Deutscher Buchhandlungspreis 2015 Vier Bonner Buchhändler sind nominiert

BONN · Vier Bonner Buchhandlungen können die Sektkorken knallen lassen: Sie sind für den Deutschen Buchhandlungspreis 2015 nominiert. Damit schneidet die Bonner Szene mit vier von 24 in NRW Nominierten erfreulich gut ab.

 Nominiert: Philipp Seehausen von der Buchhandlung am Paulusplatz.

Nominiert: Philipp Seehausen von der Buchhandlung am Paulusplatz.

Foto: EBBA HAGENBERG-MILIU

Spannend wird nun, wer am 17 September noch in die Phalanx der bundesweit Allerbesten gelangen und bis zu 25 000 Euro Fördergeld nach Hause nehmen kann.

"Wir sind gespannt. Mit dem Preis wären wir mit einem Mal schuldenfrei", ist die erste Reaktion von Holger Schwab vom "buchLaden 46" an der Kaiserstraße 46, der im Juni sein 40-jähriges Bestehen feierte. Schwab sieht seine Chancen besonders in der Kategorie Lese- und Literaturförderung. Jedes Jahr lässt er rund 200 Kinder Buchhändler spielen und von ihren Lieblingsbüchern erzählen. Er bietet Lesungen mit Prominenten wie Oliver Steller und Uwe Timm inklusive Musikgenuss an. Und natürlich gehe ohne Verzahnung von E-Commerce und stationärem Buchhandel in der Branche heute gar nichts mehr.

Das bestätigt auch Philipp Seehausen, seit 2011 Chef von "Unserer Buchhandlung" am Paulusplatz, die sich seit 1984 auf Anthroposophie konzentriert. "Wir haben für unsere extrem vielfältige Leserschaft aber auch den unterhaltsamen Erotikroman und Bulgakow", sagt Seehausen. Mit seinem Team freue er sich riesig über die Nominierung. Er hat das ehrgeizige Programm "Literaturbühne Tannenbusch" auf die Beine gestellt, lässt Stars wie Peter Esterhazy oder Sternchen wie Penny McLean auftreten. "Ich glaube aber, es besinnen sich immer mehr Menschen zurück auf ihre Stadtteile", sagt Seehausen. "Wir verkaufen viele Lokalkrimis, Wanderführer für das Umland sowie Bücher und Kalender über die Stadt." Außerdem setze er auf den Grundsatz: "Läse un läse losse", also "Lesen und lesen lassen": Bücher, Kaffee, Garten und Sofa gehören im gemütlichen Laden unbedingt zusammen.

"Wir wollen ein Ort sein, an dem literarische Vielfalt für alle Menschen zugänglich ist und keine elitäre Buchhandlung", sagt Barbara Ter-Nedden von der 1962 gegründeten Parkbuchhandlung an der Koblenzer Straße 57. 2012 war sie dorthin gezogen. Insbesondere der interkulturelle Austausch liege dem Team "im Hinblick auf unseren bunten Stadtteil Bad Godesberg" am Herzen. Mit ihrem Sohn Felix bietet sie Lesungen mit Literaturstars wie Navid Kermani und Martin Mosebach, Podiumsdiskussionen etwa zum Thema Missbrauch, ein pädagogisches Kinderprogramm, Musikveranstaltungen, Theater, Kunst und seit 2011 einen Literaturwettbewerb. "Wichtig ist uns zudem die Verknüpfung von stationärem Buchhandel und E-Commerce/Online."

Und wie kommentiert Alfred Böttger, seit zehn Jahren Inhaber der Buchhandlung, Edition und Galerie Böttger an der Maximilianstraße 44, dass die Kulturministerin ihn ehren wird? Er freue sich natürlich - auch weil in Frankfurt das Ensemble Modern spiele. Er biete bewusst Bücher jenseits der Bestsellerlisten, er spreche "Bildungsbürger jedweder Schicht und jeden Alters" an, so sein Rezept. Böttger hätte auch von vielen erfolgreichen Lesungen, Musikprogrammen, Kunstausstellungen und der Herausgabe von Büchern erzählen können. Was zeichnet seinen Laden besonders aus? Böttger: "Die Lebendigkeit."

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