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Trauer um den Bonner Künstler Martin Noël

Trauer um den Bonner Künstler Martin Noël

Die Bonner Kunstszene verliert einen ihrer Besten, auch überregional und international hat der gebürtige Berliner, der lange in Bad Godesberg lebte, mit unzähligen Ausstellungen Spuren hinterlassen.

Bonn. Untermalte Arbeiten" hat Martin Noël Bilder genannt, die 2009 entstanden und ein fast aggressives Spiel einander überlagernder, heller, kräftiger Farben zeigen. Ein Wettstreit der Elemente, das Ringen um die Vorherrschaft im Bild und gleichermaßen ein weiches Vor- und Zurückweichen: Es ist viel los in dieser Malerei.

Einmal mehr gelang es Noël, damit seine Freunde und Bewunderer zu verblüffen und seinen Ruf als kompromissloser, experimentierfreudiger Künstler zu unterstreichen, als einer, der immer wieder die Herausforderung suchte.

2009 war auch das Jahr, als Noël krank wurde und sein großer Kampf begann, der mit Phasen der Euphorie und Depression, der schöpferischen Energie und Bilanzierung des eigenen Werks bis jetzt gedauert hat. Er hat ihn in der Nacht zum Donnerstag verloren. Im Alter von 54 Jahren ist Martin Noël an den Folgen eines Hirntumors gestorben.

Die Bonner Kunstszene verliert einen ihrer Besten, auch überregional und international hat der gebürtige Berliner, der lange in Bad Godesberg lebte, mit unzähligen Ausstellungen Spuren hinterlassen. Trauer herrscht auch in den Reihen der Telekom Baskets, deren glühender Fan Noël war.

Er engagierte sich, schon von der Krankheit gezeichnet, unter anderem in der Jury von "Colour the Dome", einem Schüler-Malwettbewerb, dessen Ergebnisse heute den Telekom-Dome schmücken. Ein Künstler für den Elfenbeinturm, das war er nicht: Er suchte die Auseinandersetzung, das Gespräch, die Öffentlichkeit.

Ein begnadeter Netzwerker mit rheinischem Naturell und viel Herz. Er har sich für den tristen Windeck-Bunker in Bonn etwas eingefallen lassen, ließ im Landgericht und im neuen Volksbank-Gebäude luftige bunte Konfetti-Scheiben aufsteigen, verwandelte den Innenraum der St. Hildegardis Kirche in Bad Godesberg mit Hunderten goldenen Punkten in einen feierlichen Ort zwischen Himmel und Erde.

Ging es ihm im öffentlichen Raum um Prägnanz, um Klarheit, so suchte er im Atelier auch nach Zwischentönen. Da war er ein lustvoll Suchender, ein Forscher. Wer seine frühen Zeichnungen sieht, erkennt einen tastenden Strich, der sich auf einzelne Zonen konzentriert, der voller Energie steckt und doch verloren wirkt.

Noël hat diese Momente offensichtlich ausgekostet, steckt in ihnen doch das Abenteuer, das die Zeichnung ausmacht. Man findet diesen suchenden Strich auch in Linolarbeiten oder in den großen Hölzern, wo er sich durch Farbfelder ins harte Holz gräbt. Manchmal fand die Linie auch ihn: Als er die Risse in den Bodenplatten vor dem World Trade Center in New York - Spuren des Bombenanschlags von 1993 - entdeckte, gewann er damit ein filigranes Motiv für die Serie seiner "New York Lines".

Venedig hat ihn immer wieder inspiriert, genauso wie die Insel Gomera, von Philip Guston bis Otto Freundlich reicht die Skala der Künstler, die er geliebt hat, an denen er sich rieb. Über 20 zauberhafte Kataloge und Buchprojekte hat er, der auch am Buchmachen seine Freude hatte, hinterlassen.

Doch sein Terrain war die Ausstellung, der Ort, in dem der Unermüdliche seine Kunst zeigen und zur Diskussion stellen konnte. Als er Mitte 2009 krank wurde, sammelte er alle Energie und Kunst für eine fantastische Ausstellung im Haus Beda in Bitburg. Dort bekam er, was seine Heimatstadt Bonn ihm verwehrte: Die große Überblicksausstellung, die einem bedeutenden und von vielen geliebten Künstler gebührt.

Das Bonner Kunstmuseum zeigte Noël weitgehend die kalte Schulter, was den Künstler zeitlebens geschmerzt hat. Wenn es ihm jetzt ab Dezember in der neuen Dauerausstellung einen Raum widmet, so ist das eine späte, zu späte Hommage. Das Arp Museum Rolandseck macht es besser und richtet Noël 2011 eine Werkschau im Bahnhof aus. Dort wird zu sehen sein, wie er, den Tod vor Augen, die Malerei neu erfand.