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Halle Beuel: Teil eins von Shakespeares Königsdramen feiert Premiere

Halle Beuel : Teil eins von Shakespeares Königsdramen feiert Premiere

Warum liegt die Krone dort", fragt Heinrich V., "wie eine Schlampe, die nur Ärger macht?" Der Thronfolger muss es wissen, gehört er doch zu der langen Reihe von englischen Königen, die im 14. und 15. Jahrhundert eine Menge Ärger mit der Krone hatten.

Die Welt ist eine Mördergrube in den Königsdramen von William Shakespeare, und es ist mittlerweile gute Theatertradition, die Kontinuität der Gewalt durch eine Zusammenfassung der Rosenkriegsdramen darzustellen.

Die bekannteste Version ist wahrscheinlich der zwölfstündige "Schlachten!"-Marathon, den Luk Perceval 1999 in Salzburg und Hamburg inszenierte. Am Bonner Schauspiel bringen Neuübersetzer Thomas Melle und Regisseurin Alice Buddeberg die Prozession der Thron- und Kronräuber in zwei Teilen auf die Bühne der Halle Beuel: Teil eins der Königsdramen feierte unter dem Titel "Träume" seine Premiere zum Auftakt des Theaterkongresses "Save the World". Teil eins, das sind "Richard II", "Henry IV" und "Henry V" in dreieinhalb Stunden.

Grob geschätzt, ist der Stoff auf ein Drittel des Originals zusammengestrichen, dem Personeninventar geht es noch mehr an den Kragen: Da bleiben von gut und gern 100 Figuren, die sich bei Shakespeare auf der Bühne tummelten, gerade mal zwölf übrig. Zweifellos werden auf diese Weise Aufstieg und Fall der Monarchen übersichtlicher, der stete Kreislauf von Machterwerb und Machtverlust besser nachzuvollziehen.

Zumal Melles treffsichere Sprache so bildhaft wie möglich und so klar wie nötig daherkommt. Doch leider wird auch das komplexe Beziehungsgeflecht der Figuren durch die radikale Verkürzung so überdehnt, dass sich einige unlogische Brüche auftun und das Muster nur noch verstümmelt zu sehen ist. Persönliche Entwicklungen beleuchtet die Inszenierung nur in wenigen Schlaglichtern - alles dazwischen muss man sich selbst zusammenreimen.

Im Krieg aller gegen alle ist der Einzelne sowieso austauschbar, das suggerieren die großen Maskenköpfe, mit denen sich das Ensemble in pantomimischen Szenen unkenntlich macht. Sandra Rosenstiels Bühne ist ein leeres, hell ausgeleuchtetes Halbrund, hinter dem eine Wand horizontaler Holzlatten aufragt.

Hier drücken die Schauspieler die Bank, wechseln bei Bedarf das Kostüm und warten ab, bis sie wieder an der Reihe sind. Zunächst beherrscht Daniel Breitfelder als exaltierter Zierkönig Richard II. das Geschehen. Zwar ist alles an ihm Pose, aber er zelebriert sein hohles Herrschergebaren mit einer Virtuosität, die alle anderen Figuren zu Stichwortgebern seiner Launen macht.

Mit blonder Langhaarperücke, Union-Jack-verzierten Boxershorts und einem hundeähnlichen Handpuppentier genießt Breitfelder sein großes Solo: kindisch, albern, berechnend, realitätsfremd, impulsgesteuert, zum Scheitern verdammt. Nach seinem gewaltsamen Tod im Gefängnis ersteht er in der Rolle des Falstaff wieder auf: ein genialer Übergang zum nächsten Königsdrama-Stückchen "Henry IV" und ein Beispiel für das Formbewusstsein, mit dem Buddeberg jedes einzelne Arrangement plant.

Breitfelders Falstaff funktioniert nicht ganz so gut wie sein Richard: An die Stelle des fassförmigen Großmauls ist eine Tuntenkarikatur getreten, die die wenigen komischen Nummern, die von Shakespeares deftigem Volkshumor übrig geblieben sind, zur schrillen Farce verzerrt.

Doch unterm Strich liefern die Schauspieler eine tolle Vorstellung: Sören Wunderlich als kalter Vernunftmensch Henry IV., Alois Reinhardt als kompromissloser Heißsporn Percy, Robert Höller als streberhafter Günstling Aumerle und tänzelnder Dauphin. Mareike Hein hat in ihren auf das Allernötigste reduzierten Königinnenparts an diesem Männerabend kaum etwas zu melden. Hajo Tuschy dagegen darf sich im Generationenkonflikt mit seinem Vater vom Playboy-Prinzen zum starken König wandeln.

Er kann nichts dafür, dass sich sein Auftritt als Henry V. in der letzten halben Stunde der Inszenierung ins Unendliche zieht. Auf dem Schlachtfeld von Azincourt wird wie zuvor auch geschrien, geröchelt, gezuckt und mit Blut gespritzt - aber wenn der König seine St-Crispins-Ansprache in Endlos-Schleife wiederholt und die Toten zum dritten Mal wieder aufstehen, möchte man selbst erschöpft die Friedensfahne schwenken.

Zum Glück wartet draußen vor der Tür Gratis-Nervennahrung: Die klimaneutral produzierte und fair gehandelte Schokolade füllt die Energiereserven wieder auf und ist garantiert nicht königsmörderisch vergiftet.

Info

Die nächsten Aufführungen: 10., 11., 15. und 19. Oktober, 8. und 22. November. Karten gibt es in den Bonnticket-Shops der GA-Zweigstellen.