglichst eigene. Als Liedermacher muss man Farbe bekennen.“ Auch wenn die Texte dann mal gesellschaftskritisch werden. „Das gehört für mich dazu, diesem Anspruch darf man sich nicht entziehen. Mich hat die Lust am Texten erfasst, als ich 15 oder 16 Jahre alt war, und damals wie heute wollte ich auf diese Weise Haltung beziehen.“ Und sich zum Teil auch einfach selbst verstehen. „Beim Theater wie auch beim Musik­schreiben geht es immer auch um die Notwendigkeit der inneren Auseinandersetzung mit sich selbst“, erklärt Jürgens. „Deshalb war die Rolle des Fliegergenerals Harras so reizvoll für mich, abgesehen natürlich von der grandiosen Sprache Zuckmayers, die ich neu entdecken durfte. Und deshalb liebe ich auch die Musik. Das Verrückte ist, dass ich eigentlich ein schüchterner Mensch bin, der nicht gerne etwas von sich preisgibt. Wenn ich jedoch Songs schreibe, ist das komischerweise nie ein Problem.“

Im Großen und Ganzen zeigt sich Jürgens „demütig und dankbar“, dass er seinen verschiedenen Leidenschaften weiterhin nachgehen kann. „Ich habe das große Privileg, in den vergangenen 35 Jahren nie arbeitslos gewesen zu sein, sondern immer ein Engagement gehabt zu haben“, sagt er. „Das ist alles andere als selbstverständlich in der Kultur, das ist mir sehr wohl bewusst.“ Gleichzeitig hat dies dazu geführt, dass die Musik lange Zeit stiefmütterlich behandelt wurde. „Ich bin ja fast so was wie ein Spätzünder“, scherzt er, „mein erstes Album habe ich veröffentlicht, als ich 40 war. Deshalb trägt es auch den Titel ‚Langstreckenlauf‘.“ Seitdem ist das Verhältnis zwischen Schauspiel und Musik zunehmend in die ­­Waage gekommen, auch auf der Bühne. „Bei meinen Auftritten werde ich neben meinen Songs auch ein paar Gedichte aus meinem Lyrik-Band präsentieren und auch ein bisschen Stand-up-Comedy machen“, verspricht Jürgens, der in Bonn seinen Jahresabschluss feiert. „Danach gönne ich mir erst einmal eine kleine Auszeit, aber schon im Frühling geht die Tour weiter; ab April stecke ich dann in einer größeren Theaterproduktion, zu der ich derzeit aber nicht mehr sagen kann; und im Herbst drehe ich wieder einen Film. Ach ja, und natürlich werde ich neue Songs schreiben, weil ich 2023 auf jeden Fall noch ein neues Album veröffentlichen möchte. Ich bin halt gerade im Flow.“ Klingt gut.

Termin: 11. Dezember, 19 Uhr, Harmonie. Tickets erhalten Sie bei allen bekannten Vorverkaufsstellen