Opernpremiere in Bonn Diese Oper stößt Kolumbus vom Sockel

Bonn · Sehenswerte Oper eines problematischen Komponisten: Das Theater Bonn zeigt die Oper „Columbus“ des wegen seiner Verstrickungen im Nazi-Regime umstrittenen Werner Egk. Das Werk ist eine Anklage gegen den Kolonialismus.

 Szene aus Werner Egks Oper „Columbus“ mit Giorgos Kanaris in der Titelrolle.

Szene aus Werner Egks Oper „Columbus“ mit Giorgos Kanaris in der Titelrolle.

Foto: Bettina Stoess

Die ursprünglich für den Rundfunk geschriebene Oper „Columbus“ des deutschen Komponisten Werner Egk (1901-1983), die am Sonntag in der Bonner Oper eine umjubelte Premiere feierte, ist eine flammender anklage gegen den Kolonialismus, sie benennt die Gier und den Machthunger der spanischen Eroberer und geißelt deren Grausamkeit gegenüber der indigenen Bevölkerung. Man könnte sagen, dass Egk den Entdecker der Neuen Welt, Christoph Kolumbus, bereits 1933 vom Sockel stieß. Der Komponist nahm damit den Bildersturm gegen die Kolumbus-Statuen vorweg, der 2020 nach dem tödlichen Polizeieinsatz gegen den Schwarzen George Floyd über den amerikanischen Kontinent fegte. Es ist, als sei der „Columbus“, zu dem Egk selbst das Libretto verfasste, gerade erst als Beitrag zur Postkolonialismus-Debatte komponiert worden.