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Zwei musikalische Welten: Verschmelzung der besonderen Art

Zwei musikalische Welten : Verschmelzung der besonderen Art

Ein Streichquartett mit Musikern des Beethoven-Orchesters trifft bei den KunstWelten am Samstag auf ein Jazz-Trio.

Musikalisch gesehen sind es zwei Welten: Auf der einen Seite die der Orchestermusiker, die üblicherweise in schönen Sälen proben und unter strenger Leitung präzise arrangierte Noten zu spielen haben, und auf der anderen die Jazzer, die sich in Ermangelung verfügbarer Räume notfalls auch mal in einem Keller treffen und einfach loslegen, dabei fröhlich improvisierend und in mitunter ziemlich ungewöhnlichen Klangwelten schwebend.

Für die zweite Auflage ihrer KulturWelten am 3. Dezember wollten die beiden Veranstalter Elvin Ruic und Lukas Hess von der Zentrale für Freiraum und Subkultur (ZfS) diese Gegensätze vereinen – und haben kurzerhand ein lokales Jazz-Trio mit einem Streichquartett des Beethovenorchesters zusammengebracht. Ein reizvolles Crossover-Projekt, bei dem alle gewinnen. Vor allem die Musiker.

„Besonders froh sind wir darüber, dass das BOB auf uns zugekommen ist und fragte, ob wir nicht mal etwas gemeinsam veranstalten könnten“, erinnert sich Ruic. „Dem Orchester liegt viel daran, sich zu öffnen und die Musik in die Stadt hineinzutragen, was ja auch genau unser Ansatz ist. Insofern haben Lukas und ich natürlich sofort zugesagt. Uns war von Anfang an klar, dass wir irgendeine Art von Begegnung initiieren wollten, und als ich dann Jacob Hirsch auf der Straße getroffen habe, der mit seiner Band Four schon 2015 bei uns gespielt hat, habe ich ihn direkt angesprochen.“

Dieser nahm die Herausforderung gerne an – und wusste zu dem Zeitpunkt noch nicht, worauf er sich da einließ. „Im Jazz reichen ja oft einfache Skizzen, um ein Stück zu spielen“, erklärt er. „Aber die Streicher brauchen ausgeschriebene Noten und eine klare Struktur. Ich habe sicherlich 150 Stunden an den Arrangements gesessen, nur um dann festzustellen, dass ich gewisse Dinge gar nicht bedacht habe. Die Streicher haben mir aber immer wieder Feedback gegeben, haben Varianten vorgeschlagen oder auch einfach mal nachgefragt, was ich meine – immerhin ist unser musikalisches Vokabular doch recht unterschiedlich.“ Er lacht: „Ich glaube, wir alle haben dabei unglaublich viel voneinander gelernt. Und dabei sehr viel Spaß gehabt.“

Das sehen die Orchestermitglieder ebenso, die von der Arbeit mit den Jazzern sehr angetan sind. „Ich wollte schon immer improvisieren lernen und habe es bedauert, dass das im Musikstudium nicht vermittelt wird“, sagt Geigerin Susanne Rohe. „Wenn man mit über 100 Kollegen zusammenspielt, muss natürlich Ordnung herrschen, da kann keiner spontan entscheiden, mal einen Triller anders zu spielen als notiert. Aber ich finde es unglaublich spannend, was wir hier machen, weil wir jetzt auch ein Gespür dafür kriegen, was noch möglich ist.“

Zum Beispiel wenn es um die Einsätze nach einem Solo geht. Oder um ungewöhnliche Harmonien. „Wir hören einfach anders“, sagt Cellistin Lena Wignjosaputro, „aber genau das macht ja den Reiz dieses Projekts aus. Für mich ist vor allem neu, dass wir von Anfang an mit einbezogen worden sind und nicht einfach das spielen sollen, was uns vorgesetzt wird. Das finde ich klasse.“

Genau darum geht es Ruic und Hess bei der „Movement: Butterfly“ betitelten Aktion auch. „Uns war es von Anfang an wichtig, dass sich alle Musiker auf Augenhöhe begegnen und sich aufeinander einlassen“, sagen sie. „Das ist der Kern der KulturWelten, diese Schaffung von Freiräumen unser Hauptanliegen. Deshalb veranstalten wir dieses Fest in der Kunstbrennerei auch wieder ohne Eintritt, obwohl wir diesmal ohne Förderung der Stadt auskommen müssen.“