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Beethoven Orchester: Viel Spaß zum Abschied - Konzertpädagoge Thomas Honickel verlässt Bonn

Beethoven Orchester : Viel Spaß zum Abschied - Konzertpädagoge Thomas Honickel verlässt Bonn

Beim Orchesterfest gibt es am Sonntag in der Beethovenhalle noch einmal ein "Best of" des Education-Programms Bobbys Klassik mit Thomas Honickel. Dann ist Schluss. Der beliebte Konzertpädagoge und Dirigent verlässt Bonn. Sein letzter Auftritt, der um 11 Uhr beginnt, soll aber noch einmal richtig Spaß machen.

Dem Publikum, den Mitwirkenden und nicht zuletzt auch ihm, weshalb er sich für diesen Morgen eine Quiz-Dramaturgie überlegt hat. "Wir spielen ein paar Takte aus einem Stück aus unseren Programm, und das Publikum muss raten", verriet er jetzt schon einmal vorab. Wer Honickel kennt, weiß, dass die Veranstaltung ein großes Vergnügen für Jung und Alt werden wird.

Honickel war es in den vergangenen fünf Jahren, seit Generalmusikdirektor Stefan Blunier ihn als ersten hauptamtlichen Konzertpädagogen des Beethoven Orchesters von Duisburg nach Bonn holte, immer wichtig, die Generationen zu verbinden. "Wir wollten nicht einfach nur Kinderbespaßung machen", sagt er.

Die Familienkonzerte, Opern- und Ballett-Aufführungen sollten schon ein bisschen nachhaltiger wirken und auch den Eltern etwas bieten. Ein Anspruch, den Honickel bravourös einlöste, auch weil er in dieser Stadt auf Neugier und offene Ohren stieß: "Es gab in Bonn kein Eis, das wir erst brechen mussten."

Mehr als 100.000 Kinder, Jugendliche und Erwachsene erreichte er in den fünf Jahren, die fest etablierten Reihen in der Beethovenhalle und im Opernhaus waren immer schon mit Saisonbeginn restlos ausverkauft. Ergänzt wurden die Aufführungen durch Schul- und Sonderkonzerte, die ebenfalls riesigen Zuspruch fanden.

Eigentlich kein Wunder, wenn man so geschickt Themen des überlieferten klassischen Repertoires mit jenen aus der Lebenswirklichkeit heutiger Kinder und Jugendlicher verbindet, wie es Honickel etwa in der Gegenüberstellung von Wagner "Fliegendem Holländer" und der Musik zu "Fluch der Karibik" tat.

Honickels Arbeit wurde auch über Bonn hinaus wahrgenommen. Zwei seiner Produktionen, die er mit dem Beethoven Orchester machte, erhielten einen Echo-Preis: die Weltersteinspielung von John Rutters Kinderoper "The Piper of Hamelin" und die auf Anton Dvoraks neunter Sinfonie basierende Produktion "Komm! Wir fahren nach Amerika". "Diese Erfolge kann man nicht mehr toppen", sagt Honickel selbstbewusst. "Da war die Entscheidung zu gehen richtig."

In vielen Aufführungen wirkten auch die von Honickel ins Leben gerufenen Bobbys-Klassik-Chöre mit, die sich aus Bonner Kindern und Jugendlichen zusammensetzen. Zu Bedauern vieler Kinder und Eltern werden sie mit Honickels Abschied nun aufgelöst. "Ich habe die Chöre immer als eine ganz besondere Facette des Education-Programms betrachtet.

Wenn es sie nicht mehr gibt, ist das ein großer Verlust", sagt Honickel. Das Beethoven Orchester wird in der kommenden Saison das Education-Programm neu aufstellen. Zunächst interimsweise mit Christoph Thoma, ab der Saison 2014/2015 wieder mit einem neuen, noch nicht benannten hauptamtlichen Bobbys-Klassik-Leiter.

Allerdings will Honickel auch über seinen Abschied hinaus weiter mit "seinen" jungen Sängerinnen und Sängern arbeiten. "Ich werde Bonn ab und zu besuchen", verspricht der in Wuppertal lebende Musiker. Auch um mit Christian Firmbach, dem künstlerischen Betriebsdirektor der Oper, die Reihe "Professor Florestan und Maestro Eusebius packen aus" am Opernhaus weiterzuführen.

Die Reihe wird es übrigens auch bald in Oldenburg geben, wo Firmbach, mit dem Honickel eng befreundet ist, ab Saisonbeginn 2014/2015 das dortige Dreispartenhaus als Generalintendant leiten wird. Honickel selbst wird sich im nächsten Jahr erst einmal eine kleine Auszeit nehmen.

"Ich plane ein Buch über meine Erfahrungen in zwanzig Jahren Konzertpädagogik", verrät der 55-Jährige. Außerdem möchte der noch junge Großvater einer kleinen Enkelin Konzepte für Education-Programme erarbeiten, die sich an ganz kleine Kinder richten.

Spannend fände er auch entsprechende Programme für die sogenannten "Best Agers". Wo er seine Idee anwenden können wird, lässt Honickel noch offen. Auf seiner Homepage aber stößt man auf einen interessanten Hinweis.

Dort heißt es: "Mit der Saison 2014/2015 wird Honickel in ähnlicher Funktion und mit interessanten Herausforderungen in den Education-Bereichen Konzert und Musiktheater an einem Theater in Norddeutschland engagiert sein."