Erster Beethovenpreis für Menschenrechte "Wir sind ein Volk, das den Frieden will"

Bonn · Mit seinem Klavier, das er auf einen Karren fixiert hatte, zog Aeham Ahmad bis vor kurzem noch durch die Trümmerlandschaft des Palestinänserlagers Jarmuk in Damaskus. Hier lebten einmal 150.000 Menschen, mittlerweile sind es weniger als 15.000.

 Musik und Freiheit: Die Pianisten Martha Argerich und Aeham Ahmad.

Musik und Freiheit: Die Pianisten Martha Argerich und Aeham Ahmad.

Foto: Barbara Frommann

Die Menschen wurden getötet oder vertrieben durch den Terror der Assad-Regierung und des IS. Mit seinem Klavierspiel und seinen Liedern spendete Ahmad Trost, verbreitete er Hoffnung bei Kindern wie Erwachsenen.

Die Bilder von diesem jungen Musiker und seinen Zuhörern gingen um die Welt. Als IS-Kämpfer sein Klavier verbrannten, entschloss sich Ahmad zur Flucht: Schlepper brachten ihn in die Türkei, von dort ging es weiter per Schlauchboot übers Mittelmeer und über die Balkanroute nach München. Für seinen Mut wurde dem Musiker, der heute in einem Lager in der Nähe von Gießen lebt, im Rahmen eines Benefizkonzertes mit der Pianistin Martha Argerich und weiteren Musikern der erste Beethovenpreis für Menschrechte, Frieden, Armutsbekämpfung und Inklusion verliehen.

"Wir ehren Sie für Ihren Mut, in einem Umfeld zu musizieren, in dem künstlerische Darbietungen verboten sind und zum Teil mit drakonischen Strafen geahndet werden", würdigte der Staatssekretär im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung Friedrich Kitschelt den 27-jährigen Syrer in seiner Laudatio im Forum der Bundeskunsthalle. Dass der von Torsten Schreiber und Andreas Loesch initiierte Preis keine einmalige Angelegenheit bleiben wird, wurde in Gesprächsrunden unter anderem mit Bundeskunsthallen-Intendant Rein Wolfs und IHK-Präsident Wolfgang Grießl zwischen den musikalischen Blöcken des Abends deutlich.

"Beethoven war ein Unterstützer der Französischen Revolution und der Werte Freiheit und Gleichheit, in vielen Briefen ist belegt, dass ihm die Menschenrechte wichtig waren", sagte Torsten Schreiber. Viel von diesem Geist war auch im musikalischen Teil des Abends deutlich zu spüren, wo bewegende Lieder des syrischen Sängers und Saz-Spielers Ibrahim Keivo neben Musik von Beethoven und Brahms standen. Den Anfang hatten die Bonner Pianistin Luisa Imorde und der Solocellist des Beethoven Orchesters, Christian Brunnert, mit einem Satz aus Beethovens Cello-Sonate in C-Dur op. 102/1 gemacht. Der syrische Klarinettist Kinan Azmeh und der jordanische Pianist Karim Said - derzeit Mentée des Beethoven-Hauses - spielten den zweiten Satz aus der Klarinettensonate in f-Moll von Johannes Brahms, bevor Said mit einer brillanten Darstellung der Beethoven'schen Eroica-Variationen das Publikum im ausverkauften Forum begeisterte.

Der Preisträger selbst trug eine Auswahl von drei Liedern aus Jarmuk vor. "Die Lieder sollen zeigen, dass wir ein Volk sind, das den Frieden will", übersetzte eine Dolmetscherin die knappen einführenden Worte des Preisträgers.

Martha Argerich, die als Klavierpartnerin die japanische Pianistin Akane Sakai mitgebracht hatte, war in Brahms' Haydn-Variationen und Maurice Ravels "La Valse" zu hören. Beide Pianistinnen spielten sowohl mit virtuoser Leidenschaft und Entschiedenheit als auch mit Sinn für Struktur und Klangfarben.

Zum Schluss gab's dann noch die "Ode to Joy" von Bruce Stark, eine von dem Pianisten Kai Schumacher hinreißend und temperamentvoll gespielte Variationen-Hommage an Beethovens neunte Sinfonie.