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Premiere in der Bonner Oper: Vorsicht, bissiger Zahnarzt

Premiere in der Bonner Oper : Vorsicht, bissiger Zahnarzt

Eigentlich hasse ich Musicals", gesteht Hans-Werner Olm und lacht. Was für ein Einstand zu einem Interview über die Rolle des 60-jährigen Kabarettisten in der Bonner Produktion von "Der kleine Horrorladen". Findet dieser auch. Gleich an den Anfang müsse diese Aussage, fordert er grinsend. Warum auch nicht?

Immerhin hebt dies seine Beteiligung an dem beliebten Stück über eine blutgierige Alien-Pflanzenmutter, die dem Loser Seymour seine Träume erfüllt, umso mehr hervor und gibt der Tatsache, dass er sich sichtlich wohlfühlt, einen besonderen Wert.

"Ich mag die Stadt, das Ensemble, die Songs", erklärt Olm, der mit Michael Schanze, Matthias Schlung, Dennis LeGree und Bettina Mönch exzellente Hauptdarsteller an seiner Seite hat. "Für mich ist es das erste Mal, dass ich bei so etwas mitmache. Früher fand ich nur die Rocky Horror Show gut, weil deren Musik in mein damaliges Weltbild passte. Alles andere war und ist mir zu weich, zu affektiert. ,Starlight Express' zum Beispiel finde ich viel zu langweilig."

Und doch hat er jetzt den Part des Zahnarztes Orin übernommen - und brennt für seine Rolle. "Unter anderem, weil ich gewisse textliche Freiheiten habe", sagt er, "der Originaltext ist zumindest in der deutschen Übersetzung zu brav." Da möchte Olm gerne härter sein, bissiger, kompromissloser. "Das liebe ich", sagt er. "So bilde ich dann auch einen krassen Gegenpart zu dem weichgezeichneten Liebespaar Audrey und Seymour."

Anzuecken und der Normalität die Stirn zu bieten, das genießt Hans-Werner Olm. Seine bekanntesten Figuren machen genau das, der Hippie Iff etwa oder die raubeinige, laute Luise Koschinsky. "Letztere passt schon ganz gut zu dem sadistischen, ödipalen Zahnarzt", räsoniert Olm, "aber eigentlich wird die Figur missverstanden.

Sie sehnt sich wie jeder Mensch nach einer Umarmung, und weil sie diese nicht bekommt, kompensiert sie ihre Einsamkeit durch Grobschlächtigkeit." Auch wenn die verbalen Schläge mitunter ganz schön wehtun können. "Ich will lieber Hammer als Amboss sein", sagt Olm dazu, "allerdings einer, der Dinge schöner formt, statt sie zu zerstören."

Im "Kleinen Horrorladen" kann der Ruhrpottler und Wahl-Berliner sich nach Herzenslust austoben. Zahnarzt Orin, der Verlobte von Audrey, ist ein arroganter Mistkerl in Latex und Leder mit Freude am Verursachen von Schmerzen, bis er schließlich im Maul der Pflanze Audrey II endet ("von diesen Pflanzen sollte es mehr geben", kommentiert Olm lachend). Zugleich liefert er mit "Dentist" eines der bekanntesten Lieder des gesamten Musicals ab.

"Ich bin ein großer Fan von Jazz, Swing und Funk, und all das gibt es hier", sagt Musikliebhaber Olm. "Es ist lustig, spannend und laut, und ich werde so richtig aufdrehen." Typisch Rampensau eben. "Ja. Ich bin halt eigentlich Solist. Allerdings komme ich erst so richtig in Fahrt, wenn ich einen starken Gegenspieler habe, an dem ich mich reiben kann - vor Jahren, ich glaube es war 1988, habe ich mal zusammen mit Ingolf Lück hier im Bonner Pantheon ein Zwei-Personen-Stück gespielt, bei dem das hervorragend funktionierte."

Das klingt ja fast so, als ob man Hans-Werner Olm demnächst öfters im Theater erleben könnte. "Ich würde es wirklich sehr gerne machen", gesteht dieser. "Vor allem gerne mal mit ein paar ernsthafteren Rollen. Der grobe Lacher ist einfach zu bekommen, aber Menschen in ihrem Innersten zu berühren, das ist die große Kunst."

Premiere: 30. August, 18 Uhr, die nächsten Aufführungen: 3., 20., und 26. September, 16. und 31. Oktober, 14. und 16. November, 31. Dezember, weitere Termine in 2016. Karten gibt es in den Bonnticket-Shops der GA-Geschäftsstellen.