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Studio Beethovenhalle zeigt Musiktheater für junge Leute

Studio Beethovenhalle zeigt Musiktheater für junge Leute

Reihe "Bobby Klassik" bringt Kurt Weills Kurzoper "Down in the valley" auf die Bühne

Bonn. Es ist eine zu Herzen gehende Geschichte, die sich da im Amerika der Gründerzeit abspielt. Eine Geschichte von Liebe, Widerständen, von Mord und Treue über den Tod hinaus.

Stoff für eine üppige, romantische Oper ließe sich daraus weben. Kurt Weill, dem Schöpfer der "Dreigroschenoper", wäre das zu kulinarisch gewesen. Seine Kurzoper "Down in the valley", entstanden 1948, präsentiert die Geschichte von Jennie Parsons und Brack Weaver als Ballade mit Zeitsprüngen und rasch wechselnden Szenen. Als erstes in der Reihe der Jugendopernprojekte von "Bobbys Klassik" wurde das Stück jetzt im Studio der Beethovenhalle aufgeführt.

"Drunten im Tale ist es geschehen" singt der (chorische) Erzähler zu Beginn, und die Jugendchöre "Sunday Morning" aus Holzlar und "Kid's Klassik" aus Wuppertal, verstärkt durch Gastsänger, erfüllten den dichten Chorsatz mit schöner Intensität. Was ist geschehen? In einem Dorf "unten im Tale" finden Jennie Parsons und Brack Weaver zueinander.

Doch ihr gemeinsames Glück währt nur kurz. Brack ersticht, mehr aus Versehen als aus Absicht, den schmierigen Thomas Bouché während eines Handgemenges. Brack wird zum Tode verurteilt. Kurz vor der Hinrichtung flieht er, aber nur, um Jennie ein letztes Mal zu sehen und sich ihrer ewigen Treue zu versichern.

Die titelgebende Melodie von "Down in the valley" dient, je nach Stimmungslage anders gefärbt, als leicht verständliches Leitmotiv, mal in bedrückendem Moll (als Brack im Gefängnis auf einen Brief von Jennie wartet), mal bedrohlich und ahnungsvoll (beim Auftritt von Bouché) oder zuversichtlich (im Schlusschor). Weills Musik klingt nicht so zugespitzt und pointiert wie etwa in der "Dreigroschenoper".

Amerikanische Folksongs als Ausgangsmaterial geben ihr den typischen "Western"-Sound, daneben stehen glamouröse Pracht, musicalhafter Schwung, Sentimentales oder Bildhaftes, etwa wenn eine Eisenbahn durch die Szene dampft und rattert. Weill scheut auch vor ergreifenden Arien nicht zurück. Das letzte Wiedersehen zwischen Jennie und Brack etwa komponiert er als Duett, das auch einer Oper gut angestanden hätte.

Von Katharina Greiß-Müskens und Marco Agostini wurde es sehr einfühlsam und bewegend gestaltet. Andreas Heichlinger gab den Fiesling Thomas Bouché ebenso prägnant wie Xavier Zapata Vera gleich vier Rollen (Erzähler, Priester, Tanzmeister und Vater von Jennie). Leider wurden die Sänger (obwohl mit Headmikros) gelegentlich vom Orchester zugedeckt, was aber in dem Raum kaum befriedigend zu lösen ist.

Der Chor sang rund und ausgewogen und entwickelte reichlich Spiellaune, durfte Squaredance tanzen und gottgläubige Messbesucher mimen. Das Beethoven Orchester ließ es unter der motivierenden Leitung von Thomas Honickel an Spielwitz und Klangpracht nicht mangeln. Konzertmeister Radu Janai setzte einmal sogar den Cowboyhut auf und heizte im Saloon mit Tanzmusik ein.