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"Titanic"-Kolumnist Max Goldt im Pantheon

"Titanic"-Kolumnist Max Goldt im Pantheon

Dem Zeitgeist auf der Spur - Satiriker unterhält mit Potpourri eigener Texte und schwarzem britischem Humor

Bonn. Max Goldt gastiert etwa zwei Mal jährlich im Pantheon und schätzt, dass er dort schon 25 Auftritte hatte. Der Wahlberliner fühlt sich offensichtlich sehr wohl in dem Kleinkunst-Tempel, und das Bonner Publikum trägt seinen Teil dazu bei.

Wieder einmal ausverkauft, wieder einmal umjubelt. Und wieder einmal bietet der 50-Jährige eine Zeitgeist-Spurensuche vom Feinsten. Der Satiriker, Schriftsteller und "Titanic"-Kolumnist präsentiert eine Auswahl aus seinem überaus reichhaltigen Textfundus. Intelligente Grotesken und geschliffenes sprachliches Ausdrucksvermögen sind die großen Stärken des Max Goldt.

Über Alltagsbeobachtungen - ein Begriff, den Goldt übrigens vehement ablehnt - gelangt er fast immer zu einer hintersinnigen und oftmals scharfen Abrechnung mit der stumpfen Realität. Er deckt geistige Sackgassen, gesellschaftlichen Stillstand und prominente Peinlichkeiten auf.

Brillant formulierte Gegenwartsanalysen, dazu ein häufig britisch anmutender Humor. Ein paar Beispiele. Max Goldt sinniert über die Vorzüge von Umhängetaschen im direkten Vergleich mit der Plastiktüte und dem Rucksack. Letzteren "pauschal zu verdammen erscheint mir ebenso töricht wie die oft pauschale Verdammung der Umhängetasche".

Erkenntnis: "Der Mensch braucht immer irgendein Zeug." Hintergrund: "Man bekommt heutzutage so viel Vergangenheit aufgebrummt, dass man alle möglichen Taschen braucht, um sie aufzugreifen und mitzunehmen."

Köstlich geriet auch Goldts überarbeitete Fassung eines "Pamphlets gegen die undifferenzierte Verherrlichung von Büchern". Der Kleist-Preisträger des Jahres 2008 beschreibt darin die Notwendigkeit, sich von Freizeitlektüre zu trennen, und schießt einen höhnischen Kommentar zu den "Coffee Table Books" hinterher.

Ein Plakat zu dem Kinofilm "Die wilden Hühner und das Leben" ließ ihn den imposanten Namen der Jungdarstellerin Zsa Zsa Inci Bürkle kennenlernen. Deren Mutter, so erfuhr Goldt im Internet, produziere Musik, stilistisch eine Mixtur aus Kate Bush und Björk: "Ich schätze solche Frauen."

Mit einem aktuellen Text liefert Goldt einen punktgenauen Kommentar zu der Magersucht-Hysterie um die TV-Sendung "Germany's Next Topmodel". Goldt ist sicher: Zählungen in deutschen Fußgängerzonen ergäben deutlich mehr "adipöse" als "anorektische" junge Frauen.

Max Goldt gastiert am 10. September wieder im Pantheon.