Oper in Bonn Trompeten treffen auf die Zauberflöte

BONN · Wenn sich Amonasro plötzlich in Sarastro verwandelt, wenn ein Fähnchen schwenkender Tamino zum "Aida"-Triumphmarsch antritt und seine Pamina derweil mit Radames flirtet - dann können nur zwei Chaoten dahinterstecken: Professor Florestan und Maestro Eusebius präsentieren im Kinderkonzert auf der Bonner Opernbühne "Prinzen, Pharaonen und Pyramiden", einen nicht nur für Kinder ausgesprochen unterhaltsamen Querschnitt aus "Zauberflöte" und "Aida".

Verdi hätte das Konzept von zwei Opern pro Stunde womöglich nicht gutgeheißen, doch Mozart ist zuzutrauen, dass er an dem fröhlichen Remix genauso viel Spaß gehabt hätte wie alle Beteiligten. Das Beethoven Orchester Bonn wechselt unter der Leitung von Maestro Eusebius Thomas Honickel mühelos das Register, spielt die Ouvertüre der "Zauberflöte" mit klassischer Grazie und Verdis Triumphmarsch mit einem romantischen Glanz, an dem die vier auf ganzer Länge überzeugenden Aida-Trompeten großen Anteil haben.

Professor Florestan alias Christian Firmbach kommt aus dem Tanzen gar nicht mehr heraus, als auch noch Papagenos Glockenspiel seine himmlische Celesta-Stimme erhebt - zum Glück hat der leichtfüßige Professor die Unterstützung von neun gut aufgelegten Kinder aus dem Publikum. Die Sänger, allesamt ausgeliehen aus den aktuellen Bonner Opernproduktionen, spielen fröhlich mit, ohne ihre Stimmen zu schonen.

Priit Volmer lässt seinen schwarzen Sarastro-Bass "In diesen heilgen Hallen" ertönen, bevor Julia Kamenik und Tamás Tarjányi mit Hilfe der Zauberflöte Feuersgluten und Wasserfluten durchschreiten. Die drei "Knaben" Rebecca di Piazza, Hannah Rundel und Merle Claus kommen auf Tretrollern hereingefahren und beraten Tamino mit engelgleichen Stimmen. Doch wenn Yannick-Muriel Noah und George Oniani als Aida und Radames mit ihrem entrückten Duett "Leb wohl, o Erde" Abschied vom Leben nehmen, ist das ganz und gar kein Kinderspiel mehr.

Damit auch jeder versteht, was da gerade abgeht, füllen Firmbach und Honickel die inhaltlichen Lücken immer wieder mit erklärenden Handlungshäppchen. Das ganze wirkt so hinreißend leicht, selbstverständlich und aus einem Guss, dass man dem nächsten Auftritt der beiden Spaßvögel mit großer Vorfreude entgegensehen darf.

"Warum ist es am Rhein so schön?" fragen Maestro Eusebius und Professor Florestan am 22. Juni, und sie werden die Antwort sicher nicht schuldig bleiben.

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