Schauspielhaus und Werkstatt Diese Premieren gibt es 2024/25 am Theater Bonn zu sehen

Service | Bonn · Das Theater Bonn hat die Spielzeit 2024/25 vorgestellt. Im Schauspielhaus und auf der Werkstattbühne gibt es ein Kaleidoskop der Gefühle zu sehen. Viel Wut, viele Katastrophen – aber auch kleine Hoffnungsschimmer. Ein Überblick der Premieren.

Ist in der Spielzeit 2024/25 erneut auf der Bühne im Schauspielhaus zu sehen: „Woyzeck“ in der Inszenierung von Sarah Kurze.

Ist in der Spielzeit 2024/25 erneut auf der Bühne im Schauspielhaus zu sehen: „Woyzeck“ in der Inszenierung von Sarah Kurze.

Foto: Sandra Then

Es beginnt mit einer der größten Bedrohungen unserer Zeit. Der Blick geht in die Zukunft, ins Jahr 2050. Die Weltbank prognostiziert bereits heute, dass dann 216 Millionen Menschen auf der Flucht sein werden. Auf der Flucht vor dem Klimawandel, vor Hitze, Dürre, Überschwemmungen und Hunger. Es wird sie von der Südhalbkugel in den globalen Norden treiben. Doch wie reagieren Europa und Deutschland auf diese Entwicklung? Eine Antwort will die Uraufführung von „216 Millionen“ (13. September, Schauspielhaus) geben, geschrieben vom Bonner Autor Lothar Kittstein, inszeniert von Regisseur Volker Lösch.

Das Stück bildet den Auftakt zur kommenden Spielzeit am Theater Bonn. 15 Premieren stehen auf dem Programm. Sie wollen sich mit den drängenden Themen und Fragen von heute beschäftigen. Und so ist es kaum verwunderlich, dass sich ein Großteil der Produktionen um tragische Schicksale und zaghafte Hoffnungsschimmer dreht.

Viele Regisseurinnen kehren erneut ans Theater Bonn zurück

Da wäre etwa „Fremd“ (14. September, Werkstatt) in der Inszenierung von Emel Aydogdu. Ihr Debüt in Bonn gab sie im vergangenen November mit „Wir wissen, wir könnten, und fallen synchron“, jetzt kehrt sie mit einer weiteren Buchadaption zurück. Basierend auf der Autobiografie des deutsch-französischen Publizisten Michel Friedman erzählt die junge Regisseurin eine Geschichte von Heimatlosigkeit, Fremdsein und dem Trauma einer jüdischen Familie.

Haben die Spielzeit 2024/2025 vorgestellt: (von links) Dirk Kaftan, Polina Sandler, Carmen Wolfram und Bernhard Helmich.

Haben die Spielzeit 2024/2025 vorgestellt: (von links) Dirk Kaftan, Polina Sandler, Carmen Wolfram und Bernhard Helmich.

Foto: Annabell Dornieden

Von Angst und Traumata handelt auch die Premiere von „Wie man nach einem Massaker humanistisch bleibt in 17 Schritten“ (22. September, Schauspielhaus Foyer). Die Inszenierung von Jula Marie Kühl, die bisher als Regieassistenz am Theater Bonn arbeitete, basiert auf einem Text von Maya Arad Yasur. Die israelische Autorin verarbeitet darin den brutalen Überfall der Hamas vom 7. Oktober 2023 und stellt die Frage: Wie gelingt angesichts des Israel-Krieges, angesichts grausamer Bilder in den Medien, eine individuelle und kollektive Humanität?

Politisch wird es auch in der Premiere von „Am Königsweg“ (24. Januar 2025, Schauspielhaus) nach Elfriede Jelinek. Den Text schrieb die preisgekrönte Autorin im Jahr 2016, am Abend als Donald Trump zum US-Präsidenten gewählt wurde. Ein Ereignis, das sich zu wiederholen droht. Regisseurin Katrin Plötner verhandelt in ihrer Inszenierung, ob die Demokratie verloren ist – oder es noch Hoffnung gibt. Letztere steht auch im Zentrum von „Glaube Liebe Hoffnung“ (8. November, Schauspielhaus) nach Ödön von Horváth. Die Handlung: Eine junge Frau bietet ihren Leichnam bereits zu Lebzeiten zum Verkauf an. Wie kann das sein? Die Regie übernimmt Julia Hölscher.

Im Schauspielhaus sind Dramen und Wut zu sehen

In eine ähnliche Richtung geht „Alles, was wir geben mussten“ (7. März 2025, Werkstatt). Hanna Müller inszeniert Kazuo Ishiguros Roman über ein Elite-Internat, in dem Jugendliche ein vermeintlich harmloses Leben führen. Doch der Schein trügt. Sie alle wachsen als Klone heran, die ihre Organe später einmal an die „echten Menschen“ in der Außenwelt spenden sollen.

Wut im Doppelpack gibt es mit der Uraufführung „Kohlhaas (Can’t Get No Satisfaction)“ (14. Februar 2025, Schauspielhaus) und der Premiere von „Die Hand ist ein einsamer Jäger“ (17. Januar 2024, Werkstatt). Erstere überschreibt Heinrich von Kleists Novelle über den Pferdehändler Kohlhaas mit einer modernen Fassung (Regie: Rebekka David). Letztere stellt den weiblichen Körper in den Mittelpunkt, bietet eine Kampfansage an veraltete Schönheitsideale und patriarchale Unterdrückung. Die Regie übernimmt Sarah Kurze, deren Inszenierung von „Woyzeck“ zudem zur Wiederaufnahme kommt.

Von der Wut zur Komik geht es mit „Amphitryon“ (20. September, Schauspielhaus) nach Molière. Es geht um Identität in Gestalt eines antiken Mythos, um ein Liebesspiel aus Schein und Sein. Für Regisseur Martin Laberenz ist es nach Erich Kästners „Fabian“ die zweite Arbeit am Theater Bonn. Ein weiterer Klassiker: „Don Quijote“ (7. November, Werkstatt). Die tragikomische Geschichte des unerschütterlichen Ritters im Kampf gegen die Windmühlen inszeniert in Bonn Sascha Hawemann.

Schauspielhaus zeigt wieder partizipatives Theater

Das Familienstück der Spielzeit bringt Hausregisseur Simon Solberg mit „Die Brüder Löwenherz“ (29. November, Schauspielhaus) nach Astrid Lindgren auf die Bühne. „Nicht so bekannt wie Pippi Langstrumpf, aber ein zeitloser Trostspender und Mutmacher“, findet Dramaturgin Carmen Wolfram. An die junge Generation richtet sich auch „Die Farm der Tiere“ (26. April 2025, Schauspielhaus) nach George Orwell. Zum fünften Mal realisiert Regisseur Dominic Friedel ein partizipatives Projekt mit Jugendlichen aus Bonn und Ensemblemitgliedern (zuletzt: „Die Zeitmaschine“).

Einfühlsam wird es mit einer Uraufführung von Jan Neumann. Unter dem Titel „Komödie der Einsamkeit“ (24. Mai 2025, Werkstatt) entsteht ein Kaleidoskop der Gefühle, das sich zwischen bewusstem Alleinsein und sozialer Vereinsamung bewegt. Zu sehen gibt es demnach Stille und Euphorie. Passender ließe sich die kommende Spielzeit wohl nicht beschreiben.

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