Kunstprojekt in Bonn Was die Bonner Stadtklangkünstler planen

Bonn · Miki Yui und Stefan Schneider sind die Bonner Stadtklangkünstler des Jahres. Zusammen wollen sie sich dem Klang von Gemeinschaften widmen. Dabei blicken sie auch weit über Bonn hinaus.

 Die aktuellen Stadtklangkünstler Stefan Schneider (links) und Miki Yui haben sich in Bonn einiges vorgenommen.

Die aktuellen Stadtklangkünstler Stefan Schneider (links) und Miki Yui haben sich in Bonn einiges vorgenommen.

Foto: Schoenebeck

Die Pläne der diesjährigen Stadtklangkünstler von Bonn versprechen spannend zu werden. Die Düsseldorfer Künstler Miki Yui und Stefan Schneider waren von der Beethovenstiftung in ihr Amt berufen worden und hatten bereits mehrere Forschungsreisen hinter sich, als sie jüngst ihr Projekt der Öffentlichkeit vorstellten.

Beide wurden an der Düsseldorfer Kunstakademie ausgebildet, Schneider als Fotograf in der Becher-Klasse, Yui als Medienkünstlerin. In ihrer künstlerischen Praxis haben sie sich tief in spezielle Aspekte der elek­tronischen Musik eingearbeitet. Yui entwickelt Klanglandschaften aus Geräuschen, Feldaufnahmen und elektronischen Sounds, sie gibt Konzerte und dokumentiert traditionelle Musik. Schneider spielte in der Elektronikband Kreidler sowie im Trio To Rococo Rot, gründete 2016 das Label „Tal“ und veröffentlichte dort Musik aus Kenia, Venezuela und Japan.

Während die Stadtklangkünstler der vergangenen Jahre in ihrer Feldforschung vor allem Naturklängen aus Wüste und Regenwald auf der Spur waren, geht es 2024 um das interessante Gebiet der Musik-Ethnologie und hier insbesondere um die Rolle von Klang in Gemeinschaften. Dazu hatte Jens Gerrit Papenburg, Professor der Abteilung Musikwissenschaft/ SoundStudies an der Uni Bonn, ein Seminar entwickelt, in dem sich die Studierenden theoretisch und in Fallstudien mit konkreten Klang-Gemeinschaften befassten.

In Fußballstadien in Ghana und beim Bonner SC unterwegs

So wurden zum Beispiel die Klänge von Fußballspielen in Stadien – in Cape Coast, Ghana, und beim Bonner SC – miteinander verglichen. Nach einer ersten Vorbereitungsreise im November 2023 fuhren Yui und Schneider im Februar ein zweites Mal nach Ghana, um in Accra und Cape Coast zu recherchieren, Aufnahmen zu machen und sich mit Menschen vor Ort auszutauschen. Die beiden sprachen mit Wissenschaftlern und Musikern, mit Radiojournalisten, Arbeitern und Studierenden. Sie zeichneten die Klänge religiöser Zeremonien und von Arbeiterliedern auf. „Ghana ist ein sprachenreiches Land, und Musik spielt eine wichtige Rolle, ebenso wie Storytelling und Radiosendungen“, erzählt Schneider.

Eines hätten er und Yui aber vermeiden wollen: Ghana als exotische Kultur in Bonn zu präsentieren. „Vor Ort haben wir erfahren, dass es viele Themen und Probleme gibt, die überall gleich sind. Dazu gehören Umweltverschmutzung, Digitalisierung, die Kluft zwischen Stadt- und Landbevölkerung. ‚Wir sind uns ähnlicher, als wir verschieden sind‘, um es mit den Worten der Autorin Maya Angelou zu sagen. Das wurde unser Thema. Wir wollen verschiedene Kulturen durch Fragen miteinander verknüpfen.“

Drei Wochenenden mit der Öffentlichkeit

Mit diesem Ansatz planen Yui und Schneider, im Rahmen des diesjährigen Beethovenfestes an drei Wochenenden die Öffentlichkeit einzubeziehen. Für die erste Veranstaltung wird der amerikanische Musikjournalist Bradford Bailey eingeladen, um darüber zu sprechen, was Musik für die Demokratie bedeuten kann. Beim zweiten Termin geht es um Storytelling und welche Bedeutung dies in Ghana bereits in vorkolonialer Zeit hatte. Und schließlich, so erzählt Yui, wolle man in einem zweitägigen Workshop dem Publikum auch eine sinnliche Erfahrung anbieten. In St. Helena wird mit „sonic meditation“ und „deep listening“ das Hören und die innere Wahrnehmung gestärkt.

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