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Veronika, der Lenz ist da - im heißen Sommer

Veronika, der Lenz ist da - im heißen Sommer

Sinfonische Experimente in Brühl, der Zauber des Jazz-Gesangs und Bachs Cello-Suiten

Brühl. Ungewohnte Klänge im Treppenhaus: Unter dem Titel "Romantische Suite" führte die Capella Augustina unter Andreas Spering auf Schloss Augustusburg Werke von Debussy, Mahler und Anton Bruckner auf - aber nicht in der Originalfassung, sondern in Bearbeitungen für Kammerensemble, die für den von Arnold Schönberg in Wien 1918 gegründeten "Verein für musikalische Privataufführungen" eingerichtet wurden.

Erklärtes Ziel des zeitintensiven Projekts war es, in kleinem, aber erlesenem Rahmen "die größtmögliche Deutlichkeit und die Erfüllung aller aus dem Werke zu entnehmenden Intentionen des Autors" adäquat darzustellen. In Bezug auf Bruckners siebte Sinfonie ist dieses Unternehmen gewagt, wenn nicht dreist zu nennen: Den mächtigen Klangbau auf eine Besetzung mit zwei Geigen, einer Bratsche, je einem Cello und Kontrabass, Klarinette, Horn, Flügel und Harmonium zu reduzieren, das muss man sich erst mal trauen.

Spering und seine Instrumentalisten gehen die von Hanns Eisler und Karl Rankl verantwortete Kammerfassung couragiert an, und es gelingt ihnen tatächlich, das Ohrenmerk auf fein gearbeitete Linien und kontrapunktische Passagen zu lenken, die im überwältigenden Raumeindruck der Siebten sonst leicht überhört werden.

Die mystische Qualität der Sinfonie, ihre tief atmende Ruhe und der großartige Empfindungsgehalt können freilich nur angedeutet, wie mit einem flüchtigen Zeichenstift skizziert werden. Denn überall da, wo Bruckners Musik in unendliche Weiten vorstoßen und sich zu dramatischen Forte-Höhepunkten aufschwingen will, wirken die Anstrengungen des Kammerensembles doch forciert.

Debussys filigranes Farbenspiel im "Prélude à l' après-midi d' un faune" (Kammerfassung von Hanns Eisler) ist da schon leichter herunterzustutzen. Komplettiert wird das Programm des Schlosskonzerts durch Mahlers "Lieder eines fahrenden Gesellen" in der Transkription von Arnold Schönberg.

Thomas Bauer singt den unglücklichen Gesellen mit samtigem, schön geführtem Bariton und dramatischer Intensität, wird jedoch von den Einzelstimmen der reduzierten Orchesterbesetzung zuweilen mehr gestört als gestützt. Zwei Geigen sprechen nun mal nicht mit weichem Streicherklang, sondern mit solistischer Bestimmtheit. Trotzdem: Ein interessantes Experiment.

Bonn. Mit einem Mammutprogramm beschloss der Jazzchor der Universität Bonn das diesjährige Sommersemester. Nicht ohne Grund, erklärte Chorleiter Dirk Eisenach, denn mit seinem 10jährigem Bestehen und dem zwanzigsten Semesterabschlusskonzert gab es gleich zwei Jubiläen zu feien. Dabei wusste der Chor seinen Fanclub in der vollbesetzten Aula der Universität rundum zu begeistern.

Für gute Stimmung sorgte bereits das eröffnende "Theme from the Muppets" von Henson & Pottle, gefolgt von Carl Strommens "Sing a Simple Song" und dem traditional Gospel "I can tell the world". Seit letztem Jahr profitieren die Sänger von dem zweiten Chorleiter Fraser Garsthore, der den berühmten Song "Sweet Georgia Brown" mit eindrucksvollem Klavier-Jazz zu beleben wusste.

Viel Sympathiepunkte weckten unwiderruflich "Veronika der Lenz ist da" sowie "Mein kleiner grüner Kaktus" von den Commedian Harmonists. Ebenso mit Gershwin's "I got Rhythm", dem Dauerbrenner "Sixteen Tons" (Travis), "Can't buy me love" (Lennon & McCartney), "Thank you for the music" (Ulvaeus & Andersson) sowie der wunderschönen Filmmelodie "Over the Rainbow" (Arlen) stand der Chor auf der sicheren Seite. Als finaltaugliche Zugabe riss "Lalipop" zu stürmischen Beifall hin.

Siegburg. Eine im wahrsten Sinne des Wortes heiße Angelegenheit war das Konzert von Alban Gerhardt und Markus Becker im Siegburger Stadtmuseum, wo beide im Rahmen der Resonanzen-Reihe alle fünf Sonaten für Violoncello und Klavier von Beethoven aufführten.

Vorbildlich war nicht nur das gute Zusammenspiel beider, das engstens miteinander verzahnt war. Auch abseits der rein koordinatorischen Ebene schien man auf einer Wellenlänge zu liegen. Das zeigte nicht zuletzt die Selbstverständlichkeit, mit der man sich die musikalischen Pointen zuspielte, und der abseits von reiner Akkuratesse auch viel Witz und Esprit zu eigen war.

So nutzte man etwa die Schlusspointe im letzten Satz der F-Dur-Sonate op. 5 zu einem kontrastreichen und furiosen Abgang oder spielte das Rondo der Sonate in g-Moll mit Schwung und einer fabelhaften Leichtigkeit. Gerhardt demonstrierte einen höchst kultiviert näselnden Celloton, der von einer ganz und gar vollendeten Spielkultur noch weiter veredelt wurde, Becker riskierte gerne mal etwas, erwies sich aber auch als hundertprozentig zuverlässiger und mit allen Wassern gewaschener Begleiter.

Bonn. Hans Georg Büchels Arbeitskreis für Alte Musik Bonn hatte, innerhalb seiner Reihe "Für Kenner und Liebhaber - les petits concerts", in die Remigius-Kirche geladen, wo man auf historischen Instrumenten (Diskantgeigen, Viola da gamba, Harfe, Blockflöten, Kortholt, Gemshorn, Krummhörner und Cornamuse) unter dem Titel "Taffel Consort" Ensemblemusik des 17. Jahrhunderts in Form von höfischem Balli und Tanzsätzen aus verschiedenen Sammlungen präsentierte.

An Komponisten-Namen waren dabei vertreten Lorenzo Allegri, Richard Deering und Thomas Simpson, Moritz Landgraf von Hessen, Johann Hermann Schein und, ein rechtes Kuriosum, doch ausgesprochen amüsant, ein "Musikalisch Türkischer Eulen-Spiegel" oder "Simplizissimus" eines aus Breslau gebürtigen Daniel Georg Speer. Hanne Döhler, Angelika Krüger, Gisela Lehmann und Felicitas Zink sowie Hans Georg Büchel als Leiter und Moderator brachten das alles spielversiert zum Klingen.