Tanzfestival „Into the Fields“ in Bonn Wenn Kühe Tennis spielen

Bonn · Das Bonner Tanzfestival „Into the Fields“ bringt acht Produktionen in die Brotfabrik und in den Ballsaal. Die Bandbreite ist groß, und das Publikum soll auch aktiv werden.

Mata und Dora heißen die beiden Kühe, die das El Cuco Projekt am 18. April im Rahmen des Festivals „Into the Fields“ auf die Bühne des Theaters im Ballsaal bringt.

Mata und Dora heißen die beiden Kühe, die das El Cuco Projekt am 18. April im Rahmen des Festivals „Into the Fields“ auf die Bühne des Theaters im Ballsaal bringt.

Foto: Julia Franken

Auch wenn Sonia Frankens choreografisches Projekt El Cuco von den beiden Kühen Mata und Dora handelt, deren Namen nicht zufällig an die ebenso gefeierten wie umstrittenen Helden der spanischen Stierkampfarenen erinnern, geht es darin doch um den Menschen. Das verbindet „Mata Dora – The Finale“ mit den anderen sieben Produktionen, die vom 12. bis zum 28. April beim Bonner Tanzfestival „Into the Fields“ gezeigt werden, das die Brotfabrik, Tanzgenerator Bonn und das Theater im Ballsaal gemeinsam veranstalten. Das Festival folge zwar keinem ausformulierten Motto, bemerkte Kuratorin Daniela Ebert am Dienstag bei der Vorstellung des Programms in der Beueler Brotfabrik, aber es gebe doch eine Art roten Faden. Denn viele Stücke setzten sich damit auseinander, wie sich der einzelne Mensch in der Gemeinschaft und in der Welt verorte. Im Fall der in Köln beheimateten Choreografin Franken und ihres chilenischen Künstlerpartners Gonzalo Barahona hat das Spiel mit den Tiermasken oft auch einen besonderen Witz: In „Mata Dora“ kann man den hybriden Kuhwesen am 18. April im Theater im Ballsaal sogar beim Tennisspielen zuschauen.

Das Festival beginnt am 12. April mit einem Gastspiel der Góbi Dance Company in der Brotfabrik, das die ungarische Ensemblegründerin und Choreografin Rita Góbi zusammen mit dem Tänzer Milán Maurer auf die Bühne bringt. In „Island – Dance Monologues Perfused With Lights“ schaffe sie „interessante und bizarre Körperbilder“. Am 13. und 14. April setzt das Bonner Ensemble CocoonDance das Festival im Ballsaal mit der Wiederaufführung seiner jüngsten Produktion „Chora“ fort. Ein Stück, das nach Meinung von CocoonDance-Mitbegründerin und -Choreografin Rafaële Giovanola perfekt zum Gründungsgedanken des Festivals passe. „Es ging darum, das Publikum anders einzubeziehen, ihm eine andere Perspektive und eine andere Rolle zu geben.“ In „Chorus“ ist es tatsächlich fester Bestandteil des Stücks, teilt es sich den Raum mit den Tänzerinnen und Tänzern und kann sich mit ihnen auf Interaktionen einlassen. Zur Vorbereitung werde es vor den Vorstellungen kurze Einführungs-Workshops geben.

Galizische Hexenkulte

Spannend zu werden verspricht auch der Beitrag des in Spanien und Südamerika verwurzelten und im Raum Köln arbeitenden .Dencuentro Tanzkollektivs, das sich in dem Recherche-Projekt „Portalén“ unter anderem mit Hexenkulten auseinandersetzt, wie man sie noch heute in Galizien antreffen kann. Zu sehen ist es am 16. April in der Brotfabrik.

Hinter dem Namen des Duos „Hartmannmüller“, das am 20. und 21. April in den Ballsaal kommt, verbergen sich die beiden Choreografen und Tänzer Simon Hartmann und Ernesto Müller. Ihr Stück „Deep Talk – Das Leben des Hartmannmuel­ler“ verstehen sie als eine Art autobiografische Erzählung. Zugleich laden sie ihr Publikum ein, einen neuen Blick auf die eigene Lebensgeschichte zu werfen. Fortgesetzt wird das „Into the Fields“-Programm mit dem Stück „Atlas / Studies“ der französisch-amerikanischen Choreografin Michèle Murray, die unter anderem bei Merce Cunningham ausgebildet wurde. „Das sieht man ihren Arbeiten auch an“, sagte Ebert, „in dieser Lust, mit Form, Raum und der Anordnung von Körpern zu arbeiten.“ Nach einem Ausflug ins Kunstmuseum, wo Murray am 27. April im Rahmen einer Ausstellung mit Arbeiten von Katharina Grosse einige Duos zeigt, geht das Festival zu Ende mit einem Heimspiel der Tanzwerke Vanek Preuß, die am 27. und 28. April noch einmal ihr Stück „Phantasma – Tänze im Hamsterrad“ zeigen.

Dass dieses Programm mit einem Gesamtbudget von nur 50.000 Euro auf die Beine gestellt werden kann, ist nicht nur beachtlich, sondern zeigt auch das bis zur Selbstausbeutung gehende Engagement der freien Szene in Bonn.

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