Vernissage von Stefan Hoenerloh

Stefan Hoenerlohs Ausstellung "Many coloured objects placed siede by side" wird am Sonntag ab 11.30 Uhr im Siegburger Stadtmuseum eröffnet.

Hinter ihren Fenstern ist kein Leben. Keine Gardinen, kein Blumentopf oder ähnliche Indizien menschlichen Lebens. Die monumentalen Häuser sind verwaist. Umhüllt von einer Patina aus Ruß, Staub und Schmutz, gezeichnet von den Spuren der Jahrhunderte. Die Zeit scheint still zu stehen, in den Ansichten, die Stefan Hoenerloh von seiner Stadt geschaffen hat. Die hat es so nie real gegeben, sie existiert allein vor seinem inneren Auge - und das seit seinem 16. Lebensjahr.

Einblick in seine Idee einer idealen Architektur gewährt der in Berlin lebende Künstler ab Sonntag in der Wechselausstellung des Siegburgers Stadtmuseums. Er selbst wird der Vernissage aus Gesundheitsgründen fern bleiben müssen. Doch seine unter dem Titel "Many coloured objects placed side by side" zusammengefassten Werke sprechen für sich. Auf den ersten Blick vielleicht ein wenig trostlos, wecken die in akribischer Arbeit aus hauchdünnen Acrylschichten auf Kunststoffflächen erwachsenen Gebäude die Lust, hinter ihre Fassaden und auf ihre tiefere Bedeutung zu blicken.

Sie basieren allesamt auf eben jener großen, sehr alten, europäischen Stadt, auf die Stefan Hoenerloh nach eigenem Bekunden mit 16 Jahren gestoßen ist, die er sich vorgestellt hat und die ihn seither nicht mehr losgelassen hat. Sie ist für ihn der Inbegriff einer idealen Städtearchitektur. Die Gebäude tragen die Handschrift von Renaissance oder Klassizismus, und sie haben Bestand. Denn, so hat der in den 1960er Jahren geborene Künstler einmal erklärt, in seiner Stadt dürfe das Alte nicht abgerissen, sondern nur durch neue Gebäude in ähnlichem Stil erweitert werden.

Rom, Paris, Berlin, reale Assoziationen drängen sich auf, gleichwohl sind Hoenerlohs Veduten irreale Kompositionen verschiedener Versatzstücke. Und es gibt Brüche: Treppen, die vor Fenster gebaut sind, nicht zeitgemäße Neonröhren, Straßenlaternen oder Geländer. Seine Gebäude hat der Künstler indes inzwischen so sehr verinnerlicht, dass es kaum mehr einer Vorskizze bedarf. Er malt seine Werke zunächst im kleinen Format in Öl, ganz präzise, perspektivisch exakt mit Lineal und überträgt sie dann Acryl-Schicht um Acryl-Schicht ins Großformat.

"Man fühlt sich heimisch und dennoch fremd", beschreibt Gundula Caspary vom Siegburger Stadtmuseum die düsteren Stadtansichten Hoenerlohs, die die Illusion einer Renaissance-Architektur entwürfen. Der Künstler halte bewusst die Zeit an und wolle den von der immer schnelllebigeren Zeit überrollten Menschen in seinen menschenleeren Utopien Zeit zum Innehalten und Nachdenken schenken.

Stefan Hoenerlohs "Many coloured objects placed siede by side" wird am Sonntag, 29. Januar, ab 11.30 Uhr im Stadtmuseum, Markt 46, eröffnet. Die Arbeiten sind dort bis Sonntag, 18. März, zu sehen.