Karnevalskonzert des Beethoven-Orchesters Westernflair und Kanonendonner

Bonn · Prinz und Bonna harrten mit Gefolge und kurfürstlich verkleidetem Oberbürgermeister den ganzen kurzweilig langen Freitagabend in der Beethovenhalle aus, um sich von den Musikern des Beethoven Orchesters unterhalten zu lassen.

 "Mein Liebeslied muss ein Walzer sein": Solistin Jennifer Zein beim Karnevalskonzert.

"Mein Liebeslied muss ein Walzer sein": Solistin Jennifer Zein beim Karnevalskonzert.

Foto: Barbara Frommann

Wenn die Tollitäten während der heißesten Phase des Karnevals einen kompletten Abend in ihrem ohnehin dichten Terminkalender dem Orchester ihrer Stadt freihalten, ist das schon eine schöne Geste.

Generalmusikdirektor Stefan Blunier bot allerdings kein Bönnsches oder Kölsches Programm, die Schauplätze waren eher an Donau und Mississippi angesiedelt. So begann Blunier mit dem munteren, an die Musik zu Westernkomödien erinnernden Divertissement "Kentuckiana" von Darius Milhaud, das von dem in bunten Kostümen auftretende Beethoven Orchester überaus launig zu Gehör gebracht wurde.

Die folgende Rhapsody in Blue für Klavier und Orchester von George Gershwin leitete BOB-Klarinettist Hans-Joachim Büsching mit einem toll und gefühlvoll intonierten Glissando ein. Doch auch bei seinen Kollegen kamen die Blue Notes und die jazzigen Rhythmen überaus authentisch herüber.

Echt mitreißend spielte der Solist Moritz Eggert, der die Sprünge, das Akkordspiel und die effektvolle Fingerakrobatik perfekt ins swingende Spiel einband. Aber er hatte sich nicht nur klaviertechnisch gut vorbereitet, sondern entsprach mit beigem Anzug und blondem Kunsthaar auch dem Dresscode des Abends. Für Eggert, der als Komponist schon ein Fußball-Oratorium schrieb und für Bonn die Oper "Freax", ist der Humor keine fremde Regung.

Das spürte man auch in seiner Zugabe, "One Man Band" aus seinem Hämmerklavier-Zyklus. "In diesem Stück versuchte ich, den Pianisten komplett zu überfordern", verriet er einmal. Tatsächlich handelt es sich um ein Stück nicht nur für zwei Hände und 88 schwarze und weiße Tasten, sondern Eggert bearbeitet dazu das Holz des Instruments wie ein Schlagzeug, schwingt den linken Fuß auf die Bass-Tasten und das Kinn auf die Mittellage der Tastatur, während die Finger der rechten Hand im Diskant herumwirbeln.

Action etwas anderer Art brachte dann Beethovens Schlachtenmusik "Wellingtons Sieg oder Die Schlacht bei Vittoria", in der über die napoleonischen Truppen mit viel Kanonendonner, Trompetengeknatter, britischen Melodiezitaten und einer hymnischen Siegessinfonie triumphiert wird.

Blunier inszenierte das Stück mit Wonne, das auch das Moderatorenduo Fritz Litzmann (Rainer Pause) und Hermann Schwaderlappen (Norbert Alich) zu einem komischen historischen Diskurs inspirierte, der in einer absurden Vision von einem sächsisch gewordenen Rheinland mündete. Das Pantheon-Duo ist für diese Veranstaltung immer wieder ein echter Gewinn.

In der zweiten Hälfte ging es mit der mitreißend gespielten Ouvertüre zu Leonard Bernsteins "Candide" zurück nach Amerika, wo man mit der virtuosen Bravour-Nummer "Glitter and Be Gay" aus demselben Stück noch eine Weile verharrte. Die junge Sopranistin Jennifer Zein sang mit Witz, virtuosen Koloraturen und Spitzentönen, die noch mehr funkelten als die Pailletten auf ihrem Kleid. 2000 begeisterte Menschen im eng bestuhlten Saal reagierten mit Riesenbeifall.

Mit Richard Eilenbergs "Die Mühle im Schwarzwald" und Stücken von Robert Stolz wurden heimatlichere Töne angeschlagen. Besonders hübsch: "Mein Liebeslied muss ein Walzer sein" aus Stolz' "Weißem Rößl" mit einem die Solistin Jennifer Zein gefühlvoll begleitenden Konzertmeister Liviu Casleanu.

Zum Schluss zogen dann Prinz Jürgen I. Und Bonna Nora I. mit Gefolge von ihren Plätzen zur Bühne, verteilten Orden und Bützchen. Dann folgte die Zugabe. Blunier: "Dazu musste das halbamerikanische Mädchen noch kurzfristig den Bönnschen Dialekt lernen." Der in Berlin geborenen und in Amerika aufgewachsenen Jennifer Zein gelang das jedoch mit "Unsere Stammbaum" von den Bläck Fööss ganz prima.

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