Pantheon in Bonn Thomas Kreimeyer kommt mit seinem "Kabarett der rote Stuhl"

BONN · Thomas Kreimeyer kommt mit seinem "Kabarett der rote Stuhl" am Freitag, 25. April, ins Pantheon. Darin ist der Gewinner des Österreichischen Goldenen Kleinkunstnagels 2013 ein sich genial unterhaltender Unterhalter. Er kommt mit den Zuschauern ins Gespräch. Mehr aus dem Leben gegriffen geht nicht. Denn Kreimeyer nimmt die Zuschauer beim Wort und das Leben wörtlich.

 Thomas Kreimeyer gründete auf Basis von Erfahrungen mit Improvisations- und Interaktionstheater sein sogenanntes Stehgreifkabarett "Der rote Stuhl". Seither tourt er damit ohne Programm durch die Lande und durch Radio- und TV-Sendungen.

Thomas Kreimeyer gründete auf Basis von Erfahrungen mit Improvisations- und Interaktionstheater sein sogenanntes Stehgreifkabarett "Der rote Stuhl". Seither tourt er damit ohne Programm durch die Lande und durch Radio- und TV-Sendungen.

Foto: Alex Lipp

Bei Ihrem letzten Auftritt: Worum ging es denn da so thematisch?
Thomas Kreimeyer: (lacht). Sie stoßen mit dieser Frage aber sofort in die völlig groteske Absurdität der Dialoge, die in meinen Vorstellungen ablaufen...

Na, das ist ja genau das, was Sie einmalig macht...
Kreimeyer: Da war ich also in Hannover. Da saß an einem Vierertisch ein Ehepaar mit offensichtlich dem Sohn und dessen Freundin. Und es ging um Berlin. Was haben Sie dort gemacht?, fragte ich also den älteren Herrn. Ich war zu einer Fortbildung. Im Arbeitsrecht. Oh, habe ich gesagt, Sie sind wahrscheinlich Gewerkschafter, so 'ne linke Socke? Das stimmt, meinte der Mann. Das war also ein guter Einstieg, über den der Sohn so gackern musste, dass der kaum noch Luft kriegte ...

Und dann haben Sie sicher den Sohnemann drangekriegt?
Kreimeyer: Ja, indem ich den Vater fragte: Na, ist auch was aus Ihrem Sohn geworden?

Das ist aber gemein...
Kreimeyer: Sicher. Die konnten sich kaum mehr halten vor Lachen. Und dann nannte der Sohn so einen Beruf, bei dem man eigentlich nicht weiß, was das soll ...

"Irgendwas in Kommunikation"?
Kreimeyer: (lacht). Ne, es ging um Steuerungswesen. Und zwischen den Paaren am Tisch lief immer so ein unterschwelliger Dialog: Der Eine winkte also immer ab, wenn der andere etwas sagte, so nach dem Motto: "Sag' das dem Kreimeyer besser nicht. Der verdreht's dir wieder." Da habe ich also sofort weiter nachgehakt: Was steuern Sie denn da so? Es wurde immer absurder. Der junge Mann verkaufte also irgendwelche Steuerungsanlagen. Und niemand im Saal hatte schon mal 'ne Steuerungsanlage gekauft oder gebraucht. Im Nachhinein denke ich natürlich, hätte ich nur eine solche Anlage gehabt, dann hätte sich mein Leben bestimmt anders gestaltet (lacht).

Das heißt: Sie hatten gleich Ihren geeigneten Tisch gefunden. Was ist Ihr Bühnenrezept? Sie lassen sich wirklich auf die Leute im Saal ein?
Kreimeyer: Ja, oft trifft man schon auf Knaller. Mein Rezept? Ich versuche, tatsächlich mit ihnen in Kommunikation zu gehen. Ich baue eine Interaktion auf.

Was machen Sie, wenn das Publikum nicht aus den Pötten kommt?
Kreimeyer: Das klappt immer, egal wo ich bin. Mein Grundansatz ist: Wenn zwei Menschen in einem Raum sind, dann findet Kommunikation statt. Es gibt immer einen Bezug aufeinander.

Also auch, wenn jemand bei Ihnen schnell wegguckt?
Kreimeyer: Ja, das ist doch eine deutliche Botschaft. Also versuche ich, die aufzunehmen, ohne sie zu bewerten oder in eine persönliche Gekränktheit zu gehen.

Und denjenigen "kriegen" Sie dann auch noch?
Kreimeyer: In der Regel ja. Weil ich ja völlig schräg an dem vorbeiagiere, auch wenn er aus Unsicherheit auf die Schuhe blickt. Ich gehe dann auf die Kinderrealität ein: Wenn ich die Augen zuhalte, dann bin ich auch nicht da. Auch diese Person gibt also sofort die Situation frei.

Gibt es regionale Unterschiede, dass Sie mal auf Granit stoßen?
Kreimeyer: Egal, wo ich hinkomme, ins tiefste Nordfriesland oder ins tiefste Bayern, meist warnen mich die Veranstalter vor ihren Zuschauern: Das kann ich Ihnen gleich sagen, bei uns hier wird das schwierig. Die Sturköpfe sagen bestimmt nichts ...

Und die Sturköpfe knacken Sie trotzdem?
Kreimeyer: Ich komme auch mit denen ins Gespräch. Für mich ist es eher in den Hochburgen der guten Laune schwierig, wenn Leute schon so übergriffig nach vorne kommunizieren, weil sie Comedy erwarten. Das verunmöglicht die Kontaktaufnahme. Solche Leute muss ich dann erst mal 'runterholen, dass sie das, was gerade passiert, überhaupt zulassen.

Liegt es an Ihnen oder am Publikum, wenn Ihr Abend zum Drama oder zur Komödie wird?
Kreimeyer: (lacht). Das liegt am Wechselspiel. Es ist vor allem immer wichtig, was im Publikum passiert.

Was meinen Sie, was im Bonner Pantheon zum Abendthema werden könnte?
Kreimeyer: Da habe ich keine Erwartungshaltung. Ich versuche genau hinzuhören, was die Leute sagen. Oft ist ja die Sub-Botschaft viel interessanter, also das, was hinter dem Gesagten steht. Da steckt viel mehr Wahrheit drin. Durch diese Botschaft entsteht dann eine Berührung.

Info: Karten für Freitag, 25. April, 20 Uhr im Pantheon, Bundeskanzlerplatz, gibt es für 22,80/17,40 Euro in den Bonnticket-Shops der GA-Zweigstellen.

Zur Person

Der in Hannover geborene Thomas Kreimeyer studierte Soziologie, arbeitete in der Forschung, war eine Zeit lang in Indien, machte eine Yoga- und dann in Paris eine Schauspiel-Ausbildung. Auf Erfahrungen mit Improvisations- und Interaktionstheater folgte die Gründung seines sogenannten Stehgreifkabaretts "Der rote Stuhl". Seither tourt er damit ohne Programm durch die Lande und durch Radio- und TV-Sendungen.

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