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Neue Spielzeit 2021/2022: Theater Bonn: Lockerungen für Künstler und Publikum

Neue Spielzeit 2021/2022 : Theater Bonn: Lockerungen für Künstler und Publikum

Generalintendant Bernhard Helmich: „Wir können unser Theater wieder ausverkaufen.“ Das Programm von Oper und Schauspiel

Nach langen Monaten corona­bedingter Einstellung des regulären Spielbetriebs lautet die zentrale Botschaft, die das Theater Bonn aussendet: „Wir können unser Theater ausverkaufen!“ Der Generalintendant der Bonner Bühnen, Bernhard Helmich, der die Nachricht am Donnerstag bei der Vorstellung der neuen Saison verkündete, hatte noch eine weitere parat: „Wir können richtiges Theater ohne alle Einschränkungen machen.“ Die Abstandsregeln auf der Bühne wie im Zuschauerraum sind erst einmal Geschichte. Nicht einmal Masken müssen die Zuschauer an ihren Plätzen mehr tragen. Lediglich der 3-G-Nachweis ist erforderlich. Für die erste Premiere der Saison, die am Sonntag mit dem Musical-Thriller „Chicago“ über die Bühnen gehen wird, bedeutet die kurzfristige Lockerung: Es gibt noch Karten. „Wir waren überrascht von dem Richtungswechsel bei der Coronaschutzverordnung, die ich so nicht erwartet hätte“, ergänzte der Kaufmännische Direktor Rüdiger Frings.

In den vergangenen Monaten hat sich so einiges an Produktionen aufgestaut. Denn hinter den Kulissen wurde trotz Corona fleißig weiter an neuen Produktionen gearbeitet, die – zum Teil jedenfalls – nun auf die Bühne drängen. „Wir haben drei Premieren mehr als üblich“, sagte Helmich. Mit der ersten echten Opernpremiere wollen sie dem Publikum auch gleich einen opulenten Operngenuss bieten: Am 2. Oktober betritt Richard Strauss’ „Arabella“ die Bonner Opernbühne, musikalisch angeführt von Bonns Generalmusikdirektor Dirk Kaftan. „Das Orchester freut sich wahnsinnig darauf“, sagte Kaftan. Er zeigte sich im Zuge der Lockerungen erleichtert darüber, dass sie nun „Arabella“ nicht in einer Coronafassung „mit Streichquartett und E-Gitarre“ anbieten müssten.

Oper im Fokus 33

Ein echter Schwerpunkt nicht nur für die kommende Spielzeit ist die Auseinandersetzung mit vergessenen Werken aus dem ersten Drittel des 20. Jahrhunderts. Operndirektor Andreas K.W. Meyer hat da schon in der Vergangenheit häufig einen guten Riecher bewiesen (Stichwort: „Oberst Chabert“). Nun stellt er zum Saisonende Clemens von Franckensteins „Li-Tai-Pe“ zur Diskussion. Doch die über drei Jahre vom Land NRW geförderte Reihe „Fokus 33“ will auch Querverbindungen aufzeigen. So gehört die einst beliebte Oper „Ein Feldlager in Schlesien“ des unter den Nazis verbotenen Komponisten Giacomo Meyerbeer ebenso in diesen Kontext wie Rolf Liebermanns „Leonore 40/45“ und sogar Strauss’ „Arabella“, die sozusagen die Gegenposition zur vom Regime verfemten Kunst markiert. Darüber hinaus gibt’s noch eine Neuinszenierung von Engelbert Humperdincks „Hänsel und Gretel“. Giuseppe Verdi ist mit „Don Carlos“ und „Ernani“ gleich zweimal vertreten, und von Gioachino Rossini wird es „La Cenerentola“ geben. Der Münchner Komponist Moritz Eggert kehrt mit der Familienoper „Iwein Löwenritter“ an die Bonner Oper zurück.

„Wir haben in den letzten anderthalb Jahren nur sechs Wochen spielen dürfen“, rechnete Schauspielchef Jens Groß vor. Klar, dass sich auch da eine Menge Stoff gestaut hat: Insgesamt 21 Premieren wird es in den kommenden Monaten geben, davon fünf Uraufführungen. Es wird Klassiker in Bearbeitungen geben, wie Friedrich Schillers „Maria Stuart“ in einer neuen Version von Peter Licht, und Klassiker im Original wie Groß’ eigene Inszenierung von Heinrich von Kleists „Der zerbrochne Krug“.

Brücken bauen

Das inoffizielle Motto der Spielzeit lautet nach Groß: „Brücken bauen“. Dabei geht es um die Auseinandersetzung mit aktuellen Themen wie Klimawandel und Nachhaltigkeit, Wirtschaftskrisen und Migration. Wie das funktioniert, soll etwa Simon Solbergs theatrale Umsetzung von Maja Göpels Sachbuch „Unsere Welt neu denken“ zeigen, die am 10. September Premiere haben wird. Das Stück „Angst“, das Regisseur Volker Loesch gemeinsam mit Lothar Kittstein und Ulf Schmidt erarbeitet, soll den Diskurs ebenso vorantreiben wie die Bühnenversion von Hans Falladas „Kleiner Mann, was nun?“. 

Auch die junge Generation haben sie am Theater im Blick. Anfang kommenden Jahres zeigt Solberg Lewis Carrolls „Alice im Wunderland“. Und gleich zu Beginn der Spielzeit, an diesem Samstag, heißt es auf dem Außengelände der Beueler Werkstätten: „Hier kommt keiner durch!“, eine Bilderbuchadaption mit Musik von Gordon Kampe.